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Fahrberichte & Tests
 
Citroen C8, Front
Klassischer Minivan: Der C8
 
 

Raum-Luxus

Minivans sind inzwischen so komfortabel wie Limousinen, nur wesentlich vielseitiger. Preislich liegen sie ebenfalls kaum unter manch luxuriösen Viertürern, doch welcher Ahnungslose vermutet das schon? Die aktuelle Eurovan-Generation zeigt einmal mehr, dass Technik und Komfort in hervorragender Weise auch mit Nutzwert einhergehen können.

Citroen geht es mitten in der Krise gut: Wachsende Marktanteile sowie attraktive Neuerscheinungen wie C3, der hier thematisierte C8 und der C2 als jüngster Spross geben allen Grund für gute Laune.
Und während die Vertreter der Kleinwagenschaft – C2 wie C3 – nicht nur schlechthin Ersatz für die abgelösten Modelle darstellen, sondern in Design und Konzept gänzlich neue Wege beschreiten, lautet die Botschaft beim Eurovan mehr Evolution denn Revolution.
So sieht das Ergebnis aus: Außen ein gemäßigt-moderner Auftritt im klassischen Vanlook und innen eine komfortversprechende Wohnstube mit allen Schikanen. Nach dem Willen der Marke ist diese Großraumlimousine etwas höher positioniert als es noch der Evasion war. Somit wächst der Abstand zwischen ihr und dem kleineren Kompaktvan Xsara Picasso, der für junge Familien, die knapper bei Kasse sind, erste Wahl sein soll.
Im Grundsatz basiert der aktuelle Minivan auf der gleichen Plattform wie sein Vorgänger, weshalb der Radstand gleichgeblieben ist. Allerdings wuchs die Außenlänge um knapp 30 Zentimeter – längere Karosserieüberhänge sollen das Crashverhalten und damit die passive Sicherheit verbessern.

Citroen C8, Inneraum, Anzeige, Skalen, Skala
 
In den Genuss der
grünen Skalen kommt nur,
wer auf Navi verzichtet
 

Dass der C8 zur luxuriöseren Sorte gehört, wird schnell klar: Er bietet mehr Ausstattungsfeatures als sein älterer Amtsgenosse, wird auf Wunsch jetzt auch durch den bekannten V6 angetrieben und liegt im preislichen Einstieg über dem Evasion.
So kostet die Basisversion bereits 25.260 Euro, und das Topmodell – der Dreiliter in der Exclusive-Ausführung – schlägt mit 36.490 Euro zu Buche.
Dafür ist es allerdings mehr als üppig ausgestattet. Bemerkenswert ist das überkomplette Sicherheitsprogramm mit zehn Airbags, Antiblockiersystem inklusive Notbremsassistenten und elektronischem Stabilitätsprogramm.
Doch auch Komfort und Luxus sind bereits ab Werk reichlich vorhanden: Alcantara-Sitzanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, die zudem auf Knopfdruck herangeklappt werden können, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Innenspiegel automatisch abblendbar, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Lichtsensor, Radioanlage mit CD-Player und RDS, Regensensor, Reifendruckkontrolle, Parksensor, elektrische Schiebetüren links und rechts, elektrische Sitzverstellung mit Memory für den Fahrersitz inklusive Sitzheizung, Tempomat, Xenonlicht und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.

Tiefer in die Tasche greifen muss, wer auf ein Bildschirmnavigationssystem nicht verzichten kann (2.380 Euro), und von Frischluftliebhabern verlangt man 1.530 Euro, damit sie in den Genuss des großen, dreiteiligen Glasschiebedaches kommen. Dieses erstreckt sich über das gesamte Wagendach und lässt sich elektrisch – von allen Sitzplätzen aus – öffnen wie schließen.
Standardmäßig enthält der C8 fünf Einzelsitze, von denen die hinteren mittels sogenanntem Quickfix-System im Fahrzeugboden befestigt werden und sich in Längsrichtung verschieben lassen. Auf diese Weise ist ein jeder Reisegast in der Lage, selbst zu bestimmen, wieviel Beinfreiheit er gerne hätte. Generell mangelt es dem großen Citroen nicht an Platz. Auch großgewachsene Personen fühlen sich hier gut aufgehoben, ganz gleich, ob sie sich in der ersten Reihe oder im Fond niederlassen.
Hinzu kommt die enorme Vielfalt der Sitzkonfigurationen – hier kann man beinahe nach Herzenslust klappen, schieben, zurechtrücken und umbauen. So werden aus Sitzlehnen schonmal Picknick-Tische; und falls nötig verschwinden sie ganz, nämlich dann, wenn sie kurzerhand entfernt werden, um knapp 3.000 Liter Stauraum freizugeben.
Auf Wunsch lassen sich sogar bis zu acht Sitzplätze installieren – damit avanciert der Citroen zum Allrounder, der nicht nur Großfamilien in den Urlaub bringt, sondern ebensogut zahlreiche Firmenmitarbeiter gleichzeitig zum nächsten Meeting karrt oder hilft, den Kurztrip mit Freunden entspannter zu gestalten. Problematisch könnte es dann mit dem Gepäck werden, denn bei voller Bestuhlung schrumpfen die übrig bleibenden Raumkapazitäten auf Kleinwagenniveau, während der Mitnahmebedarf im Gegenzug logischerweise mit der wachsenden Anzahl Mitreisender steigt.

