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Fahrberichte & Tests
 
Ford Fusion, Front
Stämmig und hoch, aber Allrad gibts nicht
 
 

Der Kleine mit der grossen Klappe

Die Nische boomt schon seit geraumer Zeit, und wer als Hersteller vorne mitschwimmen will, muss sie besetzen - jeder für sich. Auch bei Ford sind so einige Derivate klassischer Modelle im Kommen - einer davon ist der kleine Fusion, der seine Basis, den Fiesta, nicht nur in Sachen Praktikabilität übertreffen soll.

Endgültig aus die Zeiten, als man Fahrzeugklassen noch an einer Hand abzählen konnte. Wenn es hoch kam, hatte der Händler noch ein Coupe zu der entsprechenden Limousine im Repertoire, später wurden Kombis dann zur Pflichtübung. Und das spielte sich - falls überhaupt - im Bereich der Mittelklasse und höher ab. Kleine Autos galten ohnehin nur als Behelfslösung, deren Aufgabe es war, die Passagiere mit einem Dach über den Kopf von einer Stelle zur anderen zu bringen - da spielten Annehmlichkeiten eine verschwindend mickrige Rolle, Preispolitik war hingegen viel entscheidender.
Auch der Kreativität im konzeptionellen Sinne wurde grundsätzlich keine besondere Daseinsberechtigung eingeräumt.
Und Heute? Keine spur von Ideenarmut; sämtliche Marken versuchen mit ausgefallenen Schöpfungen potenzielle Kunden in ihr Boot zu zerren. Bei der Wahl der Mittel scheinen sie keine Grenzen zu kennen - Microvans, Coupe-Van-Crossover, Kompaktvans, Geländewagen ohne Allradantrieb im Kombiformat und viertürige Coupes sollen ihren Lockreizen genauso freien Lauf lassen wie immer weiter polarisierende Design-Vorstellungen. Fünfer BMW, ein Großteil neuer Renault-Modelle und diesbezügliche Ableger à la Lancia Thesis stellen nur den Anfang dar.

Ford Fusion, Innenraum
 
Trist, aber funktional -
das Cockpit des Fusion
 

Nun gut, ganz so aus der Bahn geschlagen zeigt sich der Fusion seinen Betrachtern nicht, aber wer dem Autor vorwirft, dass er mit den Ausführungen übertreibe, schaue bitteschön nochmal genau hin: Hier handelt es sich keineswegs um einen gewöhnlichen Kleinkombi, wie es etwa Peugeot 206 SW oder gar Skoda Fabia Combi sind.
Hochbeinig erklimmt er den Asphalt, als solle er nötigenfalls auch Schlamm- und Geröllfelder durchwühlen. Mehr als Show steckt jedoch nicht hinter dem Auftritt, dessen Motto Mini auf hohem Niveau lauten könnte. Sicher, in manchen Hinsichten stimmt das durchaus. Da wäre zum einen die erhabene Sitzposition, die den Ford erfreulich übersichtlich macht; Allradantrieb indessen wird dem Interessenten nur suggeriert, denn lediglich die Vorderräder sind mit dem Motor verbunden.
Trotzdem ist der Fusion keine Mogelpackung - das zeigen eine ganze Reihe von ausgefeiltenEigenschaften und Nützlichkeiten.

Vielseitig, außergewöhnlich, aber dennoch einfach sowie geräumig lauten die Stichwörter, welche den Sachverhalt auf den Punkt bringen. Zwar ist ein maximales Ladevolumen von 1.175 Litern kein Spitzenwert, doch auch nicht gerade wenig - und das bei einem obendrein unkonventionellen Konzept - hier wird Imagepflege in gefälliger Weise ganz konkret.
Dieser Ford steht denn auch jenen Käufern gut, die weg von der üblichen Minimalauto-Öde, dafür aber in kleinem Rahmen aus der Reihe tanzen wollen. Deutlich sichtbar fällt das optische Resultat demnach aus - der Fusion liegt deutlich höher und vermittelt mit einer im Vergleich zu seiner Basis stämmigeren Front nicht nur die Botschaft des kleinen Individuellen, sondern auch die des großen Soliden.
Flexibilität im praktischen Sinne kennt der Fusion zumindest in Ansätzen: Die hintere Bank ist asymmetrisch umklappbar, dabei wird die Sitzauflage hochgeschwenkt, so dass der dann vergrößerte Kofferraum eine glatte Ladefläche bereithält. Ebenfalls umklappen lässt sich die Vordersitzlehne (ab "Trend"), die dann just zum Picknick-Tisch mutiert.

