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Fahrberichte & Tests
 
Lexus LS 430 Front
Potente Größe – der LS zeigt Masse
 
 
Wolke Acht

Seidenweicher Antrieb, die überkomplette Ausstattung sowie ein klarer Preisvorteil gegenüber den deutschen Wettbewerbern sind bereits seit ihrer Einführung im Jahre 1989 Merkmale der großen japanischen Luxuslimousine von Lexus. Die letzte Ausbaustufe des Flaggschiffs glänzt mit Sechsgangautomatik, adaptivem Kurvenlicht und Rückfahrkamera.

Große Töne gab der Lexus LS noch nie von sich. Vor fünfzehn Jahren, als er die deutsche Bühne betrat, nicht – und heute ebenso wenig. Diese Eigenschaft ist durchaus von einer gewissen Doppeldeutigkeit geprägt: Zum einen geht es um den äußeren Auftritt; hier bemühen sich die hiesigen Mitstreiter seit je her, mehr oder weniger dezent auf den gesellschaftlichen wie finanziellen Status des Oberklassen-Eigners aufmerksam zu machen, was ihnen ja mit Hilfe des Images gelingt – schließlich sollen die anderen Verkehrsteilnehmer ja merken, mit wem man es zu tun hat. Beim LS leiten aufmerksame Naturen die Fahrzeugklasse allenfalls von den geschätzten Abmessungen und der häufig zum Kritikpunkt gemachten optischen Nähe zur Mercedes S-Klasse der Baureihe W 140 ab – wirklich bekannt ist der Gleiter nur eingefleischten Autokennern. Die damit verbundene Image-Schwäche avanciert so zur Stärke des Luxusliners.
Zum anderen darf man die obige Aussage getrost wörtlich nehmen. Jenes urspezifische Feld einer großen Limousine, nämlich der Fahrkomfort und das damit zusammenhängende Geräuschniveau, beherrschen die Japaner mit ihren Flaggschiff so virtuos, dass unsere heimischen Ingenieure den Hut ziehen. Denn die japanischen Kollegen haben gezeigt: Sie kopieren nicht, sondern verbessern bereits bestehende Lösungen.

Lexus LS 430 Innenraum
 
Angenehmer
Arbeitsplatz
 

Groß dimensionierte Fauteuils in weich gehaltenem Leder erwarten den Passagier beim Einstieg in das Fünfmeter-Schiff. Bei Laune halten ihn mit Schaltern nicht zu knapp ausstaffierte Konsolen sowie ein dank Wurzelholz-Einlagen luxuriöses, aber doch sachliches Flair – ein bisschen Schwaben kann die japanische Nobel-Limousine dann doch nicht verleugnen. Das befürchtete Szenario der Bedienungsproblematik bleibt – so zeigt die Praxis – aus. Nach kurzer Eingewöhnung hat man den wichtigsten Teil jener geheimnisvoll scheinenden Taster, welche Klimaautomatik, Radioanlage und weitere Funktionen wie beispielsweise das elektrische Heckscheibenrollo oder die Fahrwerkcharakteristik ansteuern, durchdrungen.
Platz ist in Hülle und Fülle vorhanden – vorne wie hinten. Wahrer Sitzkomfort endet hier jedoch noch lange nicht. Demnach sind von Sitzheizung über Sitzbelüftung vorn bis hin zur Massagefunktion im Fond (President-Line, 8.300 Euro Aufpreis) alle Schikanen an Bord, die man sich für die entspannte Fortbewegung nur wünschen kann.
Das Qualitätsbild macht überdies einen tadellosen Eindruck – sowohl haptisch als optisch.

Glanznummer des Lexus LS war und ist das Kapitel Antrieb. Zentrale Rolle spielt hierbei das seidenweich und äußerst leise laufende Aggregat. Wird der 4,3-Liter-Vierventiler-V8 zum Leben erweckt, schadet ein Blick auf den Drehzahlmesser nicht, um zu kontrollieren, ob das Triebwerk seine Arbeit auch wirklich aufgenommen hat. Große Laute gibt der Motor auch unter Last nicht von sich. Beim Ausdrehen wummert es gut gedämpft aus Richtung Haube. Windgeräusche sind der Luxuskarosse ebenso fremd wie Maschinenlärm, wozu die klassenbeste Aerodynamik ihren guten Teil beiträgt. So stehen Fahrleistung und Akustik in einem befremdlichen Unverhältnis zueinander; die kräftige Beschleunigung – immerhin erreicht der LS einhundert Stundenkilometer deutlich unter sieben Sekunden – will man ob des leisen Motors gar nicht so recht wahrnehmen, und hohe Tempi setzt der größte Lexus zumindest gefühlsmäßig spielend herab – wer die Oberklasse als Ruhetempel bezeichnet, übertreibt keineswegs. Besonders geringe Abrollgeräusche krönen das wie auf Samtpfoten daherschleichende Topmodell. So gut brachte schon die erste Ausbaustufe des LS 430 seine Reisegäste von Ort zu Ort.

