enn sich Gegensätze anziehen – und das sollen sie ja angeblich –, dann macht man mit dem Kauf eines Jeep Cherokee nichts falsch. Aber warum überhaupt Gegensätze? In Deutschland gibt es den Ami ausschließlich mit einem einzigen Motor, und dieser besitzt untypischerweise keine Zündkerzen. Stattdessen aber füllige 2,8 Liter Hubraum auf vier Zylinder verteilt. Klingt nach hemdsärmeligem Maschinenbau. Der Commonrail ist gut für 177 PS und stemmt in Verbindung mit der fünfstufigen Wandlerautomatik immerhin 460 Nm Drehmoment (bei 2.000 Umdrehungen), wenn das kein Wort ist. Also starten und horchen – okay, der klingt kernig, exakt so, wie die Anzahl der Kolben verspricht. US-Bürger würden sich über diese Tonart wundern, Europäer wundern sich dagegen über durstige Benziner und reagierten im Falle eines Angebots nur mit Boykott. Und das raue Diesel-Grollen schon im Leerlauf steht dem kantigen Alleskönner gut zu Gesicht, klare Sache. Nach Erreichen der Betriebstemperatur beruhigt sich der Vierventiler weitgehend; unter Last klingt er aber auch im warmen Zustand schön zornig, während er das bis zu 2,2 Tonnen wiegende Trumm kräftig anschiebt. Am besten harmoniert übrigens tatsächlich die Fünfgang-Wandlerautomatik mit dem Jeep, wenngleich Schaltfans nicht nach Hause geschickt werden müssen.
Für unwegbare Passagen oder intensiven Zugbetrieb empfiehlt sich aber der Automat. Schließlich kann eine nicht existierende Kupplungsscheibe auch ebenso wenig verschleißen. Außerdem kassiert der geschmeidige Drehmomentwandler die Anfahrschwäche – denn knapp über Leerlauf sprechen die Lader noch nicht an. Etwas zehneinhalb Sekunden lässt Jeep seinem Cherokee Zeit, bis die Tachonadel 100 Sachen anzeigen soll. Der subjektive Eindruck deckt sich mit den nackten Zahlen; ordentliches Aufbäumen des Vorderwagens bei Voller Last bekundet Vorwärtsdrang. Und natürlich Schluckvermögen der Dämpfung. Entsprechend seiner Fahrzeug-Kategorie lange Federwege lassen das Kultmobil je nach Wirkung der Kräfte munter eintauchen, hinaufgleiten oder neigen. Vor allen Dingen Kurven arbeiten die Charakteristik waschechter Geländewagen schön heraus, wenn sie typischerweise um die Ecken wanken. Dafür wiederum zeigen sie sich völlig unbeeindruckt von Schlaglöchern, Wellen oder sonstigen Bösartigkeiten, die Straßen so zu bieten haben oder eben Untergründe außerhalb der Zivilisation. Verkehrsberuhigende Hindernisse jedenfalls stellen sich dem urigen Ami ziemlich zahnlos in den Weg – das soll nicht zu rüpelhafter Fahrweise ermutigen, schont aber die Mägen der Insassen.
Die wiegen sich derweil in gemütlichen Sesseln nach amerikanischem Rezept: Magerer Seitenhalt, gut gepolstert und nicht allzu üppig dimensioniert. Aber auch als Mitteleuropäer kann man hier lange zubringen. Außerdem passt das Gestühl perfekt in den wie ein Maßanzug sitzenden Innenraum mit traditionsgemäß vielen Ablagen und Cupholdern. Da findet man Dinge manchmal gar nicht wieder, so tief können diese in irgendwelchen Fächern verschwinden. Auf langen Reisen ist das toll. Genau wie die Innenarchitektur; von wegen, die Amis verstehen nichts von Design. Gut, Wurzelholz und edle Materialien aus den Beständen von Mutter Natur schätzt man in Detroit nicht wirklich. Dafür bekommt der Käufer geradlinige Armaturen ohne Schnörkel und Schnickschnack, ganz nach dem Geschmack lokaler Städteplaner. So viel Akkuratesse hat auch wieder ihren optischen Reiz – mal ganz abgesehen von der praktischen Bedienbarkeit. Immer wieder gern gesehen: Die Drehregelung zur Helligkeitssteuerung der Instrumentenbeleuchtung. Und am Ende leuchten die Innenraumlampen. Erfrischend auch das Multifunktionslenkrad mit exakt zwei Tasten, mehr ist Overkill.
Damit hält sich der Jeep nämlich zurück; demnach gibt es auch keine komplizierten Fahrprogramme, die Geländefahrten zum Kinderspiel degradieren sollen. Dumm nur, das der Laie ohnehin nicht weiß, wann er welche Stufe aktivieren soll. Also reicht beim Cherokee das allgemeine 4WD-Programm mit automatischer Momentverteilung an die Achsen. In der Geländeuntersetzung ist der Durchtrieb auch gleichzeitig starr – jetzt dürfen sich Stöcke und Steine gerne in den Weg stellen. Werden sie in den meisten Fällen eh nicht, denn schließlich trifft man selbst die kultigsten Kraxler meist auf der Flaniermeile großer Städte oder auf der Autobahn – den geliebten Young- oder Oldtimer auf einem massiven Hänger ziehend. Bis zu 2.800 Kilogramm kann der kleine Amerikaner an den Haken nehmen, was für die meisten schweren Aufgaben genügen sollte. Generell ist die Flexibilität von Geländewagen nicht zu unterschätzen. Mit umgeklappten Sitzen passen über 1.400 Liter Gepäck in den kompakt anmutenden Jeep. Selbst die Lehne des Beifahrersessels (ab Limited) lässt sich vollständig zum Erliegen bringen, um den Weg für besonders lange Gegenstände freizumachen.
Ab 31.990 Euro gibt es den Cherokee 2,8 CRD mit Sechsgang-Schaltgetriebe und jeder Menge Ausstattung schon in der Basisversion: Alarmanlage, Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Berganfahrhilfe, Dieselpartikelfilter, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radio, Reifendruck-Kontrolle, elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sind stets dabei. Für 3.500 Euro Aufpreis gibt es quasi die Vollausstattung namens Limited. Dann beglücken den Käufer zusätzlich Bordcomputer, der automatisch abblendende Innenspiegel, Parksensor, elektrisch verstellbarer Fahrersitz und Tempomat. Für weitere 3.000 Euro erkauft man sich höherwertige Polster, beheizte Sitze und vor allem die Möglichkeit, ein Festplatten-Navigationssystem mit großem Farbmonitor inklusive Freisprecheinrichtung ordern zu können (2.690 Euro). Gleiches gilt für das schicke "SkySlider"-Stoffdach mit Frischluft-Garantie (1.430 Euro). Der 690 Euro kostende Metallic-Lack ist dann wiederum für sämtliche Modellvarianten Lieferbar. Ein bisschen Individualität muss schließlich sein, Budget hin oder her.
Fazit: Cherokee ist Kult, glasklare Sache. Und wer sich für den berühmten Namenträger entscheidet, bekommt außerdem richtig viel Auto für günstiges Geld. Auch das ist schließlich Tradition, jedenfalls bei amerikanischen Automobilherstellern.