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Fahrberichte & Tests
 
Hyundai Coupé Front
Ein schnittiges Coupé – auch Koreaner wissen,
wie es geht
 
 

Der Spass ist heiss

Den Koreanern haftet der Ruf des Billigen an, und wer sich einen zulegt, denkt an das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Dass jenes Billig-Image indessen nur in den Vorurteil-geprägten Köpfen vieler Unbedarfter existiert und Koreaner auch Fahrzeuge jenseits von nützlichen Gesichtspunkten bauen, zeigt der folgende Autotipp.

Welche Autos sorgen eigentlich für Fahrspaß? Denkt man in diesem Zusammenhang nicht an Cabrios oder Coupés? Richtig, denn andere Fahrzeuggattungen sollen eher ihren Zweck erfüllen, nämlich den Passagier von A nach B bringen. Zwar erhebt die Autofahrerschaft zunehmend höhere Ansprüche an diese Aufgabe, doch den Reiz des Fahrens als Selbstzweck sucht man woanders.
Zum Beispiel beim Hyundai Coupé, das sowohl mit vier als auch sechs Zylindern erhältlich ist. Insbesondere der V6, der hier Thema ist, lässt schon auf den ersten Metern spüren, dass dieses Auto jenen gefallen könnte, die einen Tropfen Benzin im Blut haben.
Nach dem Start verfällt der 2,7-Liter in einen seidigen Lauf und hebt seine Stimme unter Last mit einem sonoren Unterton. Dass sechs Töpfe unter der Motorhaube werkeln, bleibt dem Kenner also nicht lange verborgen.
Dazu passt das schnittige Design des Zweitürers. Gut, der Bekanntheitsgrad des Hyundai ist nicht besonders hoch, woraus man allerdings eine Tugend machen kann.

Hyundai Coupé Innenraum
 
Aufgeräumt und solide
zeigt sich der Innenraum
dieses Exoten
 

Denn beim Nachbarn geht der Koreaner eben als unbekanntes Objekt durch, das er nicht einzuschätzen weiß. Da schwingt durchaus ein bisschen Exklusivität mit, schließlich fährt man ein individuelles und ausgefallenes Auto. So will es auch das Interieur vermitteln, welches sich von den restlichen Modellen der Marke deutlich abhebt.
Da setzen sauber konturierte Ledersitze sportliche Akzente, und selbige sehen nicht nur danach aus, sondern leisten in dieser Hinsicht eine Menge Arbeit. Über mangelnden Seitenhalt wird sich demnach niemand beklagen können – man sitzt straff und fühlt sich von den ausgeprägten Wangen sicher in die Zange genommen. Trotz aller Sportlichkeit ist das Gestühl bequem und somit auch für die Langstrecke wunderbar geeignet.
Aus dem tiefen Schwarz der Polster und der Armaturentafel – so war der Testwagen gehalten – sticht die silberfarbene Mittelkonsole wie ein Fels aus dem Meer hervor und bringt einen Hauch erfrischende Kühle in die Atmosphäre.

Dabei wirkt alles erstaunlich hochwertig und keineswegs billig, wie der Inhalt so mancher Vorurteile ausfallen könnte. Allein die Tasten auf der Mittelkonsole sind vielleicht etwas zu groß ausgefallen und lassen in ihrer Fülle an Eleganz vermissen.
Nicht wirklich elegant mutet auch die Silhouette einer im Fond platznehmenden Person an, auch dann nicht, wenn sie von durchschnittlicher Statur ist. Kopffreiheit ist in der zweiten Reihe Mangelware, und selbst davon abgesehen stellt das hintere Abteil keine Raumoase dar. Wunderbar reisen lässt es sich ausschließlich vorn, und man ist gut beraten, die Rücksitzbank bei längeren Touren als zusätzliche Gepäckablage statt als Personenbeförderungsfläche zu benutzen. In diesem Umstand darf man aber keinen Makel sehen, denn das Coupé ist ja laut Hersteller kein vollwertiger Viersitzer, sondern wird als 2+2 ausgewiesen.
Stattliche 312 Liter Kofferraumvolumen erscheinen da wie ein Bonbon – und die Urlaubspassagiere werden es dankend zur Kenntnis nehmen. Etwas weniger Freiheit gestattet die Zuladung von rund 300 Kilogramm, aber das lässt sich leicht verschmerzen.

Weniger spektakulär gestaltet sich das fahrdynamische Kapitel, was angesichts der Motorleistung von 167 PS kein großes Wunder ist. Das Coupé ist von Hause aus ein Tourer, keinesfalls ein reiner Sportler. Langsam geht es zwar nicht voran, aber ein giftiger Geselle ist dieser Asiate nicht gerade.
Dafür dürfen sich die Reisegäste über das leise Geräuschniveau freuen. Dennoch kann nicht verleugnet werden, dass die Ingenieure um dezente Sportlichkeit bemüht waren. Dies manifestiert sich nicht zuletzt im Fahrwerk, mit dessen Hilfe der Zweitürer sauber und präzise über kurvenreiche Strecken geführt werden kann. Außerdem macht es Freude, den Schalthebel des knackigen Sechsganggetriebe einrasten zu lassen. An Fahrspaß mangelt es also eindeutig nicht.
Zur Zeit noch nicht ganz komplett ist die Sicherheitsausstattung – allerdings sind die Tage ohne elektronisches Stabilitätsprogramm bereits gezählt, denn im Rahmen des nächsten, baldigen Facelifts wird es nachgereicht werden. So müssen die letzten Kunden der aktuellen Serie noch mit einer Traktionskontrolle vorlieb nehmen.

Komplett ist übrigens eine Vokabel, die im Zusammenhang mit dem Hyundai Coupé durchaus von Bedeutung ist. Sonderausstattungen sind hingegen ein Fremdwort, denn es gibt außer zwei Lackierungen zu jeweils 400 Euro keine weiteren. Selbstverständlich sind Dinge wie Alarmanlage, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Ledersitze, Leichtmetallräder, Sitzheizung, Tempomat und fernbedienbare Zentralverriegelung.
Schade ist, dass keine weitere Individualisierung durch die Sonderausstattungsliste möglich ist.
Schaltfaule bekommen allerdings gegen 1.350 Euro ein automatisches Vierganggetriebe.
Erfreulich ist außerdem, dass der V6 bei gemischter Fahrweise kaum mehr als zehn Liter Normalbenzin pro einhundert Kilometer verbraucht.
Als Grundpreis für den 2,7 V6 GLS weist die Liste 25.690 Euro aus, moderat für ein schickes Coupé mit üppiger Ausstattung.

Fazit:
Das Hyundai Coupé 2,7 V6 ist ein Geheimtipp für jene, die keinen besonderen Wert auf Markenimage legen. Das Gebotene jedenfalls kann sich sehen lassen; neben dem ansprechenden Styling erhält der Kunde ein Fahrzeug von hervorragender Qualität. Keine Spur von billiger Anmutung oder nachlässiger Verarbeitung. Selbst die Sicherheitssaustattung lässt bald keine Wünsche mehr offen, denn ein elektronisches Stabilitätsprogramm wird in Kürze zur Verfügung stehen.

 

Juni 2004



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