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Fahrberichte & Tests
 
Lexus GS Front, Innenraum

LEXUS-LINER

Wenn in dieser Zeit eine obere Mittelklasse vorgestellt wird, schaut die (Auto)-Welt penibelst hin, denn in jenem Segment am Tore des automobilen Oberhauses ist der Anspruch hoch, die technische Relevanz groß und der Premium-Faktor wichtig. Lexus setzt mit dem jungen GS einen gewichtigen Wettbewerber auf die Konkurrenz an.

Lexus gehört neben Jaguar und Chrysler zum Importeur-Trio, das die Business-Klasse auf Kundenwunsch richtig nobel gestaltet. Dazu gehört freilich ein Achtzylinder, Symbol für besonders feinen Motorenbau. Doch neben exzellentem Antrieb gibt es im aktuellen GS noch einige andere Schmankerl, die in hiesigen gefilden allenfalls namhafte Premium-Hersteller aufbieten können: Elektro-hydraulisches Bremssystem, Unfall-Früherkennung und variable Lenkübersetzung sind da mächtige Schlagwörter.
Doch überraschend ist diesmal, dass jene hochkarätige Technik für japanische Verhältnisse auch hübsch verpackt ist. So hübsch wie noch nie sogar: Lexus nennt es „L-finesse“ und möchte mit jener eigens kreierten Design-Philosophie ab sofort mehr eigenständigkeit demonstrieren, was der Marke sogar außerordentlich gut gelingt.
Ähnlichkeit mit Produkten der guten, alten Traditionsstätte Daimler, die sich der japanische Newcomer bis dato häufig vorwerfen lassen musste, weist allenfalls noch der LS 430 auf, dessen Nachfolger allerdings schon in Detroit zu sehen ist.

Lexus GS Heck, Rückleuchten
 
Coupéhaft schön – das Heck des GS
 

So zeichnet sich der GS ebenso durch milde Eleganz wie dezente Sportlichkeit aus. Mit coupéhafter Silhouette könnte er den einen oder anderen potenziellen Interessenten durchaus in seinen Bann ziehen. Das Heck mit leicht hochgezogener Nase alias Spoilerlippe (GS 300 erst ab „Luxury-Line“) mutet dynamisch, keinesfalls übertrieben an. Vorn blinzelt der Business-Japaner aus klaren, zweigeteilten Scheinwerfern – dieser Kniff verleiht der GS-Schnauze eine filigrane Optik mit edlem Touch.
Innen geht es kaum minder nobel zu. Feine Materialien wurden sorgfältig zu einem gelungenen Ganzen verarbeitet. Das Interieur hielten die Designer in diesem Fall schlicht, vielleicht etwas zu unauffällig gar. Understatement prägt den GS allerdings durch und durch. Vorsichtig dosierte Holzeinlagen unterstreichen den Luxus-Anspruch, welcher zwar in zurückhaltender Weise, doch stets in vollem Umfang gegenwärtig ist.
Bedient wird das veritable High-Tech-Vehikel noch konventionell per Schalter ohne neuartige Controller-Systeme à la iDrive oder MMI-Modul; das gelingt denn auch trotz zahlreicher Knöpfchen recht gut, und man verzeiht dem grossen Meister, dass die Rädchen für die Sitzheizung schonmal von der verschiebbaren Armlehnenfach-Abdeckung verschluckt werden und die Spiegeleinstellung erst nach Herausklappen eines Schalter-Boards links neben dem Lenkrad vorgenommen werden kann – beides kann nämlich in Suchorgien enden.

Dabei ist frappierend, mit welcher Kontinuität diese junge Marke seit anderthalb Jahrzehnten operiert. Wer den ersten, zu Beginn der Neunzigerjahre debütierten, LS kennt, wird auch den neuesten GS auf Anhieb als waschechten Markenvertreter identifizieren.
Zu richtiger Hochform läuft die Lexus-Fuhre traditionsgemäß erst nach dem Start auf. Das ist der spannende Moment, in dem sich noch so hartgesottene Auto- und Motorenfreaks fragen: „Läuft er wirklich schon?“ Allein der Drehzahlmesser verschafft dem Fahrer Gewissheit, und alle übrigen Fahrgäste – falls zugegen –, denen in munterer Unterhaltung gar nicht aufgefallen ist, dass die sechs respektive acht Kolben längst die Arbeit aufgenommen haben, dürften staunen, wenn die sanftmütige Limousine sich nahezu lautlos in Bewegung setzt. Im Flüsterton geht es denn weiter Richtung Autobahntempo, selbst Windgeräusche bleiben dem inneren Geschehen weitestgehend fern. Demnach dürfen die Passagiere – genüsslich in den komfortablen Sesseln sitzend – wahlweise der hochwertigen Musikanlage lauschen oder gepflegte Gespräche in Zimmerlautstärke führen. Über Langstreckenfähigkeit muss hier nun wirklich nicht diskutiert werden, diese Disziplin meistert der GS mit Bravour. Ebenfalls auf hohem Niveau: Das Platzangebot ist durchweg großzügig bemessen und lässt keine Wünsche offen.

