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Fahrberichte & Tests
 
Citroen C4 Front
Brav, aber ausgefallen: Der C4
 
 

Späte Renaissance

Mit dem C4 ist Citroen ein Fahrzeug gelungen, das an die alte Tradition der Marke anknüpft: Nämlich Autos im ausgefallenen Stil mit ansprechender Technik zu bauen, die dem herrschenden Mainstream so fern sind wie Deutschland dem Äquator.

W
as ist geschehen? Citroen scheint aus dem jahrelangen Winterschlaf aufgewacht und sich wieder auf eine Aufgabe zu konzentrieren, die dem französischen Hersteller mindestens bis in die Achtzigerjahre als Rolle förmlich auf den Bauch gebunden war: Ein Modellprogramm anzubieten, das all jenen zuspricht, die auf automobile Öde verzichten möchten. Zum Leidwesen der Markenfans sah es diesbezüglich lange schlecht aus. Sympathieträger à la 2CV, Visa oder die ganz großen wie DS, CX und selbst noch XM, hat man in der Liste schmerzlich vermisst, stattdessen gab es Magerkost namens ZX, Xantia, Saxo und schließlich auch Xsara, welcher kürzlich eindrucksvoll abgelöst wurde.
Und zwar vom C4 – einer Kompaktklasse mit ausgesprochen pfiffigem Styling und ebensolchem Interieur. Dabei kündigte sich die Botschaft besserer Zeiten schon lange schleichend an – mit aus der Reihe tanzenden Neuheiten wie C3 und C2 beispielsweise gewöhnte der Hersteller seine Klientel langsam wieder an alte Markenwerte.

Was mit der aktuellen Kompaktklasse indes auf den Autofahrer zukommt, hat sich gewaschen. Darüber soll die verhältnismäßig brave Front mit den blitzeblanken, hochgezogenen Klarglasscheinwerfern nicht hinwegtäuschen. Äußerliche Hingucker findet der Otto-Normal-Betrachter vor allem beim Coupé-Abschluss: Da stemmt sich dem Auge das steile Heck des Dreitürers aggressiv entgegen, während der Abschluss der fünftürigen Limousine mit dem rundlichen Schwung eher lieb anmutet. Einen weiteren, noch größeren Kulturschock dürfte so mancher Ersteinsteiger beim Blick auf das Innenleben erleben. Alte Citroen-Hasen hingegen werden sich freuen: Der C4 scheint wieder einmal seiner Zeit voraus; das Lenkrad mit feststehendem Pralltopf, welcher gleichzeitig als Kommandozentrale fungiert, mutet futuristisch und fühlt sich leichtgängig an. Trotz unkonventioneller Features leidet die Funktionalität allerdings in keiner Weise unter dem Anspruch des Neo-Avantgardismus.
Statt Rollentacho à la Erstserien-CX gibt es nun LCD-Ziffern für die Tempokontrolle, der Drehzahlmesser sitzt samt Kontroll-Leuchten unmittelbar über dem Lenkrad – ebenfalls mit Hilfe von flüssigen Kristallen dargestellt.
Auf der Spur nach einem Quäntchen Allerwelt-Automobil fällt die übersichtliche Mittelkonsole mit untergebrachter Klima-Regelung wie Radiobedienung ins Auge. Der Bildschirm des auf Wunsch lieferbaren Navi-Monitors liegt in blickfreundlicher Position darüber.

Doch weg von den Formalitäten – Citroens aktueller Kompakter kann mehr als nur die Augen seiner Betrachter erfreuen. Es gibt eine ganze Reihe Ausstattungsdetails, die in diesem Segment jedenfalls zum Grübeln anregen. Da hat der eingebaute Duftspender – abgesehen von seiner Einzigartigkeit – eher Spielzeugcharakter, während der Spurassistent schon ernsterer Natur ist. Mittels vibrierendem Sitzkissen wird dem ermüdenden Fahrer mitgeteilt, dass er im Begriff ist, den Mittelstreifen der Strasse zu passieren. Solange der Blinker aktiv ist, reagiert das kluge System freilich nicht. Als handfeste Technik-Gimmicks mit sicherheitsrelevantem Hintergrund glänzen ferner Kurvenlicht und Reifen-Luftdrucksensor.
Eine untere Mittelklasse mit Vorzeigecharakter also hat der PSA-Konzern hier auf die Räder gestellt. Das gilt auch für den Aufenthaltsraum, in dem sich zumindest vier Fahrgäste für längere Zeit wohlfühlen sollten. Nicht zu weich abgestimmte Sitze machen die Fuhre auch für außerhalb Frankreichs lebende Menschen zum attraktiven Langstrecken-Läufer.