Neu hingegen ist das Automatikgetriebe, welches jetzt über sechs Fahrstufen verfügt, der alten Box in Sachen Schaltkomfort weder nachsteht noch überlegen ist. Marketingtechnisch wurde die Aufrüstung nötig; schließlich will man sich nicht nachsagen lassen, der Konkurrenz, die durchweg ebenso viele Gänge aufzubieten hat, hinterherzuhinken. Aber sie hilft auch, strengere Abgashürden zu nehmen und den Benzinverbrauch geringfügig zu senken. Denn je mehr Gänge zur wahl stehen, desto häufiger bewegt man sich naturgemäß in günstigen Drehzahlbereichen.
Übersetzungswechsel erfolgen selbst unter vollem Leistungseinsatz mit vorbildlicher Sänfte. Überhaupt ist Hektik nicht das Thema dieses Automaten; er beherrscht es vielmehr, spontan und vor allem zum richtigen Zeitpunkt die passenden Gänge bereitzustellen.
Die serienmäßige Luftfederung rundet den Bereich Fahrkomfort positiv ab. Sie schluckt sowohl lange Bodenwellen als auch kurze Querfugen mit souveräner Gelassenheit. Mittels Knopfdruck lässt sich der Dämpfung einen sportlichen Touch verpassen. Zwar wird der LS so merklich straffer, allerdings steht ihm die komfortable Auslegung besser zu Gesicht – für schnelle Kurvenjagden gibt es gewiss geeignetere Autos.

Äußerlich gibt sich das Modelljahr 2004 durch leichte Retuschen zu erkennen: Zweifarbig gehaltene Rückleuchten sorgen in Verbindung mit den nun sichtbaren Auspuffendrohren für mehr Jugendlichkeit, und weit bis in die Kotflügel reichende Scheinwerfer verleihen der Limousine einen dynamischen Auftritt. Diese scheinen jetzt übrigens auch in die Kurve hinein – sogar frei Haus. Ebenfalls Einzug hielt die bei anderen Produkten des Herstellers längst zum Einsatz kommende Rückfahrkamera. Ferner dürfen noch nicht Autotelefon-Erprobte ihre Twincard getrost liegen lassen. Denn über die serienmäßige Blue-Tooth-Schnittstelle kommuniziert das Handy mit der eingebauten Freisprecheinrichtung – vorausgesetzt, man verfügt über frische Mobilfunk-Technik.
Nach wie vor aktuell ist die Tatsache, dass der LS-Kunde für viel Geld noch mehr Auto bekommt – und zwar hängt der Japaner in dieser Disziplin alle Mitbewerber locker ab. Platz für Individualisierung bleibt kaum noch. Ganze drei Sonderausstattungen stehen dem Interessenten zur Auswahl. Hierzu zählen das elektrische Schiebedach (1.300 Euro), DVD-Navigationssystem inklusive Soundsystem und Heckkamera für 4.700 Euro und die sogenannte President-Line, welche elektrisch einstellbare Fondsitze mit Massagefunktion und ein Kühlfach in der Rückenlehne für satte 8.300 Euro enthält.

Lexus LS 430 Heck
 
Zwei Auspuffrohre
für dezente Sportlich-
keit
 

Ansonsten ist alles drin, drum und dran. Da muss über Antiblockiersystem und Fahrdynamikregelung kaum diskutiert werden; ebenso wenig fehlen Kopf-, Seiten- sowie Frontairbags, und natürlich ist der Knieairbag an Bord. Elektromotoren verstellen alles, was nicht niet- und nagelfest ist – das betrifft Spiegel, Sitze, Lenkrad, Heckscheibenrollo und die Fensterheber vorne wie hinten. Daneben gibt es Sensoren für Licht, Regen und Reifenluftdruck. Selbstverständlich sind sämtliche Spiegelflächen abblendbar; außerdem verfügt der LS über Alarmanlage, Bordcomputer, Klimaautomatik, vorn und hinten beheizte sowie vorn belüftete Ledersitze, Leichtmetallräder, Radioanlage inklusive CD-Wechsler, Tempomat und Xenonlicht.
Wünsche nach mehr Luxus kommen demnach selten auf. Ein grundausgestatteter Lexus LS 430 kostet 72.000 Euro, besser könnte das Preis-Leistungsverhältnis gar nicht ausfallen.
Dennoch seien Schnäppchenjäger gewarnt – ein billiges Vergnügen ist der Luxusliner keineswegs. Allein der Spritverbrauch (8,5 bis 16,3 Liter auf 100 km) dürfte Knausern Tränen in die Augentreiben, wobei der Wert angesichts Leistung und Gewicht überaus angemessen erscheint.

Fazit: Der aktualisierte Lexus LS 430 wird dem Ruf und dem Prospekt gerecht; in ihm herrscht Ruhe, unabhängig von der Lebenslage. Dabei spielt er preislich gesehen eine ganze Liga tiefer – nur in Sachen Image kann er es mit den Wettbewerbern aus Stuttgart, München und Ingolstadt nicht aufnehmen, so sehen es zumindest die meisten Autofahrer, welche nicht zur Zielgruppe gehören. Damit muss man wohl leben.

 

Januar 2004



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