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Fahrberichte & Tests
 
Jaguar S-Type Front, Navigationssystem, Dsiplay, Kartenbild

STIMME-WECHSEL

Die Paarung eines Jaguar mit Diesel-Motor mutet ähnlich bizarr an wie die Vorstellung eines mit Trainingsanzug bekleideten Karl Lagerfeld. Doch woran gewöhnt sich der (Auto-)Mensch nicht alles? An den S-Type Diesel jedenfalls ganz gut: Er brilliert auf der Langstrecke und erstaunt an der Tankstelle. Autotipp.

Auf die Gefahr hin, dass Sie jetzt die Nase rümpfen: Ein Jaguar mit Dieselmotor ist was feines. Unseren autovernarrten Großvätern würde der Anblick vermutlich Tränen in die Augen treiben. Da steht schließlich ein waschechter Nachfahre des legendären Mark II, der nichtmal gegen Geld und gute Worte mit Reihensechszylinder-Motoren geliefert wird, aber Öl tankt. Verkehrte Welt.
Ganz neu ist die Idee ja nicht, nach Jahrzehnten wieder eine obere Mittelklasse ins Jaguar-Programm aufzunehmen. Schon 1999 ging die erste Fassung des S-Type an den Start. Erst im Frühjahr 2004 erfolgte dann die Implantation des taufrischen Diesel-Triebwerks – seinerseits eine Entwicklung von Ford und PSA – samt umfangreicher Modifikationen an Karosserie und Interieur. Jetzt, da der S-Type sieben Jahre im Amt verweilt, ist er zu einem soliden Automobil gereift – damit kann er ordentlich punkten, ganz abgesehen von seinem schmucken Äußeren. Dass der kleine Bruder des XJ auf dem Lincoln LS basiert, sieht man ihm nicht an – erstrecht nicht in Europa, diese Tatsache gehört vielmehr zu den überraschenden.

Jaguar S-Type Heck, Rückleuchten
 
Zwei gebogene Rohre verraten den Diesel
 

Doch der S-type steckt voller Überraschungen, vor allem die Diesel-Ausführung. Das 2,7-Liter-Aggregat verrichtet seine Arbeit wahrlich geräuscharm – nicht umsonst besitzt der V6 den Ruf, er gehöre zu den leisesten Vertretern seiner Art. Selbst bei voller Beschleunigung dringt kaum mehr als ein dezentes Murmeln in die gut gedämmte Fahrgastzelle.
Bei derart kultivierten Manieren verstummen gar die härtesten Skeptiker; kleinlaut monieren sie allenfalls, dass die Klangfarbe des Selbstzünders nicht zum Charakter dieses Autos passe. Wie recht sie doch haben, denn ihre Herkunft kann die Maschine niemals verleugnen, weder von innen noch außen. Aufmerksame Zuhörer identifizieren den Diesel freilich, wobei das Adjektiv "aufmerksam" durchaus wörtlich zu verstehen ist.
Zur gepflegten Tonart passt denn die Leistungsentfaltung des doppelt aufgeladenen Common-Rail. Keine Spur von Hektik, dafür sanfter Druck im Kreuz bei forcierter Gangart. Ein Raubein ist dieser Jaguar jedoch keinesfalls, wer den Druck eines BMW 530d erwartet, ist an der falschen Adresse. Dafür bietet kaum eine ölbefeuerte Business-Klasse solch seidigen Antrieb.

