Fahrspaß mit 100 PS und 1,5 Tonnen Leergewicht? Kann doch nicht sein. Doch, wenn das Auto kein Dach hat, ist (fast) alles möglich. Der Ford Focus CC im Basis-Gewand ist so ein Kandidat. Obendrein ist der Frischluft-Geselle bezahlbar.
as sind heute 150 oder gar 200 PS? In Zeitalter der Leistungsinflation wohl weder viel noch aufregend. Obwohl Umweltdiskussionen in aller Munde sind, packt jeder Hersteller mit dem Modellwechsel ein paar Pferdchen drauf. Wie kann man da angesichts der 100 Pferdestärken eines Basis-Focus CC von Spaßautomobilität sprechen? Okay, jetzt ist radikales Umdenken angesagt – wer ungestümen Vorwärtsdrang und prickelnde Ansauggeräusche als das Höchste seiner Gefühle definiert, ist hier ausnahmsweise an der falschen Adresse. Dieser Focus surft auf der Sparwelle, und genau darin liegt der Reiz. Nicht, dass Geiz (entgegen mancher Behauptung) besonders geil wäre, aber es ist schön zu merken, dass man selbst an der Basis ein erfülltes Autofahrer-Leben führen kann. Dazu gehört die kluge Erkenntnis: Mit 1,6 Litern Hubraum und vier Zylindern ist man in der Kompaktklasse gut aufgehoben. Ein wackeres einhundert PS-Triebwerk samt Erbanlage, mit dem Superbenzin halbwegs genügsam umzugehen. Kleine Kostprobe gefällig? Vielleicht hilft vorab die Info, dass der kompakte Frischluft-Ford ein ausgewachsenes Anderthalbtonnen-Gefährt darstellt. Schweres Metall für ein schützendes Obdach samt Elektro-Hydraulik-Einheit bringen eben Pfunde in die Waagschale.
Höchste Zeit, um das Temperament des kleinen Otto-Aggregats live zu begutachten. Ein Drehmomentmonster jedenfalls handelt man sich kaum ein, das wird schnell klar, aber man kommt von der Stelle. An Steigungen heißt es "zurückschalten bitte" – ruhig auch mal vom fünften in den dritten Gang. Nur keine Scheu vor Drehzahlen, die wird man nach einer ausgiebigen Fahrt mit dem offenen Einstiegs-Focus automatisch los. Und wenn ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken blinzeln, entdeckt man möglicherweise auch das gemütliche Cruisen. Die nächste Autobahn-Abfahrt ist fest im Visier, die Drehzahlpflicht schnell vergessen – dann noch rasch weg mit der schützenden Hülle und willkommen im Sommer. Performance avanciert zur Nebensache, während eine leichte Brise durch das Haupthaar streift. Aber wirklich nur eine leichte, denn der Rheinländer gehört der milden Open-Air-Fraktion an, ohne sich schämen zu müssen. Die ganz Harten schauen sich woanders um; nicht zuletzt technische Gründe prägen den Charakter der Metallkapuzen-Cabrios, die von Natur aus eine recht langgezogene Windschutzscheibe besitzen. Dafür besitzen sie aber auch Tourer-Qualitäten – wie der Focus. Mit großzügigen Frontsesseln meistert er ebenso lange Etappen.
Klar, er ist als Viersitzer ausgewiesen, das sollten sich potenzielle Fondpassagiere aber nur auf Kurzstrecken geben. Vor allem bei geschlossenem Dach wird es ungemütlich – Sitzriesen bekommen das zu spüren. Allerdings glänzt die Fuhre mit hochwertiger Materialverarbeitung und funktionaler Cockpit-Gestaltung; fein eingepasste sowie mit haptischem Wohlfühl-Faktor gesegnete Oberflächen zeigen den Wolfsburger Abteilungen die Zähne und halten die Kunden bei der Stange – in diesem Punkt hat Ford seine Hausaufgaben wahrlich penibel erledigt.