Die Sitzanlage leistet nicht nur in passiver Hinsicht ausgezeichnete Arbeit, sondern bietet den Passagieren auch einen angenehmen Aufenthalt – was ja ihre ureigene Aufgabe ist. Mehr straffer denn nachgebender Weise kann man ohne weiteres lange Strecken auf den Fauteuils zurücklegen, welche vielleicht eine Spur breiter sein könnten. Mehr ist nicht auszusetzen, auch nicht an der restlichen Fahrgastzelle. Gut ablesbare Rundinstrumente ragen – in futuristisch anmutendem grün – aus der Mitte des Armaturenträgers. Die Radiobedieneinheit versteckt sich hinter einer Klappe; so sieht es aufgeräumter aus. Und das ist es auch – nirgendwo Kanten oder Ecken, an denen das Auge hängenbleiben könnte. Wohl ein Beweis dafür, dass sich Funktionalität und Ästhetik nicht zwingend ausschließen müssen.
Bleibt noch der Antrieb: Sechs Zylinder sind es bei der teuersten Ausführung innerhalb der Baureihe. Lohnt es sich, dafür rund 4.500 Euro mehr auszugeben? Schließlich kostet der ebenfalls nicht schwache 2,2-Liter (158 PS) als "Exclusive" 31.990 Euro. Jedoch gibt es beim V6 die Automatik frei Haus, und der Dreiliter arbeitet obendrein noch einen Tick unauffälliger als der kernige Vierzylinder. Dieser passt außerdem gut zum sanft schaltenden Viergangautomaten; allein von den Fahrleistungen sollte nicht zu viel erwartet werden. Denn das 204 PS starke Triebwerk vermag den Van kaum schneller zu beschleunigen als der kleinere Benziner. Hierfür dürften Wandlerschlupf und der Umstand, dass eine Übersetzungsstufe weniger vorhanden ist, was eine weitere Spreizung der Gänge erfordert, Sorge tragen.

Citroen C8 Heck, Rückleuchten
 

Da passt viel rein: Der
C8 als flexible Komfort-
Limousine

 

Pekuniär gesehen hat demnach alles seine Richtigkeit. Aber auch abgesehen davon stellt der 3,0 V6 die richtige Wahl dar, wenn es um größtmöglichen Antriebskomfort geht.
Bei der Fahrdynamik indessen muss man mit Abstrichen leben – sportliche Werte gehören eben nicht in die Kategorie eines Minivans. Kaum verwunderlich, dass sich der C8 als ausgeprägter Untersteuerer entpuppt. Der hohe Schwerpunkt sowie das weich abgestimmte Fahrwerk zwingen zur deutlichen Temporeduktion vor Kurven.
Da klappt es mit der Verbannung störender Fahrbahnschnitzer schon besser: Immerhin verarbeitet die Federung Strassenprofile jeglicher Art mit einer für die Insassen angenehmen Gelassenheit.
Mit einer anderen Gelassenheit müssen C8-Besitzer den Durst ihres Vehikels stillen, insbesondere, wenn es sich um den stärksten seiner Gattung handelt. Selbst bei moderater Fahrweise geht nichts unter 11 Liter. Ungerechtfertigt darf man den Konsum aber nicht nennen, schließlich wollen gute 1,8 Tonnen Leergewicht bewegt werden. Und als Entschädigung gilt: Nichts bewegt Sie wie ein Citroen!

Fazit: Citroen auf dem Weg in die Moderne – das größte Familienmitglied behindert diese Reise jedenfalls nicht. Der C8 ist ein geräumiges, flexibles und ebenso komfortables Fahrzeug mit einem hohen Standard in Sachen Sicherheit und Luxus. Ein billiges Auto ist er nicht, aber ganz sicher eines mit gutem Preis-Leistungsverhältnis.

 

September 2003

 



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