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Zum
verwechseln ähnlich sieht der neue XJ
seinem Vorgänger |
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A NEW CAT ENTERS THE OLD WORLD
Jaguar
meldet sich mit voller Energie zurück: Während S-Type
und X-Type allenfalls für eine leichte Brise auf dem
Markt gut waren, erzeugt das neue Flaggschiff XJ einen mittleren
Orkan und sorgt damit für einen gepflegten Wirbel auf
dem sonst so wohlgeordneten Feld der automobilen Oberklasse.
Klar, der Jaguar XJ hat
Tradition - nicht nur im automobilen Oberhaus schlechthin,
sondern auch innerhalb der Marke - ist er doch das mit Abstand
meistverkaufte Produkt dieser noblen britischen Firma. Und
obwohl Geschmäcker bekanntermaßen verschieden sind,
bescheinigten die meisten Menschen der großen, seit
1968 gebauten Limousine einen eleganten und luxuriösen
Auftritt wie man es bei einem Kraftfahrzeug nur selten erlebt.
Doch das allein hat offensichtlich nicht gereicht, um die
Gunst der - trotz des beschaulichen Marktes - zahlreichen
Käufer edler Autos zu gewinnen.
In der Oberklasse ist weitaus mehr als nur Image oder etwa
eine schöne Verpackung gefragt. Hier punkten harte Fakten
in Form von Leistung und Komfort im Zweifel besser. Da wäre
es vermessen zu glauben, dass die zur Ford Motor Company zählende
Premium Automotive Group, zu der wiederum Jaguar gehört,
ihre zweifellos vorhandenen Potenziale nicht ausgeschöpft
hätte und damit ein Fahrzeug auf die Räder gestellt
hätte, das sich vor der Konkurrenz verstecken würde
müssen.
Nein, der XJ muss sich mitnichten verstecken - das wird unmissverständlich
klar, und dieser Eindruck lässt sich auch so schnell
nicht erschüttern - nimmt man den Frischling auch noch
so penibel unter die Lupe.
Beginnen wir außen: Wer dem XJ leibhaftig gegenübersteht,
traut seinen Augen umso weniger, wenn er einen Blick auf die
Abmessungsdaten wirft. Die grazile Linienführung kaschiert
die wahre Größe der Limousine - von der so oft
behauptet wird, dass sie der beste Jaguar aller Zeiten sei
- äußerst wirkungsvoll. Beachtliche 5,09 m Außenlänge
und immerhin 1,86 m Breite weisen den neuesten Edel-Briten
als üppiges Kaliber aus - und das selbst in jener Klasse,
in der fünf Längenmeter als gewöhnliche Erscheinung
gelten.
Bemerkenswerter ist allerdings der Radstand: Mit 3,084 m übertrifft
er sämtliche Mitstreiter und erreicht in dieser Hinsicht
schon fast die Dimensionen einiger Limousinen in langer Ausführung.
Und weil zum jetzigen Zeitpunkt offen ist, ob es eine XJ-Version
mit verlängertem Radstand geben wird, stellt die gewählte
Lösung einen sinnvollen Übergang dar.
Die Fond-Passagiere werden das zu schätzen wissen, denn
neben einem bequemen Einstieg, der dank hoher Dachlinie endlich
ohne starke Verbeugung bewerkstelligt werden kann, glänzt
das hintere Abteil auch durch innere Werte - hier herrschen
Marken-untypisch luftige Raum-Verhältnisse vor.
Kniefreiheit ist ebenso wie Schulter- und Kopffreiheit mehr
als nötig vorhanden. Ferner sitzt man auf straffen, keinesfalls
übergroßen, aber trotzdem sehr reisetauglichen
Sesseln, die einen entspannten Bord-Aufenthalt garantieren.
Das gilt übrigens auch für die erste Reihe. Mit
dieser XJ-Generation ist das Gefühl des tendenziell eher
zu eng geschnittenen Maßanzugs endgültig passé.
In Sachen Gepäck gilt jedoch ebenfalls das, was bei den
meisten Klassenbrüdern mit knirschenden Zähnen akzeptiert
werden muss: 470 Liter Kofferraumvolumen sind eben nicht besonders
viel, scheinen aber durchaus zu befriedigen. Offenbar reist
man in der Upperclass auch nicht voller bepackt als woanders.
Wenigstens aber bereiten dem XJ gewichtigere Gegenstände
keine Probleme, je nach Modell dürfen nämlich über
600 kg mitfahren.
