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Fahrberichte & Tests
 
Jeep Grand Cherokee, Front Innenraum

NEW ECONOMY

Eines hat dem Jeep Grand Cherokee immer gefehlt: Ein für die Fahrzeugklasse angemessener Diesel. Seit Mercedes den modernen Dreiliter-Commonrail-V6 zusteuert, sorgt der 4x4 bei ausgeprägten Selbstzünder-Fans für glänzende Augen. Autotipp.

Was wäre Chrysler nur ohne V8? Es gab zwar in den Achtzigerjahren eine magere Zeit für die amerikanische Traditionsmarke, die schon vor über 40 Jahren für blubbernde Großkolbentriebwerke bekannt war, doch mit dem ebenso üppigen 300 C lebte der gute, alte Hemi mit seinen halbkugelförmigen Brennräumen und selbstverständlich acht Zylindern wieder auf – 5,7 Liter Hubraum sind ein deutliches Wort. Jenes Kraftwerk pflanzte der Hersteller freilich auch in sein luxuriöses Geländefahrzeug, den Jeep Grand Cherokee. Ein schöner Traum. Denn hier in Deutschland, wo der Sprit tiefe Löcher in die Geldbörsen der Autofahrer frisst, bleibt der V8 meistens unerschwinglich, vor allem für Vielfahrer. Willkommen im realen Leben heißt die US-Marke seine potenziellen Kunden mit dem Grand Cherokee CRD. Sein modernes Commonrail-Diesel-Triebwerk geht auf das Konto von Mercedes – es handelt sich immerhin um jenes wackere Herz, das auch die noble S-Klasse antreibt. Endlich fahren Grand-Cherokee-Interessenten auch auf der Selbstzünder-Seite standesgemäß mit sechs Töpfen, war dem Vorgänger doch lediglich der rau klingende 2,7-Liter-Reihenfünfzylinder vergönnt.

Jeep Grand Cherokee Heck, Rückleuchten
 
Kantig scheint wieder in zu sein...
 

Dann also auf in den Straßenkampf – mit dem V6 unter der Haube wirkt der große Geländewagen keinesfalls träge. Immerhin 218 PS leistet er hier, das sollte auch im Zeitalter der PS-Wettrennen noch reichen. Allerdings hat der aktuelle Grand Cherokee im Vergleich zum Vorgänger ganz schön an Masse zugelegt; wurde die magische Zweitonnen-Grenze bisher zumindest bei den Benzinern unterschritten, wuchtet die neue Generation stets deutlich über 2.000 kg auf die Waage – der hier getestete CRD bringt es gar auf 2,2 Tonnen Leergewicht.
Dafür gibt es drei Sperrdifferenziale (elektronisch geregelt) und eine Reduktion. Letztere wird einfach per Schalter neben dem Automatikwählhebel aktiviert, von den übrigen Geländefunktionen bekommt der Fahrer indessen nicht viel mit, weil die Elektronik immer Herr über die Mechanik bleibt. Andererseits dürften sich nur wenige Kunden ins tiefe Geröll wagen. Meist bleibt es dabei, den im Zweifelsfalle schweren Anhänger über die Wiese zu ziehen – und der Jeep darf bis zu 3.500 kg an den Haken nehmen.

Dann freilich ist es vorbei mit der Restagilität, welche der schwere Offroader sonst an den Tag legt. Kurvenneigung gehört natürlich zum Tagesgeschäft, schließlich kann die Abstimmung des Fahrwerks trotz Euro-Ausrichtung eine gewisse amerikanisch-weiche Färbung nicht leugnen, soll sie auch gar nicht, man wußte ja vorher, welcher Firma man Geld überweisen würde.
Und man wird dankbar sein für die Laufkultur des lammfrommen Diesels, die gut zum Tourer-Charakter des großen Cherokee passt; statt zu nageln, schnarrt es zwar wohlvernehmlich, aber unauffällig in die Fahrgastzelle. Hohe Drehzahlen werden selten nötig; ein solcher Fahrstil will einfach nicht recht zur Fahrzeugklasse passen. Die obligatorische Fünfstufenautomatik schaltet in der Regel früh und weich hoch, um das stattliche Drehmoment von 510 Nm (zwischen 1.600 und 2.800 Touren) zu nutzen, das lediglich der potente SRT-8 (569 Nm bei 4.600 Umdrehungen und 6,1-Liter Hubraum) übertrumpfen kann, und auch nur leicht. Obendrein kommt der CRD mit runden zehn Litern Kraftstoff pro 100 km aus, und selbstredend gibt es den Partikelfilter frei Haus.

