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Fahrberichte & Tests
 
Citroen C2 Front
Der schnellste C2 gibt sich betont sportlich
 
 

Einen draufgelegt

Mit dem jüngst von 109 auf 122 PS erstarkten 1,6-Liter wird aus dem sonst harmlosen Kleinwagen C2 ein giftiger Cityflitzer, der es mit weit größeren Verkehrsteilnehmern aufnehmen kann – so der Fahrer will. Mehr darüber im folgenden Autotipp.

S
tille Wasser sind tief, sagt man. Und analog dazu könnte es heißen, dass lieb aussehende Autos auch böse werden können, so in etwa trifft es auf den C2 mit dem 1,6-Liter-Otto zu. Mit 122 PS schlummern in ihm ungeahnte Kraftreserven, die den einen oder anderen Tuning-Corsa-Besitzer oder auch potentere obere Mittelklässler je nach Situation aufschrecken lassen. Zum Beispiel, wenn man an der Ampel schwarze Striche auf dem Asphalt zurücklässt. Früher trug auch das in Verbindung mit der (allerdings zehn Kilowatt schwächeren) Topmotorisierung obligatorische automatisierte Schaltgetriebe zu jener Unart bei, dessen Kupplungskennlinie sich lastabhängig veränderte. Wenn man es wollte (oder auch nicht), ließ sich der Automat dazu bewegen, bei erhöhter Drehzahl ruppig einzukuppeln, was einen Kavalierstart unausweichlich machte. Inzwischen muss man selbst zügig kuppeln, denn den starken C2 gibt es nur noch mit manueller Schaltung. Damit wird dem Fahrer wieder mehr Verantwortung überlassen, darf er doch künftig wieder selbst das Zusammenspiel zwischen Antriebsverbindung und maximaler Querbeschleunigung steuern.

Schließlich steckt im C2 mehr sportliches Potenzial als beispielsweise im fünftürigen Bruder C3, der schnelle Kurvenrunden aufgrund des höheren Schwerpunkts mit deutlich mehr Seitenneigung quittiert.
Somit darf der Top-C2 als waschechter Vertreter der GTI-Klasse gelten, und mit dem kleinen Leistungsplus wird er in diesem Rahmen endlich auch auf dem Papier ernstgenommen: Nun soll er lediglich 8,9 Sekunden bis 100 km/h brauchen.
Dabei war auch der 80 KW-Geselle schon keine lahme Kiste, doch der Aktuelle kann eben alles ein wenig besser. Auch die Lenkung ist in Verbindung mit dem Topmotor knackiger geworden; schließlich taugte sie mit ihrer früher zu indirekten, etwas gefühllosen Abstimmung eher zum Rangieren auf engem Raum – Tuning-Freaks auf der Landstrasse jagen war kaum drin. Schneller in der Spitze geworden ist der C2 außerdem; Tempo 200 und mehr können die großen LCD-Ziffern des Tachos jetzt ohne Probleme anzeigen, während die 109 PS-Variante sich dafür ganz schön hätte anstrengen müssen.
Gewöhnungsbedürftig im Ablesen gibt sich der darüber angebrachte Drehzahlmesser – doch seine Existenz in dieser Form darf als Ausdruck einer avantgardistisch angehauchten Stilrichtung, die der Marke in letzter Zeit glücklicherweise wieder nachgesagt werden kann, getrost positiv gesehen werden.

Ansonsten zeigt sich das Interieur von seiner aufgeräumten Seite. Teil-Leder-Polster sollen der Spitzenversion einen exklusiven Touch verleihen. Die Radio- und Lüftungseinheit liegt gut erreichbar in der Mittelkonsole und gibt keine Rätsel in Sachen Bedienung auf.
Straffes Gestühl sorgt in der hier verbindlichen VTS-Ausstattung für eine gute Mischung aus kommodem Sitzgefühl und sportlicher Anmutung. Deutlicher ausgeprägte Sitzwangen als in den anderen Modellen halten die Passagiere auch bei forscher Gangart fest in der Mittelbahn.
Ordentliche Platzverhältnisse machen den C2 auch für längere Fahrten jenseits urbaner Gebiete tauglich. Das hintere Abteil ist serienmäßig mit zwei verschieb- und umklappbaren Einzelsitzen ausgerüstet; hier finden zwei Personen durchaus reisefähigen Raum vor.
Als äußerst praktisch erweist sich die geteilte Ladeklappe, so kann der Kofferraum auch dann noch mühelos geöffnet werden, wenn der Hintermann sein Gefährt angesichts knapper Parkfläche mal wieder zu dicht vor dem kleinen Franzosen abgestellt hat.

Das Ladevolumen reicht von 166 Litern bis hin zu ganzen 866 Litern bei umgeklappten Rücksitzen und dachhoher Beladung.
Also gute Nachrichten für jene, die gern mit dem Auto zum Baumarkt fahren und ihre Einkäufe sofort mitzunehmen pflegen.
Gute Allround-Fähigkeiten also erkauft man sich mit dem zweitkleinsten Citroen neben ausgeprägter Wirtschaftlichkeit – aber nur bei entsprechender Fahrweise. Mit guten sieben Litern Super pro einhundert Kilometer kann man den Alltag bestreiten, bei forcierter Gangart jedoch schwappt der Konsum an die Zehnliter-Marke heran.
Freilich erfüllt der schicke Mini, der in der stärksten Ausgabe auf potenten Pneus der Größe 195/45 16 steht, die Euro-4-Abgasnorm.
Allein in der Versicherungseinstufung muss der Kunde mit höheren Prämien rechnen als bei den schwächeren Brüdern der C2-Familie, was angesichts höherer Performance aber einleuchten dürfte. Im Grundpreis liegt der ausschließlich mit drei Türen lieferbare Kleinwagen mit 16.290 Euro auf erträglichem Niveau.

Citroen C2 Innenraum
 
Aufgeräumter, sportlich
angehauchter Innenraum
 

Die Grundausstattung kann sich mehr als sehen lassen. Frei Haus gibt es Antiblockiersystem, Front-, Seiten- und Kopfairbags (vorn und hinten), elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Bremsassistent, Bordcomputer, elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik samt kühlbarem Handschuhfach, Leichtmetallräder, Licht- und Regensensor, Radio mit RDS und CD-Player sowie eine Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.
Zusätzliches Geld kosten lediglich die Sonderlackierung (390 Euro) und das Navigationssystem mit großem 16:9-Farbdisplay plus 5-fach-CD-Wechsler (2.280 Euro).
Der preiswerteste C2 ist bereits für 11.190 Euro zu haben, allerdings mit weniger Ausstattung und Leistung (60 PS). Dieselfreunde kommen ab 12.890 Euro auf ihre Kosten. Das aus dem PSA-Regal bekannte Triebwerk erfüllt selbstverständlich ebenfalls die Euro-4-Norm – nur auf den Rußpartikelfilter muss verzichtet werden.

Fazit: Der C2 ist ein unkonventioneller Stadtflitzer mit attraktiven Eigenschaften. Insbesondere mit dem stärksten Triebwerk kommt der Bezeichnung "Flitzer" eine tragende Rolle zu. Trotz kompakter Abmessungen kann man dem Kleinwagen eine gewisse Allroundfähigkeit nicht absprechen. Der Preis darf als ausgesprochen fair gelten, schließlich rollt der VTS alles andere als nackt vom Band.

 

 



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