An Aha-Effekten mangelt es dem luxuriösen Viertürer
nicht. Das Kapitel Fahrwerk und Antrieb liefert seinen guten
Teil zu diesem Umstand.
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...ebenso
klassisch
von hinten |
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Dabei beeindruckt die bei den Engländern
erstmals zum Einsatz kommende Luftfederung weniger durch ihr
Vermögen, Strassenunebenheiten jeglicher Art - lange
Bodenwellen naturgemäß etwas besser als kurzatmige
Fugen - glattzubügeln, sondern es ist die Leichtfüßigkeit
des neuen XJ, die fasziniert.
Daran freilich ist auch die Alu-Karosserie nicht ganz unschuldig.
Das Einstiegsmodell XJ 6 bringt dank Leichtbauweise gerade
mal 1.545 kg Leergewicht auf die Waage - gute Voraussetzungen,
um Maßstäbe in den fahrdynamischen Disziplinen
zu setzen.
Und fürwahr - das große Schiff macht seinem Markennamen
alle Ehre. Strassenwindungen nimmt der XJ so flink wie manche
Mittelklassen nicht - dass man ein Fahrzeug der Fünfmeter-Kategorie
bewegt geht dabei vollends unter.
Dennoch wirkt er im gewöhnlichen Fahrbetrieb eher samtig
als kernig. Trotz aller sportlichen Ambitionen, die ja - was
nur Wenige wissen - eng mit dem britischen Haus verknüpft
sind, gewährt das Flaggschiff seinen Passagieren einen
Ort der Ruhe und Entspannung.
Schon der Einstiegsmotor - das 2.967 ccm große und 175
KW starke Sechszylinder-Triebwerk - wartet mit einer guten
Laufkultur auf, wobei die Geschmeidigkeit der V8-Ottos nicht
erreicht wird. Im Gesamteindruck stellt die Basis aber eine
harmonische Variante dar. Und die Performance reicht allemal
aus, um den Strassenverkehr in überlegener Weise zu meistern.
Immerhin erreicht der schwächste XJ nach 8,1 Sekunden
100 km/h und läuft maximal 233 Stundenkilometer. Kein
wunder, die Leermasse ist mit 1.545 kg bemerkenswert gering
- entsprechend günstig fällt auch das Leistungsgewicht
(8,83 kg/KW) aus.
Der stärkere XJ 8 3,5 geht ein gutes Stück kräftiger
und auch kultivierter zur Sache. Zwar steht er seinem kleinen
Bruder fahrdynamisch nicht allzu fern (7,6 Sekunden bis 100
km/h und 242 km/h Vmax), bietet aber mehr Souveränität
im Alltag. So manifestieren sich Mehrleistung (190 KW) und
das Plus an Drehmoment (335 Nm/4.200 U/Min statt 293 Nm/4.100
U/Min) eben doch spürbar. Zudem stellt er auch in akustischer
Hinsicht den angenehmeren begleiter: Während der V6 in
den oberen Drehzahlregionen ein wenig angestrengt klingt,
hebt der 3.555 ccm große Achtzylinder seine Stimme kaum
- ganz gleich, wo der Drehzahlmesser auch gerade steht. Außer
einem standesgemäßen V8-Grummeln dringen keine
nennenswerte Töne in die Fahrgastzelle. Bei höheren
Tempi ist es ohnehin nur das Säuseln des Windes, das
neben den von der Musikanlage produzierten Klängen die
Ohrmuscheln erreicht. Trotz des höheren Leergewichts
(1.615 kg) fällt das Leistungsgewicht des 3,5ers geringfügig
günstiger (8,5 kg/KW) als das des Einsteigers aus.
Wahren Antriebsluxus gewährt der XJ 8 4,2. Mit 219 KW
Leistung und 411 Nm Drehmoment bei 4.100 Touren garantiert
seine 4.196 ccm große Achtkolbenmaschine souveränes
Fortkommen. Ein Tritt aufs Gaspedal wird in jeder Lebenslage
mit prompter Vertikalbeschleunigung quittiert - bis die elektronische
Tempo-Begrenzung dem Vortrieb Einhalt gebietet (250 km/h).
In den Papierwerten sieht das folgendermaßen aus: Binnen
6,6 Sekunden sprintet die Limousine auf 100 km/h. Ein geringeres
Leistungsgewicht (7,37 kg/KW) bei 1.615 kg Eigenmasse verdeutlichen
den dynamischen Vorsprung zudem.