Außerdem präsentiert sich der Fronttriebler von der verwindungssteifen Sorte und überrollt Unebenheiten selbst dachlos völlig zitterfrei. Test bestanden und Kapuze wieder auf: Per Knopfdruck bringt sich das Dach – bei plötzlich auftretender Nässe recht nützlich – zwar gemächlich, aber sicher und vor allen Dingen ganz ohne Leibeskraft in Position, legt sich wind- und wasserdicht über den Focus und macht aus dem Innenraum eine geräuscharme Aufenthaltsstube, in der man sich bei Richtgeschwindigkeit problemlos unterhalten kann. Jetzt will der Autor noch einmal wissen, was 100 Pferdchen können.
Also wieder auf die Autobahn und Tempo aufnehmen; diesmal ist der Anlauf etwas länger – mit viel Geduld kratzt der schwächste Offen-Focus an der 200 km/h-Marke, na bitte, es geht doch. Muss aber auf Dauer nicht sein, reisen geht auch einen Zacken darunter. Übrigens steckt ein überaus angenehmes Fahrwerk unter dem Blech – für Kompaktwagen-Verhältnisse gleitet der Ford sanft über Wellen, zickt lediglich bei ganz aggressiven Verwerfungen – doch selbst da nur ein bisschen. Dafür schluckt er massenhaft Gepäck, denn mit über 500 Litern Kofferraumvolumen zeigt er dem Wettbewerb, was eine Harke ist, lädt ein zum wohlverdienten Wochenendausflug oder auch längeren Urlaub. Dabei verwöhnt die eine oder andere Ablage mit Staufläche; Cupholder sind ebenfalls an Bord, aber leider fehlt das gekühlte Handschuhfach. Dieses gibt es in Verbindung mit dem kleinen Benziner nichtmal gegen Aufpreis, denn es bleibt der "Trend"-Version vorbehalten. Doch manche Dinge sind zweifellos wichtiger. Zum Beispiel im Falle eines Überschlags blitzschnell hervorspringende Stahlbügel, die hinter den Fond-Kopfstützen ruhen und dort hoffentlich immer bleiben.
Die letzte Ansage gilt dem Preis: Für 24.150 Euro steht der Luftikus in der Liste und kommt gut ausstaffiert daher: Nämlich mit Antiblockiersystem, vier Airbags, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Sitzheizung, Sportsitze, elektronisches Stabilitätsprogramm, vollautomatisches Verdeck und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung. Die Liste mit den Sonderausstattungen ist bei hiesigen Herstellern bekanntermaßen lang, das gilt auch für den Focus: Kurvenlicht (nur in Verbindung mit Halogenscheinwerfern) kostet 360 Euro, Leichtmetallräder kosten 745 Euro, Metallic-Lacke gibt es für 480 Euro, Navigationssysteme verschiedener Art sind ab 1.615 Euro zu haben und bieten durchweg hochauflösende Farbbildschirme – mal mit, mal ohne Touchscreen. Ganze 400 Euro verlangt der Hersteller für die Einparkhilfe, Radiosysteme sind ab 860 Euro erhältlich, ein schlüsselloses Schließsystem gibt es für 660 Euro, der Tempomat inklusive Lederlenkrad kostet 360 Euro und Bi-Xenonlicht erfordert weitere 860 Euro. Interessant ist auch das Sichtpaket mit automatisch abblendendem Innenspiegel, Licht- und Regensensor.
Fazit: Preiswert, luftig und spaßig – das ist der Focus CC mit Basismotor. Die Frage ist eindeutig geklärt: Offener Fahrgenuss lässt sich auch mit relativ wenig Motorleistung erleben. Dieser Ford ist ein herrlicher Cruiser für Frühlings- und Sommertage. Dabei bleibt der Fronttriebler bezahlbar und zeigt sich schon als Grundvariante hervorragend ausgestattet.