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Croma?
Da kommen alte Erinnerungen aus den Achtzigerjahren
hoch. Eine recht stattliche Limousine mit diesem
Namen stellte Fiat 1985 auf die Räder, auf
deren Plattform auch Lancia Thema, Alfa Romeo
164 sowie heute staunt man Saab
9000 aufbauten. Fiat befindet sich derzeit im
kräftigen Aufwärtstrend, ob das neue
Geschichtsbewusstsein dafür verantwortlich
ist, sei dahingestellt, schaden kann es wohl kaum.
Seit 2005 steht wieder ein Croma in der Preisliste;
viel hat er mit dem alten Namensvetter nicht gemein,
aber doch immerhin eines: Beide Fahrzeuge sind
nicht exakt einzuordnen. Der alte Croma war mit
seinen 4,49 m einen Hauch zu klein für die
klassische gehobene Mittelklasse, während
der neue Croma den King-Size-Kracher in der Mittelklasse
gibt; der Hersteller selbst sieht den großen,
Van-artigen Alleskönner übrigens nicht
unbedingt im Wettbewerb mit den üblichen
Größen à la Passat, Mondeo und
Co. Eine Brise exotischen Windes umweht den Croma
jedenfalls schon deshalb, weil er auf deutschen
Straßen ein seltener Gast ist.
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| Schnörkellos,
aber schick: Der Croma |
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Unverständlich, denn
der schlichte Italiener glänzt mit vielen
praktischen Eigenschaften allen voran mit
üppigen Raumverhältnissen. Kein Wunder,
misst er doch fast 1,6 m in der Höhe, da
können selbst Fahrgäste mit Kopfbedeckung
problemlos einsteigen. Aber nicht nur das
wer innen angekommen ist, kommt sogleich ins Staunen,
denn er schaut auch ohne optionales Glasdach in
einen (Stoff-)Himmel, der die Bezeichnung verdient
hat. Viel Kopffreiheit beschreibt den Sachverhalt
nicht präzise, dieser Fiat ist schlicht ein
Raumwunder. Der Rest des Körpers wird auch
nicht gerade eingequetscht. Fahrer und Beifahrer
kommen sich nur nahe, wenn beide es wollen. Und
hinten? Viel Beinfreiheit und ebenfalls Luft nach
oben machen lange Strecken zur Kleinigkeit. Kommodes
Mobiliar vor allem gut konturiert
trägt außerdem zum Wohlbefinden bei.
Wer Rindshaut ordert, bekommt straffe, aber feine
Polster, die überdies rassig aussehen und
ein nobles Flair in die Wohnstube zaubern. Das
hätten Unbedarfte einer profanen Marke wie
Fiat gar nicht zugetraut so kann man irren.
Irren werden vermutlich auch jene, die der 2,4-JTD-Eigner
zur Schätzung der Motorleistung auffordert.
Der traditionell raue Fünfzylinder hat sich
gemausert. Mit zaghaften 136 PS trieb er einst
obere Mittelklassen wie den Alfa Romeo 166 oder
Lancia Kappa an. Heute ist sogar der kleinere
1,9-Liter mit vier Töpfen kräftiger,
der dank doppelter Aufladung bis zu 180 Pferdchen
locker macht; satte 200 PS leistet die vorerst
letzte Ausbaustufe des modernen 2,4-Liter-Common-Rail-Aggregats.
Im Croma arbeitet es allerdings ausschließlich
in Zusammenarbeit mit einer sechsstufigen Wandlerautomatik
ganz im Gegensatz zum Alfa 159. Der Automat
wechselt die Gänge beflissen, obgleich der
bullige Reihenfünfer auch mit langen Übersetzungen
keine Mühe hat. Flinke 8,5 Sekunden benötigt
der stärkste Croma bis zur 100 km/h-Marke;
rasches Niedertreten des Gaspedals beim Ampelstart
überfordert die Pneus des Fronttrieblers,
was die Traktionskontrolle prompt auf den Plan
ruft. Dennoch begnügt sich der Selbstzünder
selbst bei forcierter Fahrt mit unter acht Litern
Dieselkraftstoff pro einhundert Kilometer Strecke,
während zurückhaltende Fahrweise den
Konsum sogar auf unter sieben Liter staucht.
Trotz satter Power an der Vorderachse ist der
Fiat kein Sportler. Sanft und zügig lange
Strecken abspulen kann er am besten. Fahrbahnschnitzer
bügelt die eher weich ausgelegte Federung
wirkungsvoll weg, lediglich aggressive Schlaglöcher
dürften der Besatzung unangenehm auffallen.
Der Versuch besonders dynamischer Fortbewegung
übrigens auch, der Croma mag sie nicht besonders.
Schnelle Kurven beantwortet der kopflastige Untersteuerer
mit frühem Reifenquietschen. Auch die etwas
synthetisch wirkende elektrische Servolenkung
ist beim Rangieren hilfreicher als auf der Kurvenhatz.
Dafür erledigt er schnelle Runden auf der
Piste mit stoischer Ruhe und betont somit seinen
Tourer-Charakter.
Ansonsten beweist er, dass der Hersteller durchaus
in der Lage ist, solide Autos zu bauen. Hochwertige
Materialien, die keine Spur von Billigcharme verströmen,
übersichtliche Instrumente und eine Schalteranordnung,
welche die Bedienung erleichtert, sind ein paar
Schlagworte dieser Kategorie. Noch ein Wort zu
den praktischen Fähigkeiten: Nicht nur die
Insassen werden fürstlich untergebracht,
es darf zudem eine Menge Gepäck mit an Bord
1.610 Liter fasst der Kofferraum bei umgeklappten
Rücksitzen, damit steht der Croma auch vor
der Konkurrenz gut da.
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| Große
Klappe und bei Bedarf viel drin... |
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Und der Preis? In Verbindung
mit dem großen Dieselmotor wird die Ausstattungslinie
Emotion zur Pflichtübung. Ab
32.700 Euro gehts los das scheint teuer,
allerdings beinhaltet der Croma dann alles, was
ein glückliches Autofahrerleben braucht.
Dazu gehören ABS, Front-, Kopf- und Seitenairbags
sowie ein Knieairbag, Bordcomputer, Dieselpartikelfilter,
elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik,
Leichtmetallräder, Radio mit CD-Player, elektronisches
Stabilitätsprogramm, Tempomat sowie Zentralverriegelung
mit Funkfernbedienung. Platz für Individualisierung
bleibt jedoch genug: Der automatisch abblendende
Innenspiegel erfordert 110 Euro Aufpreis, Lederpolster
kosten 1.550 Euro, immerhin 2.450 Euro berechnet
Fiat für ein großes Bildschirm-Navigationssystem
inklusive Freisprechanlage, das große Panorama-Glasschiebedach
kostet 1.150 Euro, Seitenairbags im Fond kosten
280 Euro, elektrisch verstell- und beheizbare
Memory-Sitze schlagen mit 1.150 Euro zu Buche
und zu guter Letzt sei das 740 Euro teure Xenonlicht
erwähnt.
Fazit: Der
Fiat Croma ist eine interessante Alternative zu
den langweiligen Mainstream-Kandidaten. Praktisch,
ein wenig exotisch, komfortabel, geräumig,
in Verbindung mit dem starken Fünfzylinder-Diesel
auch schnell und vor allem sicher. Fünf Sterne
im NCAP-Euro-Crashtest untermauern letztere Eigenschaft.
Jetzt ist der Kunde an der Reihe.
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