Klangtechnisch entspricht er weitgehend seinem kleinen V8-Bruder.
Eine Sportlimousine wie sie im Buche steht erhält man
mit dem Kauf eines XJR. Optisch wirkt sich das in Form fehlender
Chrom-Elemente aus, stattdessen sind sämtliche Zierrahmen
in schwarz gehalten. Der Gitter-Kühlergrill verleiht
der Front eine gewisse - aggressive - Eigenständigkeit.
Und diese Art der Warnung sollte durchaus ernstgenommen werden,
denn der Kompressor verhilft dem 4,2-Liter zu beachtlicher
Potenz (291 KW). Und sein gewaltiges Drehmoment von 541 Nm
steht schon bei moderateren 3.500 Touren an. Damit avanciert
die stärkste Großkatze zu einer wilden Autobahnjägerin
- sofern sich die Revier-Gefährten nicht über 250
km/h bewegen. So braucht es lediglich 5,3 Sekunden, bis 100
km/h erreicht werden - das Leistungsgewicht beträgt lediglich
5,72 kg/KW - bei 1.665 Kilogramm Leergewicht.
Also ist ein behutsamer Umgang mit dem rechten Pedal angesagt
- wenn es sein muss, presst der XJR seine Passagiere mit einer
brutalen Wucht in die auf Wunsch erhältlichen Sportsitze.
Als Begleiterscheinung wären staunende Mitmenschen und
ein nicht zur Auto-Kategorie passendes Kompressor-Heulen zu
nennen. Kein passendes Geräusch? Vielleicht doch, dem
drahtigen XJR sei es verziehen, aber immerhin steckt unter
der Haube des kommoden Super V8 das gleiche Kraftwerk.
Allen Versionen - selbstverständlich auch dem XJR - wird
der von ZF stammende 6-Stufen-Automat spendiert, der inzwischen
auch in den anderen Baureihen der Marke seinen Dienst verrichtet.
Die Box lässt Übersetzungswechsel ruckfrei vonstatten
gehen und harmoniert hervorragend mit sämtlichen Triebwerken.
Wesentlich kompromissloser gestaltet sich die stramme Federung
des sportlichsten XJ. Sie erlaubt zweifellos eine hohe Querbeschleunigung,
lässt den 1,7-Tonner dafür zuweilen etwas ungehobelt
über diverse Schlechtwege-Strecken poltern. Hier sollte
man Prioritäten zu setzen wissen.
Ansonsten bieten alle Modelle die gleichen Grundzüge
- abgesehen von den Unterschieden beim Antrieb: Zum Beispiel
das Interieur-Bild; es ist wie die äußere Erscheinung
im Vergleich zu den verflossenen XJ-Anhängern ähnlich
traditionell gehalten und setzt damit auf Wiedererkennung.
Das mag man kritisieren oder auch nicht - jedenfalls ist dieser
Umstand hochlegitim, ist er im Hinblick auf die historischen
Wurzeln des Luxusliners argumentativ doch ausgezeichnet begründet.
Klassische Rundinstrumente, großzügige Wurzelholztäfelungen
- beim XJR graues Vogelaugenahorn - sowie inzwischen auch
ein großer Farbbildschirm bilden so die Hauptattraktivität
der britischen Wohnstube. Und obwohl der technische Fortschritt
den alten Engländer nicht nur am Rande angetippt hat,
sondern ihn heute prägt wie nie zuvor, muss man um eine
heimelige Atmosphäre nicht fürchten.
Scheint die Tasten-Landschaft auf Armaturenbrett und Mittelkonsole
auch übersichtlich - jene kastenübliche Funktionen
sind gewiss vorhanden, und zwar alle. Es gibt hochwertige
Entertainment-Systeme, es gibt einen Radar-Tempomat und es
gibt sogar eine elektrische Parkbremse, die beim Anfahren
automatisch gelöst wird.
Dieser XJ ist ein technisches Glanzstück mit allem Guten,
was heute zum Klassenstandard gehört und auch nicht gehört.
Dazu zählt beispielsweise der konsequente Leichtbau,
der nicht zuletzt für die Handling-Qualitäten des
großen Jaguar verantwortlich zeichnet.
Und die Tatsache, dass seine Schale aus Aluminium besteht,
darf durchaus auch, aber keineswegs ausschließlich als
Gruß an die Ingolstädter interpretiert werden.