Zurück zum Amerikanismus: Der Innenraum. Hier findet sich neuerdings eine ganze Menge Holz (je nach Ausstattung) nebst reichen Plastikvorkommen. Die grüne LED-Schrift darf in einem US-Fahrzeug auf gar keinen Fall fehlen – Jeep war gütig und setzt sie ein. So stellt man sich das vor. Aber zum wohlschmeckenden Cocktail wird der Mix erst mit den vielen Knöpfchen, die zwar etwas Gewöhnung erfordern, aber den Spieltrieb erwachsen gewordener Kinder befriedigen – es muss nicht immer alles auf den ersten Blick streng geordnet erscheinen, Hauptsache sympathisch. Controller-Systeme mit überladenen Menüs wären hier so undenkbar wie Weinbergschnecken bei Burger King. Allein das lieferbare Bildschirm-Navi hält Technik-Muffel eine Weile auf Trab, doch ganz ohne Elektronik-Gimmicks gehts heute einfach nicht mehr.
Etwas ausgeprägter dagegen hätte die Konturierung des Gestühls ruhig ausfallen dürfen, waren es nicht die Staaten mit dem weitläufigen Straßennetz? Unterm Strich reist man aber durchaus kommod, zumal der Geländewagen Platz bietet, bis der Arzt kommt. Da ist es selbst frisch geschiedenen Ehepaaren noch zuzumuten, in einem Auto zusammen vom Gerichtstermin nach Hause zu fahren. Und hinten? Dort wissen auch lang geratene Menschen ihre Beine zu sortieren, sitzen gemütlich und blicken auf Wunsch durch getönte Scheiben der Sonne entgegen.

Jeep Grand Cherokee, Motorraum, Motor 3.0 CRD
 
Laufruhiges Kraftwerk mit Ölbefeuerung...
 

Ab 44.290 Euro gibt es den Grand Cherokee als 3,0 CRD – schon das auf den Namen „Laredo“ hörende Grundmodell bietet allerdings eine üppige Ausstattung. Dazu gehören Antiblockiersystem, sechs Airbags, elektrische Fensterheber rundherum, elektronisches Stabilitätsprogramm, Radioanlage mit CD-Player, elektrisch verstellbare Sitze, Tempomat und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Richtig luxuriös wird es mit dem Topmodell „Overland“, das zusätzlich einen automatisch abblendenden Außen- und Innenspiegel, CD-Wechsler, DVD-Navigationssystem, Leder, Parksensor, Pedalerie elektrisch einstellbar, Regensensor, Reifendruck-Kontrolle mit Druckanzeige, Sitzheizung und Soundsystem bietet. Kostenpunkt? Nicht weniger als 54.790 Euro. Selbst Metallic-Lack und das elektrische Glas-Schiebe-Hebedach sind serienmäßig, es gibt mithin keine Sonderausstattungen mehr.
So gesehen darf die Preisgestaltung als ausgesprochen fair gelten, aber auch dieser Umstand gehört zum amerikanischen Automobilbau.

Fazit: Der aktuelle Jeep Grand Cherokee ist ein gelungener und würdiger Stammhalter der Modell-Linie. Mit klarem wie kantigem Design, landestypischer Innenausstattung und kräftigem Motor sollte er die Fans des ewigen Geländewagens auch diesmal überzeugen.

 



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