Vor allem in Verbindung mit der Sechsgang-Automatik (serienmäßig für Executive) aus dem Hause Aisin strebt die Antriebseinheit dem Optimum entgegen. Die Box sortiert sämtliche Fahrstufen besonders weich und ebenso spontan – da freut man sich auf lange Distanzen. Und das nicht nur, weil der S-Type selbst bei höheren Geschwindigkeiten leise wie eine gestandene Oberklasse durch die Lande witscht, sondern auch, weil der Brite sich äußerst sparsam fortbewegt. Schließlich will es gewürdigt werden, wenn ein Fahrzeug der 200 PS-Klasse mit deutlich unter neun Litern pro hundert Kilometer auskommt.
Im knallharten Wettbewerb des Spritsparens darf jener Faktor nicht unterschätzt werden, und da nützt das beste Image dem Vielfahrer nichts, wenn er ausschließlich zwischen gefräßigen Benzin-Modellen wählen darf. So gesehen hat es Jaguar richtig gemacht, und man kann dem Hersteller nur gratulieren, denn mit dem S-Type 2,7d gelang ihm eine brilliante Besetzung des Postens für die gehobene Art des Fahrens.

Und gehoben ist sie allemal. Spätestens, wenn die Passagiere im feinen Leder versinken, merken sie den kleinen Unterschied zum profanen Automobilbau. Sicher, der Basis-Besteller zahlt dafür extra, doch wer mag in diesen Sphären schon auf jene edlen Polster verzichten?
Nach britischer Manier ist das Interieur von Hause aus mit Holz getäfelt, etwas anderes würde befremdlich wirken. Mit Chromsaum umrandete Tachoskalen inklusive kleiner, schlecht leserlicher Schnörkelschrift versprühen das gewisse Maß an Charme, welchen der Kunde von Produkten englischer Autokunst erwartet. Die Mittelkonsole beherbergt eine Spielwiese für Technikverliebte Mitmenschen – ein Beweis dafür, dass auch in konservativen Kreisen die Zeit vergeht. Was sich nicht per Schalter regeln lässt, wandert in die Abteilung des großen Touchscreens. Letzterer ist obligatorisch, falls sich der Eigner für das gut funktionierende DVD-Navigationssystem entscheidet. Der elektronische Lotse und diverse Knöpfe wie beispielsweise der Schalter für die elektrische Spiegelverstellung geben dem Kenner einen dezenten Hinweis darauf, dass der S-Type auch Ford-Gene in sich trägt.

Jaguar S-Type Motor, V6 Diesel
 
Modern und stark: Taufrischer V6-Diesel
 

Eine faire Preisgestaltung übrigens erwartet den Interessenten beim Studium des Produktkatalogs. Ab 40.690 Euro ist der S-Type 2,7d zu haben – sogar mit einigen dicken Brocken an Bord. Dazu gehören Front- und Seitenairbags vorn und hinten, Kopfairbags vorn und hinten, Antiblockiersystem, Bordcomputer, elektrische Fensterheber 4-fach, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaautomatik, Leichtmetallfelgen, elektrisch verstellbare Lenksäule, Radioanlage inklusive RDS und CD-Player, elektrisch einstellbare Vordersitze, Tempomat und eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Selbstverständlich verlässt der 207 PS starke Diesel das Haus nicht ohne Rußpartikelfilter.
Aufpreis hingegen kosten Automatikgetriebe (2.030 Euro), DVD-Navigation (2.820 Euro), Ledersitze (1.995 Euro), Radartempomat (1.445 Euro) sowie Xenonlicht (960 Euro).
Zwecks Individualisierung stehen dem Kunden außerdem eine Vielzahl verschiedener Metallic-Lacke (855 Euro) und Alufelgen zur Verfügung. Zu den exotischeren Sonderausstattungen gehört beispielsweise die aus anderen Jaguar-Modellen bekannte elektrische Pedalverstellung (430 Euro).

Fazit: Der Jaguar S-Type 2,7d ist das perfekte Langstreckenauto für Automobilisten, die dem Mainstream entgegenschwimmen möchten. Mühelos besteht dieser ölbefeuerte Jaguar jene imaginäre Prüfung, die seinen Antriebsstrang als markenwürdig stempelt. An Sanftheit jedenfalls wird der Selbstzünder nichtmal von den V8-Ausführungen übertroffen – in Sachen Sound aber schon. Doch dieses Manko rückt der Ölpreis wieder gerade.

 



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