Jaguar selbst verfügt historisch gesehen über eine
hinreichend große Erfahrung auf diesem Gebiet.
Unter Berücksichtigung der heutigen technischen Machbarkeit
bietet der Werkstoff mehr Vor- als Nachteile: So ist die mittels
einer Klebe- und Niettechnik zusammengefügte Karosserie
nicht nur 200 kg leichter, sondern auch rund 60 Prozent steifer
als herkömmliche Stahl-Konstruktionen, was erhebliche
Fortschritte im Bereich des Crashverhaltens nach sich zieht.
Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Auswirkungen wie
zum Beispiel niedrigere Benzinverbräuche sowie entsprechend
bessere Emissionswerte.
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Die
Wohnstube ist
geprägt von feinem Holz |
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So weit, so gut - jetzt bleibt noch zu
klären, wie viel der Kunde ausgeben muss, um mit einem
XJ vom Hof fahren zu dürfen.
Den preislichen Einstieg bildet der XJ 6 3,0 mit 59.900 Euro,
während die Achtzylinder-Sauger-Modelle für 65.500
Euro (XJ 8 3,5) bzw. 73.500 Euro (XJ 8 4,2) zu haben sind.
Der sportliche XJR kostet 87.900 Euro, und das Spitzenmodell
Super V8 langt mit 96.900 Euro am kräftigsten hin.
Schon die Basis wartet mit einer überkompletten Ausstattung
auf: Antiblockiersystem, Front-, Seiten-, Kopf-, und Windowbags,
elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer,
Diebstahl-Warnanlage, elektrische Fensterheber rundherum,
elektronisches Stabilitätsprogramm, Innenspiegel automatisch
abblendend, Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder,
Lenksäule elektrisch einstellbar, Luftfederung inklusive
adaptiver Dämpfung sowie automatischer Niveauregulierung,
elektrische Parkbremse, Parksensor hinten (Super V8 auch vorn,
ansonsten 240 Euro Aufpreis), Pedalerie elektrisch einstellbar,
Radioanlage mit RDS und CD-Player, Regensensor, elektrisch
einstell- wie beheizbare Vordersitze und Tempomat sprechen
eine gewaltige Sprache.
Die Liste der Annehmlichkeiten lässt
sich gegen Bezahlung nahezu beliebig verlängern. So erhält
man für 2.040 Euro (serie beim Super V8) eine aktive
Tempo-Regelung, die das Vorderfahrzeug per Radar erfasst und
mit Hilfe automatisch erfolgender Bremseingriffe - bei Bedarf
- eine Reduktion der Geschwindigkeit vornimmt. Empfehlenswert
ist das ab 2.820 Euro (ebenfalls Grundausstattung beim Super
V8) kostende DVD-Navigationssystem mit großem Farbmonitor.
Xenonscheinwerfer (ab XJR serie) schlagen mit 960 Euro zu
Buche. Daneben bietet die Preisliste selbstverständlich
eine Unzahl verschiedener Felgen, Innenraum-Variationen und
Lackierungen zur Auswahl.
Die Preise sind absolut gesehen freilich nicht billig, aber
mit Blick auf die Konkurrenz durchaus attraktiv - zumal schon
die Grundkonfigurationen kaum Wünsche offenlassen.
Genauso klassenüblich fallen die benötigten Kraftstoffrationen
aus. Ihre Mengen bewegen sich zwischen 7,7 l und 15,3 l auf
100 km (XJ 6) sowie zwischen 9 l und 18,6 l Benzin bei den
mit Kompressor bestückten Spitzenmodellen. Der 3,5-Liter-V8
genehmigt sich zwischen 7,7 l und 15,9 l auf der Standard-Distanz,
beim größten Sauger sollte mit bis zu einem Liter
mehr gerechnet werden.
Fazit: Es ist also wahr,
dieser XJ ist nicht nur der fortschrittlichste Jaguar, den
es je gab, sondern er mausert sich damit auch zum besten Produkt
des britischen Traditionshauses. Endgültig vorbei die
Zeiten, als der Ruf der ansehnlichsten Oberklasse-Limousine
tatsächlich nur auf der hübschen Optik fußte.
Nun sind auch Technik, Innovation und vor allem aber Fahrdynamik
schlagkräftige Argumente für den großformatigen
Jaguar - bleibt zu hoffen, dass die potenziellen Käufer
möglichst schnell Notiz davon nehmen.
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