|
Aus
geschiedenen Ehen kann auch Gutes hervorgehen.
Nachdem der wuchtige Range Rover unter BMW-Regie
entwickelt wurde und auch noch lange Zeit Motoren
aus München trug, räumte Ford, der nachfolgende
Markeneigner, mit diesem Zustand sukzessive auf.
Erst tauschte die amerikanische Mutter den V8-Benziner
gegen ein sogar etwas potenteres Triebwerk aus
dem Hause Jaguar ein das Aggregat wurde
allerdings einer leichten Kur unterzogen, die
mit einer Hubraumvergrößerung von 4,2
auf 4,4 Litern bei der Saugerversion verbunden
war. Nur auf der Dieselseite fuhren die Briten
zunächst sechszylindrig weiter, bis sie im
Herbst 2006 mit einem wunderschönen, brandneuen
V8 überraschten. Die Magie der Zahl ist es
schließlich, die Fans in ihren Bann zieht.
Auch bei der oberen Dieselgemeinde braucht es
längst acht Töpfe, um Aufsehen zu erregen.
Und für die Briten war die Umstellung wichtig,
um ihre Abhängigkeit von BMW nun endgültig
zu beenden, ganz abgesehen davon, dass jener Dreiliter
zuletzt nicht mehr dem aktuellen Stand entsprach,
was auch die Leistung widerspiegelte: In einigen
Modellreihen des Münchener Autobauers setzt
er inzwischen 235 PS frei mit 177 PS dagegen
wartete der Range Rover auf.
 |
 |
| |
| Klassisch-elegant:
Der Range Rover... |
|
 |
|
Aber halt: Wer jetzt einen
Kracher erwartet, ist mit dem TDV8 schlecht bedient.
Die Ingenieure legten den Schwerpunkt auf Wirtschaftlichkeit
und Laufruhe. Mit einem Hubraum von 3,6 Litern
signalisiert das Datenblatt schon im Vorfeld Zurückhaltung,
dann aber offenbart es 272 PS. Das scheint genau
die richtige Leistung für einen schweren
Geländewagen da gelingt der Spagat
zwischen angemessener Fortbewegung und moderatem
Spritkonsum. Mehr Power würde den Durst in
einer unverhältnismäßigen Weise
verstärken; der Offroader benötigt laut
Werk 9,2 Sekunden, um auf einhundert km/h beschleunigen,
was für einen Genossen seiner Art völlig
ausreicht. In der Spitze rennt das bis zu 2,8
Tonnen wiegende Trumm (Leergewicht!) immerhin
200 Stundenkilometer.
In der Praxis dann erfüllen sich die Erwartungen
an den doppelt aufgeladenen Vierventiler
er setzt den großen Allradler ohne Anstrengung
in Bewegung, reduziert die turbotypische Anfahrschwäche
auf ein Minimum und bemüht die obligatorische
Sechsstufenautomatik nur noch selten, denn dieser
stehen beachtliche 640 Nm Drehmoment zur Verfügung.
Wenn das Werk noch sein Versprechen hält
und den einzigen Diesel-Range mit runden elf Litern
über die Runden kommen lässt, dürfte
guter Stimmung nichts mehr im Wege stehen. Für
erste freundliche Mienen sorgt der Selbstzünder
schonmal mit seiner Lautäußerung. Während
andere Motoren ähnlichen Formats die Nachbarschaft
mit dem Start morgens entweder grüßen
oder aus dem Bett werfen, gibt sich der V8 eher
zurückhaltend und orientiert sich am ebenfalls
sehr leisen V6-Common-Rail aus dem Konzern. Das
Bild ändert sich auch bei höherer Drehzahl
nicht selbst unter Last schnarrt es nur
milde aus dem Motorraum, was zwar die Frage klärt,
welchem Lager der Verbrenner angehört, aber
kaum aufs Gemüt schlägt.