Selbiges gilt für die beiden Antriebsquellen der oberen Mittelklasse. An der Basis wurde kräftig gewerkelt: Statt des alten Reihensechsers kommt nun ein brandneuer V6 mit Direkteinspritzung zum Zuge. In der Leistung konnte der Dreiliter um 30 Pferdchen auf 249 PS zulegen und sorgt somit für viel Temperament. Souverän und gelassen befördert der Benziner den 1,7-Tonner in wenig mehr als sieben Sekunden auf Tempo einhundert. Dabei hebt das Sechszylinder-Aggregat auch bei Vorpreschen in hohe Drehzahlregionen seine Stimme nicht nennenswert an. Für gutes Zusammenspiel mit dem Otto steht eine obligatorische Sechsgang-Automatik, die durch kaum wahrnehmbare Übersetzungswechsel auffällt.
Lediglich überarbeitet wurde der ansonsten unveränderte V8, der schon im Vorgänger gute Dienste tat. Wenig gesitteter als sein kleiner Bruder beschleunigt er den Lexus eine gute Sekunde schneller auf 100 km/h – die Höchstgeschwindigkeit wächst um zehn Stundenkilometer auf abgeregelte 250 Sachen. Signifikant absetzen kann sich der stärkere GS vom Basismodell in keiner Disziplin, wenngleich er doch ein Quäntchen feiner klingt. Auch hier leistet das automatische Getriebe mit sechs Fahrstufen hervorragende Dienste. Vom komfortablen Fahrwerk profitieren außer dem Fahrer denn auch die restlichen Fahrgäste – hier gelang den Ingenieuren ein guter Kompromiss zwischen dynamisch-straffer Ausrichtung und kommoder Samtartigkeit. Dennoch darf der mittlere Lexus zweifellos als fahraktives Auto bezeichnet werden, das Kurven mittels präziser Lenkung schonmal zügig durcheilt – der Lenker muss es nur wollen.

Lexus GS Innenraum
 
Feine Zutaten für die Wohnstube
 

Wer ihn haben will, muss ein stattliches Sümmchen auf den Tisch legen, für das es im Gegenzug jedoch eine Menge Auto gibt. Ganze 40.500 Euro kostet der GS 300 und bietet Antiblockiersystem, Frontairbags, Knieairbag, Kopfairbags vorn wie hinten, Seitenairbags, elektrisch abblend-, verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, innenspiegel automatisch abblendbar, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, elektrisch verstellbare Lenksäule, Radioanlage mit RDS inklusive CD-Wechsler, schlüsselloses Schließsystem, elektrisch verstellbare Sitze, Tempomat sowie Xenon- und Kurvenlicht.
Mit 55.600 Euro ist der GS 430 zwar erheblich teurer, hält aber zusätzlich dicke Brocken wie ein elektronisch gesteuertes Fahrwerk, Park- und Regensensor, Seitenairbags auch hinten, Servolenkung mit variabler Übersetzung sowie beheiz- und belüftbare Ledersitze mit Memory bereit. Weitere 8.400 Euro bescheren dem Kunden ein DVD-Navigationssystem, ein höherwertiges Soundsystem mit zwölf Lautsprechern sowie einen aktiven Tempomaten inklusive radargesteuerter Unfall-Früherkennung.

Fazit: Der Lexus GS geht als feine Business-Limousine durch, die der hiesigen Konkurrenz in jeglicher Hinsicht zumindest ebenbürtig, in manchen Disziplinen gar überlegen ist. Und angesichts der üppigen Ausstattung stellt er sogar ein besonders günstiges Angebot dar. Allein in Sachen Image steht der Marke noch ein steiniger Weg bevor, doch auch dieser ist nicht unpassierbar.

 



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