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Fahrberichte & Tests
 
Ford Focus Stufenheck Front, Innenraum

MITTLERE REIFE

Der aktuelle Focus ist jugendlicher denn je. Und wo bleibt die konservative Klientel? Auch an sie wurde freilich gedacht, sie darf getrost zum Stufenheck-Modell mit Kofferraum greifen. Zusammen mit dem 2,0-Liter-Commonrail-Diesel gibt es keine schlechte Figur ab. Autotipp.

So richtig beliebt sind sie ja in Deutschland nicht, die Stufenheck-Ausführungen der unteren Mittelklasse. Dabei muss man nicht erst über den großen Teich reisen, um jenen Vertretern ständig zu begegnen – der Süden Europas reicht völlig aus. Und wer den Focus-Viertürer genau unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass kursierende Vorurteile hinsichtlich Styling und Auftritt schlimmer als die Realität sind. Da steht eine kleine Limousine von ernstzunehmender Stattlichkeit. Etwas schlichter und weniger sportlich als die Schrägheck-Varianten freilich mutet der Focus mit Kofferraum an, aber er ist eine recht elegante Erscheinung.
Diese Eigenschaft teilt er sich mit dem Plattform-Bruder Volvo S 40 – fürwahr, Kosten (mittels gezielter Gleichteile-Politik) müssen bei Ford wohl gespart werden; in diesem Fall findet dies auf eine nützliche wie angenehme Art und Weise statt.
Und wie nützlich ist die Limousine für jene Kunden, denen ein Kombi zu sehr nach Arbeitsgefährt riecht? Schließlich steckt unter der großen Heck-Klappe eine Menge Laderaum.

Ford Focus Stufenheck, Heck, Rückleuchten
 
Elegante Limousine: Der Focus
 

Und zwar mehr als beim Kombi. Bis zu 526 Liter schluckt der Viertürer, beim Turnier sind es lediglich 482 Liter. Selbst bei umgeklappter Rücksitzbank übertrifft die Limousine mit ihren 931 Litern den Kombi um gute zwei Wassereimer. Natürlich, eine dachhohe Beladung bis zum Armaturenbrett scheidet aus, aber als unpraktisch kann diese Kompaktklasse kaum bezeichnet werden.
Auch für die Passagiere hält der Fahrgastraum viel Platz bereit. Der im Vergleich zum Vorgänger um zweieinhalb Zentimeter gewachsene Radstand wirkt sich vor allem auf den Fond auf, in welchem man nun freizügiger reist als früher. Die erste Reihe ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern – hier fühlt man sich fast wie in einer Mittelklasse. Dazu mag auch der weite Abstand zur Windschutzscheibe beitragen; wird dann noch der Sitz hochgestellt, ruft das wahre Minivan-Erinnerungen wach.
Der Blick auf das Interieur bestätigt jenen Eindruck, den sämtliche Ford-Vertreter der letzten Zeit vermitteln: Sie sind sauber verarbeitet; die eingesetzten Kunststoffe fühlen sich ferner solide an und sehen hochwertig aus. Vorbei ist die Zeit, da Ford den Billigheimer gab – die Produkte müssen sich diesbezüglich nun wahrlich nicht mehr vor der Konkurrenz verstecken.

Auch nicht die Dieseltriebwerke. Das im Testwagen verbaute Spitzenaggregat entstammt der Ford-PSA-Ehe und leistet 136 PS. Der Zweiliter reicht allemal, um die Kompaktklasse flink anzutreiben. Eine kleine Anfahrschwäche kann der Motor nicht leugnen, doch dieser Umstand gehört zur Spezies der modernen Turbo-Selbstzünder wie das Messer zur Gabel.
Besondere Kennzeichen des TDCI sind seine ausgeprägte Laufkultur, der sparsame Umgang mit Kraftstoff sowie die gleichmäßige Kraftentfaltung. Im Testbetrieb konnten Werte unter sechs Liter pro 100 km ermittelt werden. Den Standard-Sprint von 0 auf einhundert Stundenkilometer beziffert das Werk dabei mit 9,3 Sekunden – fast schon zu sportlich für den täglichen Bedarf.
Doch das obligatorische Sechsgang-Getriebe rückt die Verhältnisse denn wieder gerade. Zwar lässt es ein gewisses Maß an Präzision nicht missen, doch für schnelle Gangwechsel sind die Schaltwege eindeutig zu lang. Drahtige Allüren sind der unteren Mittelklasse fremd, dafür erlaubt sie eine durchaus kommode Fortbewegung.

Das Fahrwerk steckt lange Autobahnwellen mit einem sanften Nachschwung weg, während sich lediglich aggressive Schnitzer bis zu den Passagieren durchmogeln. Zur gelassenen Art passt die um die Mittellage etwas indifferent ausgelegte Lenkung; sie ermöglicht einen ordentlichen Geradeauslauf bis in höhere Tempobereiche hinein. Immerhin schafft der Ford mit etwas Anlauf über 200 Sachen.
Wer es in Kurven wissen will, erntet sanftes Untersteuern – ganz so, wie sich moderne Fronttriebler verhalten. Bevor es das Fahrzeug jedoch in den Graben reißt, regelt die serienmäßige Stabilitätskontrolle wirkungsvoll ein.
Damit die Langstreckentauglichkeit nicht zugrunde geht, spendierte das Werk ihrem Volumenmodell eine bequeme Sitzanlage, war allerdings mit der Konturierung etwas sparsam. Das heißt im Klartext: Ein bisschen mehr Seitenhalt hätte nicht schaden können, andererseits stellt der Ist-Zustand aber auch keine Katastrophe dar, weiß man doch um den Performance-Anspruch im zivilen Focus. Vorbildlich übrigens: Die Ausführung mit dem starken Diesel verlässt die Produktionshallen nicht ohne Partikelfilter.

Ford Focus Stufenheck, Motor Common-Rail
 
Kraftvoll packt der Common-Rail zu...
 

Die viertürigen Modelle sind ausschließlich in Verbindung mit der luxuriösen Ghia-Linie zu haben. Ab 24.375 Euro beginnt der Spaß mit dem 2,0 TDCI. An Bord sind Antiblockiersystem, Front-, Kopf- wie Seitenairbags, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, ESP, elektrische Fensterheber vorn und hinten, automatisch abblendbarer Innenspiegel, Klimaanlage, Leichtmetallräder, Regensensor, Tempomat sowie Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.
Das reicht fast für ein erfülltes Autofahrer-Leben, fehlte nicht das Radio, welches mit mindestens 790 Euro zugekauft werden muss. Der Rest ist Luxus: Ein Navigationssystem gibt es ab 1.575 Euro; mit großem Farbdisplay kostet es gar 2.625 Euro. Leder samt Sitzheizung und vielfach elektrisch verstellbaren Sitzen lassen sich gegen weitere 1.950 Euro realisieren, und wer in den Genuss von Bi-Xenonscheinwerfern (840 Euro), schlüssellosem Schließsystem (450 Euro) oder Kurvenlicht (360 Euro) kommen möchte, kann auch das. Warum allerdings letztere Position nicht zusammen mit Xenonlicht geordert werden kann, bleibt im Dunkeln.

Fazit: Der Ford Focus ist auch als Viertürer eine attraktive Kompaktklasse, die durchaus einen Blick verdient. Komfortabel und sparsam bringt die kleine Limousine ihre Fahrgäste ans Ziel; die Optik freilich ist Geschmacksache, der konservativ angehauchten Klientel jedenfalls dürfte der elegante Ford gefallen.

 



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