Da wird klar: Nicht die Kiesgrube ist die Heimat
des größten Land Rover, sondern die
Autobahn, schwebt der 4x4-König doch sanft
über die dort üblichen langwelligen
Bodenverwerfungen und verwahrt seine Passagiere
abgeschottet von der Außenwelt
sicher wie in einer Burg. Aber auch hartnäckigere
Pflaster urbaner Gebiete absorbiert die zum Standard
gehörende Luftfederung souverän.
Weite Strecke in Sicht? Dann schlägt die
Stunde der ausladenden Fauteuils, die jegliche
Mitreisende samtweich aufnehmen, aber trotz aller
Gemütlichkeit keine Rückenschmerzen
bei längerer Verweildauer verursachen. Und
weil diese sich auch noch in einer äußerst
weitläufigen Fahrgastzelle befinden, steht
die Geländeikone für Komfort erste Güte.
Da kann sich geräkelt werden, vorn wie hinten;
egal, ob kleine oder großgewachsene Personen
den Range betreten, das Raumwunder zeigt überall
Wirkung.
Selbst die Gepäckmitnahme übertrifft
in ihrer Dimension freilich jeden Kombi: Mit bis
zu 2.099 Litern bei kompletter Ausnutzung ist
Flexibilität garantiert.
Und das bei noblem Ambiente mit viel Kirsch- oder
Walnussholz (Vogue), Leder und natürlich
bester Materialverarbeitung. Der Land Rover fühlt
sich solide an wie ein Tresor; bei höheren
Tempi hört man neben den Gesprächen
der Mitfahrer allenfalls Wind, welcher sich der
klassisch-steilen Frontscheibe in den Weg stellt.
Aber von wirkenden Torsionskräften oder knarzenden
Kunststoffen gibt es nicht die leiseste Spur.
 |
 |
| |
| Hindernis
gefällig? Der Range schafft es... |
|
 |
|
Solcher Luxus hat natürlich
seinen Preis: Ab 79.500 Euro ist man dabei. Dafür
gibt es den Basis Range Rover TDV8 SE mit Antiblockiersystem,
Front-, Seiten- und Kopfairbags vorn wie hinten,
Knieairbag, Bergabfahrkontrolle, Bordcomputer,
Dieselpartikelfilter, elektronisch geregeltem
Fahrwerk, elektrischen Fensterhebern rundherum,
automatisch abblendendem Innenspiegel, Klimaautomatik,
Leichtmetallrädern, elektrisch verstellbarer
Lenksäule, elektrischer Parkbremse, Parksensor,
Radioanlage inklusive CD-Wechsler, Regensensor,
Rückfahrkamera, elektrisch verstell- und
beheizbaren Ledersitzen samt Memoryfunktion, elektronischem
Stabilitätsprogramm, Tempomat und Zentralverriegelung
mit Funkfernbedienung.
Wer jetzt noch Dinge wie Navigationssystem, Reifendruckkontrolle,
elektrisches Schiebe-Hebedach, Sitzheizung auch
hinten, Harman-Kardon Soundsystem und adaptives
Bi-Xenonlicht vermisst, muss zur Vogue-Ausstattung
greifen sie kostet 92.800 Euro. Schlappe
10.000 Euro mehr kostet die Linie Autobiography
und beschert dem Kunden automatisch abblendende
Außenspiegel, eine erweiterte Lederausstattung,
Sitzbelüftung, ein Multimediasystem mit Bildschirmen
in den Fondkopfstützen sowie eine Standheizung.
Kompletter gehts nun wirklich nicht.
Fazit: Der
Range Rover TDV8 verfügt über einen
seidenweich laufenden Diesel-V8, der allerdings
nicht auf maximale Leistung ausgelegt wurde. Mit
272 PS bleibt er deutlich unter der magischen
300er-Marke, bietet aber genug Punch, um den schweren
Brocken angemessen durch die Lande zu schieben.
Satte 640 Nm Drehmoment sprechen für sich,
der durchschnittliche Kraftstoffkonsum von runden
elf Litern allerdings auch, er ist höchst
ansehnlich für diese Fahrzeugkategorie.
|