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Fahrberichte & Tests
 
Kia Opirus Front, Innenraum

Sanfter Riese

Der Kia Opirus ist ein Exot besonderer Art: Einer der größten Businessklässler wohl, im Gegenzug jedoch auch einer der preiswertesten – im wahren Sinne des Wortes. Allein auf Prestige muss verzichtet werden, doch das dürfte angesichts des Gebotenen leicht fallen. Autotipp.

Fast 4,98 Längenmeter nimmt dieser Kia in Anspruch – mit jenem Gardemaß treibt er Stadtbesucher den Schweiß auf die Stirn, zumindest dann, wenn es gilt, einen angemessenen Parkplatz im Dschungel der Straßen zu finden.
Die Fahrgäste tummeln sich derweil in der großzügig geschnittenen Wohnstube auf dem imaginären Weg von Hamburg nach Köln. Hinten bietet der asiatische First-Class-Gleiter Beinfreiheit, von der selbst europäische Oberklasse-Limousinen nur träumen und an die sie allenfalls herankommen, falls sie in Langversion geordert werden.
Dabei fällt der Radstand mit exakt 2,80 m nichtmal übermäßig lang aus – das spricht für eine günstige Verteilung der Komponenten, schließlich handelt es sich um einen Fronttriebler mit quer eingebautem V6, hier lässt sich Platz sparen. Lediglich der Kofferraum geriet mit 480 Litern Fassungsvermögen etwas kleiner und darf mithin als durchschnittlich bezeichnet werden, man kann nicht alles haben. Man will auch nicht immer alles haben. Beispielsweise 50 Modellvarianten – absolut verzichtbar.

Kia Opirus Heck, Rückleuchten
 
Barock und groß: Der Kia Opirus
 

So gibt es vom Opirus genau eine Motorversion: Satte 3,5 Liter Hubraum, sechs Zylinder und 203 PS treiben den Luxusliner nach vorn. Im nächsten Jahr werden es mehr, das bald anstehende Facelift verspricht eine kleine Leistungsspritze, doch auch die aktuelle Version fühlt sich keineswegs schlapp an. Nicht rasant freilich, dafür wäre das eher sanft abgestimmte Fahrwerk auch kaum der richte Partner, aber doch mit konsequentem Druck verlässt der Opirus die Parkposition. Dabei stimmt der V6 unter Last eine energisch-helle Tonart an, bleibt selbst im hohen Drehzahlbereich metallisch stets vibrationsfrei und gibt in der Teillast den akustisch zurückhaltenden Mitfahrer. Nicht ganz so zurückhaltend naturgemäß geht der Otto-Motor mit Kraftstoff um, bei guten 1,9 Tonnen Leergewicht kein Wunder. Immerhin kommt der Koreaner mit günstigerem Normalbenzin aus, von dem selbst bei moderater Fahrweise selten weniger als elf Liter pro 100 Kilometer durch die Leitungen fließen. Autobahnsteigungen quittiert die Fünfstufenautomatik mit häufigem Herunterschalten; die Übersetzungswechsel erfolgen weich, lediglich das Ansprechen das Kickdowns könnte etwas spontanter ausfallen.

Und sonst? Eine gepflegte Erscheinung ist der große Kia ja durchaus. Etwas E-Klasse (Front) und amerikanischen Automobilbau (im Heckbereich) holten die Designer ins Haus. Warum auch nicht? Unterm Strich wirkt der Asiate barock und ausladend, ein rollender Kontoauszug hingegen ist er nicht, zu exotisch sein Habitus. Passanten nehmen mit unauffälligem Kopfnicken Notiz von dem stattlichen Viertürer, als Opirus machen ihn aber nur Kenner aus.
Kein Wunder, steht er doch nicht an jeder Strassenecke herum. Dabei handelt es sich um ein Reisemobil erster Güte. Das Gestühl präsentiert sich komfortabel, vielleicht etwas zu nachgiebig. Aber gemütlich ist es, darüber besteht kein Zweifel. Und was will man schließlich mehr?
Vielleicht etwas spürbarer zur Kenntnis nehmen, wenn per Schalter zwischen weicher und harter Fahrwerksabstimmung gewählt wird. Man muss schon sensibel sein, um zu merken, dass der Opirus etwas hölzerner über kurze Bodenwellen rollt, aber keinen Deut sportlicher durch Biegungen eilt, falls die Dämpfer entsprechend eingestellt werden.

Das nur am Rande. Die Fahrgastzelle macht neben ihrer Geräumigkeit einen übersichtlichen, aber auch nüchternen Eindruck. Trotz üppiger Ausstattung ist die Tasten-Landschaft und deren Bedeutung schnell erfassbar. Rundskalen für Tacho und Drehzahlmesser übermitteln ihre Daten schmucklos, dafür jedoch unmissverständlich an die Fahrerschaft.
Wer mag, bekommt weite Teile des Interieurs mit Holz-Zierrat oder wahlweise Alu-Optik ausstaffiert.
Die Klimatisierung arbeitet effektiv und kräftig, was den Wohlfühlfaktor an Bord erhöht. Sauberer Geradeauslauf und geschmeidiges Abrollen verleihen dem Koreaner obendrein Gleiter-Qualitäten.
Dem praktischen Leben tragen viele Ablagen Rechnung, darunter das gekühlte Fach (mit Cupholdern) in der Ablagebox zwischen den Vordersitzen sowie das zweigeteilte Handschuhfach. Ferner beinhaltet die Lehne zwischen den Fondsitzen zwei weitere Cupholder und eine zusätzliche Ablage. Der optischen Abrundung dienen schicke 17-Zoll-Felgen, die der kräftig anmutenden Seitenansicht gut zu Gesicht stehen und die Radhäuser ausfüllen.

Kia Opirus Motorraum, Motor, V6
 
Der große V6 ist leise und kräftig
 

Für 39.490 Euro wird der Kia Opirus besonders günstig feilgeboten. Zur Serienausstattung zählen Antiblockiersystem, Frontairbags, Kopf- und Seitenairbags vorn wie hinten, elektrische Fensterheber rundherum, elektronisches Stabilitätsprogramm, automatisch abblendender Innenspiegel, Klimaautomatik, Navigationssystem, vorn und hinten beheizbare Ledersitze, Leichtmetallräder, elektrisch verstellbare Lenksäule, Parksensor, Radio mit RDS und CD, Regensensor, elektrisch verstellbare Vordersitze (links mit Memory), Tempomat, Xenonlicht sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Bei den Sonderausstattungen fällt die Liste demnach knapp aus: Ein elektrisches Glas-Schiebe-Hebedach lässt sich gegen 700 Euro ordern, der Metallic-Lack kostet 400 Euro. Den dicksten Brocken stellt das erweiterte DVD-Navigationssystem dar – dann lotst ein großer, den vorhandenen Doppel-DIN-Schacht einnehmender Farbbildschirm den Weg durch ganz Europa. Kostenpunkt: Immerhin 1.850 Euro.

Fazit: Der Kia Opirus ist eine klassisch-barocke Business-Limousine zum äußerst günstigen Tarif. Das Flaggschiff ist komfortabel und geräumig, kann allerdings in Sachen Image nicht mit dem hiesigen Wettbewerb mithalten. Für jene Kunden, die darauf keinen Wert legen, ist der Koreaner ein absoluter Geheimtipp.

 



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