Und der Antrieb? Die Motorenpalette ist eine alte bekannte: Sie reicht vom eingesessenen 1,4-Liter, hier mit 88 statt 75 PS, über den 109 Pferdestärken leistenden 1,6-Liter bis zum 2,0-Liter (136 PS). Jenes große Triebwerk wird in Verbindung mit dem Coupé auch als 177 PS-Variante ausgeliefert, die für sportliche Fahrwerte sorgt. In der Praxis überzeugt das Topmodell mit seinem spritzigen Naturell und dem insbesondere bei höheren Drehzahlen kernigen Tonfall. Die Werksangaben untermauern diesen Eindruck – demnach braucht der starke Zweiliter lediglich 8,9 Sekunden von null auf 100 km/h und rennt 227 Stundenkilometer.
So quirlig geht der Basismotor freilich nicht zu Werke, bietet aber hinreichende Reserven, um im Verkehr gut mitzuschwimmen.
Für Diesel-Fans und Vielfahrer bietet das Programm zwei Selbstzünder mit 109 respektive 136 PS. Sowohl der 1,6-Liter wie auch der größere Zweiliter treiben die untere Mittelklasse in angemessener Weise nach vorn. Beide ziehen ihre Bahnen gelassen und sorgen mit Spitzentempi von knapp unter oder aber knapp über 200 km/h für schnelles Fortkommen.
Die in Kooperation von PSA und Ford entstandenen Common-Rail-Aggregate laufen bekanntermaßen kultiviert und leise, was dem allgemein guten Gesamtkomfort in der C4-Fahrgastzelle entgegenkommt.

Citroen C4 Innenraum
 
Avantgardismus vom
Schlage früher Modelle
der Marke
 

Ab 14.990 Euro kommt der Kunde in den Genuss des C4 – dann als Coupé mit dem Basismotor. Darin sind bereits ABS, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch einstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorn, Tempomat sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung enthalten. Der Aufpreis für den Viertürer beträgt 700 Euro. Jeweils 1.600 Euro mehr kostet die nächstbessere Ausstattungslinie (VTR/Style); dann gibt es den einzigartigen Duftspender, Nebelscheinwerfer, eine Klimaanlage und ein RDS-Radio inklusive CD-Player.
Jenen High-Tech-Spurassistenten (590 Euro Aufpreis) bekommt man dagegen ausschließlich in den teuersten Versionen (VTS/Exclusive), welche mit dem Basismotor nicht kombinierbar sind (erst ab 1,6-Liter) und mindestens 20.990 Euro kosten. Mit dem zunächst stattlich erscheinenden Mehrpreis bringt der luxuriöseste aller C4 neben den Grundzutaten jedoch elektrische Fensterheber auch hinten, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Klimaautomatik, Kurvenlicht, Leichtmetallräder, Lichtsensor, Parksensor vorn und hinten, Regensensor, einen Sensor für den Reifen-Luftdruck und Bi-Xenonlicht mit. Auf der Sonderausstattungskarte reizt vor allem das Navi-Paket inklusive Autotelefon, CD-Wechsler und Soundsystem (2.590 Euro).

Fazit: Der C4 ist wieder ein Citroen vom alten Schlage – nur neu interpretiert. Ausgefallenes Design innen wie außen lassen ihn aus der Masse hervorstechen. Innovative Technik darf ferner als weiteres schlagkräftiges Argument für die Kaufentscheidung zugunsten der unteren Mittelklasse aus Frankreich herhalten. Jetzt sind die Kunden am Zuge, das Potenzial zum Erfolg jedenfalls besitzt der C4.



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