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Fahrberichte & Tests
 
Daewoo Evanda Front
Dank Italdesign kommt der Lacetti in hübschem
Outfit daher
 
 

Ost-Erweiterung

Der sukzessive Aus- und Umbau Daewoos Modellpalette brachte als logische Konsequenz auch ein neues Kompaktmodell hervor, das seit Frühjahr dieses Jahres zu bestellen ist. Und genau wie die anderen Produkte des koreanischen Hauses erlangt man mit dem Lacetti ein Fahrzeug, welches für sein Geld besonders viel bietet und dank Giugiaro hübsch daher kommt.

Es gibt sie noch: Leute mit dem Wunsch nach purer Mobilität. Sie wollen keinen unnötigen Schnickschnack, kein besonderes Markenimage, kein protziges Gehabe und keine PS-Boliden, um mit quietschenden Reifen anfahren oder vermeintliche fahrende Verkehrshindernisse von der Spur bomben zu können. Vor allem aber möchten diese Kunden nicht zu viel Geld für ihr Vehikel ausgeben. Und jene spezielle Klientel wird immer schlechter bedient. Denn die meisten Autos sind heutzutage bereits ab Werk üppig ausgestattet – schön und gut, aber nicht jeder will und kann das bezahlen.
Erfrischend anders ist es bei Daewoo. Die Koreaner haben sich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Qualität und nett anzuschauendes Design auf die Fahnen geschrieben. Die GM-Tochter lässt ihre Autos daher bei Italdesign zeichnen – der Firma von Spitzendesigner Giorgetto Giugiaro.
Und auch der Lacetti trägt deren Handschrift in Form von knackig-muskulöser Linienführung.

Daewoo Evanda Innenraum
 
Modern und klar zeigt
sich das Interieur
 

Diesen Eindruck untermauern leicht ausgestellte Radhäuser, deren Auswölbungen bis in die Schürzen reichen. Schnörkellos-modern präsentiert sich der Abschluss des Lacetti, was ihn zum unaufdringlichen Verkehrsteilnehmer avancieren lässt. Klarglasscheinwerfer verleihen der Front einen frischen Touch – auf Wunsch strahlen sie in Kombination mit Nebelscheinwerfern, die im vorderen Stoßfänger untergebracht sind.
Innen bestimmt einfach gehaltene Architektur das Bild. Bedienungsprobleme werden potenzielle Lacetti-Kunden niemals bekommen, darüber besteht keinerlei Zweifel.
Besonders positiv: Alle zum Einsatz kommenden Materialien sehen hochwertig aus und fühlen sich ebenso an. Kunststoffelemente versprühen im Wechselspiel mit einer Metalloptik-Konsole (CDX) neuzeitliche Stimmung.
Hinzu kommen ordentliche Sitze, welche mehr Seitenhalt zur Verfügung stellen als der grundsätzliche Verwendungszweck des Fahrzeugs – dazu gehören in der Regel keine ausufernden Kurvenfahrten – erforderlich macht.

Und keinen Grund zu meckern haben Front- wie Fondpassagiere über die Platzverhältnisse. Mit 4.29,5 m Länge und 2,60 m Radstand liegt der Lacetti im gesunden Kompaktklassen-Bereich – da ist Reisetauglichkeit vorprogrammiert.
Wer viel Kleinkram auf längeren Strecken ansammelt, findet in den Türen sowie unterhalb der Mittelkonsole Platz, um ihn dort temporär zu lagern.
Größere Gegenstände passen dann in den 275 Liter fassenden Kofferraum, welcher sich durch Umklappen der Rückenlehne auf 1.045 Liter vergrößert.
Dazu passt eine Zuladung von rund 400 Kilogramm je nach Ausstattung des individuellen Fahrzeugs.
Demnach taugt der Lacetti als vollwertiges Allroundauto, das durchaus mehr kann als Einkäufe aus dem nächsten Supermarkt nach Hause zu transportieren.
Um sämtlichen Ansprüchen gerecht zu werden, stellt das Werk drei verschiedene Antriebs- und Ausstattungsversionen zur Verfügung. Alles, was zum Fahren benötigt wird, bietet bereits das Einstiegsmodell 1,4 SE.

Dazu gehören vier Airbags, Antiblockiersystem, elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage, RDS-Radio mit Kassettenlaufwerk, Servolenkung sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Angesichts des Einstiegspreises von 13.550 Euro bleibt kein Raum für Beanstandungen; selbst die Tatsache, dass kein elektronisches Stabilitätsprogramm lieferbar ist, dürfte leicht zu verschmerzen sein.
Für 1.000 Euro mehr gibt es 1,6 Liter Hubraum und stattliche 109 statt 95 Pferdchen. Damit lässt es sich schon vernünftig vom Fleck kommen; natürlich darf man vom mittleren Lacetti kein Sportskanonen-Naturell erwarten. Allerdings sollte man sich vor Augen führen: Mit guten 100 PS wurden vor zwei Jahrzehnten diverse GTI-Modelle angetrieben, was auf dezente Dynamik schließen lässt. Allerdings mussten jene Oldies einige hundert Kilogramm weniger Hüftspeck mitschleppen – Sicherheit und Komfort fordern eben ihren Tribut.
Abgesehen von der höheren Motorleistung verfügt die damit einhergehende SX-Ausführung auch über elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber im Fond und Lederlenkrad.

Daewoo Evanda Heckansicht, Rückleuchten
 
Frisches Design tut der
Marke gut
 

Das Topmodell hört auf den Namen 1,8 CDX und ist im Vergleich zu den schwächeren Brüdern geradezu luxuriös ausgestattet. Der Grundpreis des 122 PS starken Kompakten beträgt 16.250 Euro. Zusätzlich gibt es dafür einen CD-Wechsler, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Regensensor, höherwertige Polster, eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung sowie Traktionskontrolle. Gegen 700 Euro Aufpreis steht ein elektrisches Glas-Schiebe-Hebe-Dach zur Verfügung.
Hinsichtlich des Antriebskomforts stellt der stärkste Vierzylinder die beste Wahl dar. Schon aus dem Drehzahlkeller tritt er spürbar kräftiger an als seine preiswerteren Kollegen, braucht laut Werk aber geringfügig mehr Sprit. Dafür schont der 1,8er insbesondere bei Autobahnfahrten die Nerven seiner Fahrer, denn Überholvorgänge gehen mit dem nahezu 200 km/h rennenden Lacetti leicht von der Hand.
Gemeinsam ist allen drei Versionen eine mehr komfortable denn stramme Fahrwerksauslegung, wobei der kleine Daewoo lange Wellen ausgesprochen gut wegfiltert, während gröbere Unebenheiten mehr Bauchschmerzen verursachen.
Erfreulich: Kunden mit dem Wunsch nach einem Automatikgetriebe müssen nicht nach Hause geschickt werden, sondern ihnen kann geholfen werden, sofern sie 1.400 Euro Aufpreis bezahlen – lieferbar ist die Wandlerautomatik indessen nur in Verbindung mit der starken CDX-Ausführung.

Fazit: Der Daewoo Lacetti ist ein gelungener Vertreter der unteren Mittelklasse zum sensationell günstigen Preis. Selbst die Basis verfügt bereits über Klimaanlage und RDS-Radio – was will man mehr? Wem Image weniger wichtig ist als eine preiswerte mobile Lösung, fährt mit kaum einem anderen Auto besser und vor allem nicht schicker. Leben muss der Kunde damit, dass es kein elektronisches Stabilitätsprogramm gibt, und sämtliche Motoren erfüllen nur die Euro 3-Abgasnorm.



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