Abgesehen davon herrscht Fiesta-Flair in der Wohnstube, was einfache, aber funktionale Architektur bedeutet. Somit muss Nüchternheit keine Nachteile beinhalten - alles sitzt am rechten Ort, es gibt zahlreiche sinnvolle Ablagen. Eine davon ist das Fach oberhalb der mittleren Belüftungsdüsen. Das Zeigerwerk beschränkt sich auf Tachometer und Drehzahlmesser, denn Uhr und Füllstände werden digital respektive elektronisch angezeigt.
Alles in Ordnung also? Grundsätzlich natürlich, etwas Schatten ins Licht jedoch bringen die Möbel, deren Seitenhalt man sich insbesondere vorn etwas ausgeprägter wünschte. Andererseits gilt das Argument: Der Fusion ist weder Sportwagen noch Luxusliner - Querbeschleunigung mit und in ihm stellt ein eher lästiges Physikalisches Phänomen dar, welches es tunlichst zu vermeiden gilt. Und in letzterem Sinne tut die naturgemäß eher rustikal abgestimmte Federung ihren guten Dienst in Sachen Fahrbahnglättung.
Gönnerhaft zeigt sich Ford beim Spendieren der Motoren. Während der Fiesta auf der Benzinerseite auch von 60 oder 70 PS in Bewegung gesetzt wird, steigt der Fusion mit dem 80 Pferdestärken leistenden 1,4-Liter ein.
Damit erlangt der Vielkönner ein recht munteres Naturell bei einem in praxisnahen Drehzahlbereichen abgemessenen Geräuschpegel. Geht es Richtung Drehzahlbegrenzer, wird der Vierzylinder hingegen etwas brummig - soweit sollte man es also nicht kommen lassen. Hinreichend sauber wechseln sich die fünf Gangstufen des manuellen Getriebes. Insgesamt gesehen ist das Antriebskapitel freilich mehr alltagsorientiert denn aufregend - bei der Fahrzeugsparte aber auch kein Wunder.

Ford Fusion, Heck, Rückleuchten
Große Klappe sorgt für
leichte Gepäckaufnahme
 
 

Gibt es im Fusion auch Luxus? Ja, jedenfalls dann, wenn dafür bezahlt wird. Die Grundversion "Ambiente" steht für 13.950 Euro beim Händler und verfügt über Antiblockiersystem, vier Airbags und Lederlenkrad. Mit 14.725 Euro etwas teurer, aber auch reichhaltiger ausgestattet (elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn und Zentralverriegelung) präsentiert sich der Trend. Das Spitzenmodell "Elegance" bietet sogar eine Klimaanlage frei Haus.
Alle Modelle werden auf Wunsch etwas sicherer - so gibt es für 385 Euro ein elektronisches Stabilitätsprogramm, und Kopfairbags schlagen mit zusätzlichen 220 Euro zu Buche.
Ebenso eine gute Investition (380 Euro) ist der Parksensor, für dessen Betrag ein Stoßfänger wohl kaum austauschbar ist. Beheizbare Sitze (ab "Trend") sind für verhältnismäßig moderate 170 Euro zu haben, und ein Navigationssystem ist sogar für alle Modelle drin (1.575 Euro).
Recht gesittet zeigt sich das Euro 4-Triebwerk im Verbrauch - mit sieben Litern über die Testrunde zu kommen, war kein größeres Problem.

Fazit: Der Ford Fusion 1,4 ist eine einfache, aber gelungene Lösung mit praktischen und gleichermaßen individuellen Zügen. Hier wird das Budget nicht überstrapaziert, andererseits gibt es recht viel Auto für den günstigen Preis: Nämlich einen Ökonomisch nutzbaren Laderaum und bei entsprechendem Griff in die Ausstattungsliste sogar einen kleinen Hauch von Luxus - wenn das nicht riesig ist.

 

August 2003

 



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