Frech und witzig stellt sich der Chevrolet Spark (was soviel heißt wie Zündung) seinen potenziellen Kunden, die auf automobile Minimallösungen stehen. Städter, Gelegenheitsfahrer und Menschen mit begrenztem Budget sind aufgerufen, den kleinen mobilen Floh probezufahren und natürlich zu erwerben. Fahrbericht.
er Spark passt möglicherweise erst auf den zweiten Blick oder vielleicht überhaupt nicht zu Chevrolet, aber dafür wunderbar in den Zeitgeist. Teuerer werdenden Sprit nämlich nehmen Spark-Fahrer äußerst gelassen, denn große Motoren sind für das amerikanisch-koreanische Kleinvehikel gar nicht erst lieferbar. Ein einziger Liter oder deren 1,2 darf man sich gönnen – die Rede ist von Hubraum. Okay, es geht auch mit noch weniger, schließlich bekamen die einstigen Basis-Besteller eines Matiz lediglich drei Zylinder, in die 0,8 Liter passten – so gesehen steht der Spark gut im Futter. Immerhin 68 PS mobilisiert der kleine Einstiegsbenziner, der übrigens ganz schön modern – mit Alukopf und vier Ventilen pro Zylinder – daherkommt. Mit dieser Power mussten früher allroundfähige Kompaktklassen auskommen. Richtige Dynamik bringt der Otto natürlich kaum ins Spiel, denn der Spark ist zwar winzig (3,64 Meter lang), aber nicht wirklich leicht. Während viele Kleinstwagen noch vor wenigen Jahren eine Tonne deutlich unterboten, werden hier mit Besatzung locker vierstellige Kilogramm-Werte erreicht. Die Moderne fordert eben ihren Tribut – auch in puncto Gewicht, denn es soll ja nicht an Komfort oder Sicherheit fehlen.
Komfort – genauer gesagt – Antriebskomfort ist ein gutes Stichwort, wie fährt sich der kleine Chevy also? Um das zu bewerten, müssen praktische Erfahrungen her, also rein in den Fronttriebler und Motor starten. Der Benziner klingt freilich unspektakulär, legt allerdings einen verhältnismäßig kultivierten Lauf an den Tag. Der gewöhnliche Straßenalltag lässt sich mit knapp 70 Pferdchen locker bestreiten; klar, an Autobahnsteigungen muss der gut bedienbare Schalthebel fleißig bemüht werden. Das gilt insbesondere für einen vollbesetzten Spark, der sich dann spürbar phlegmatischer in Bewegung setzt. In diesem Fall sollte man höhere Drehzahlen nicht scheuen. Dagegen wirkt der fülligere 1,2-Liter schon etwas souveräner, zeigt mehr Zähne auf der Autobahn-Einfädelspur und lässt die Graphik auf dem rechts des Tachos sitzenden LCD-Display lässiger hochschnellen. Es handelt sich um den Drehzahlmesser – der macht seinem Eigner auf unkonventionell-ausgefallene Art Freude. Auch die Bordcomputer-Daten werden hier übersichtlich präsentiert. Ebenso wie die Skalenbeleuchtung strahlen die Ziffern des Mäusekinos in einem frischen Blau, was definitiv Attraktivitätspunkte einspielt.
Gilt das auch für die äußere Optik? Gut, über Geschmäcker lässt sich natürlich streiten, aber der Spark macht einen durchaus gefälligen Eindruck und setzt auf die Wirkung verspielter Elemente, die der Natur eines Kleinstwagens entgegenkommen. Poppige Farben (auf Wunsch) plus Klarglas-Rückleuchten verströmen in Verbindung mit den kompakten Abmessungen sowie der kurzen Schnauze samt großem Kühlergrill einen Hauch von Kindchen-Schema. Die muskulös geformte Motorhaube lässt den Chevrolet zudem figurbetont unter die Augen seiner Betrachter fahren. Der Kniff, die hinteren Türgriffe in der C-Säule zu verstecken, sorgt dafür, dass er zunächst als Zweitürer identifiziert wird, was ja zum Segment passt. Von wegen: Die Verantwortlichen bieten ihren Zwerg ausschließlich mit vier Pforten an, was den Zugang in das hintere Abteil deutlich erleichtert. Und wer nicht gerade mit Überlänge gesegnet ist, bleibt sogar gerne sitzen, denn Bein- und Kopffreiheit gehen für die Fahrzeugkategorie in Ordnung. Erst ab drei Personen wird es richtig eng, aber damit kämpfen ja schließlich auch deutlich größere Autos. Bleibt zu klären, wie es um die Sitze selbst bestellt ist.
Straffe (und optisch ansprechende) Polster gestalten längere Fahrten angenehm; der Seitenhalt könnte etwas ausgeprägter sein – macht aber nichts, schließlich dürften sich die Querkräfte sogar im Falle kurviger Straßen in Grenzen halten, denn sportliche Performance ist dem Spark fremd. Das Fahrwerk entstammt einer milden Sorte und Dämpft den Stadtflitzer angemessen. Zweifellos wird er mit sanften Wellen besser fertig als mit hartnäckigen Schlaglöchern. Und sonst? Aufgeräumte Instrumente beglücken den Spark-Besitzer, und die Fahrgastzelle bietet praktische Qualitäten mit ordentlichen Ablagen sowie zwei Cupholdern vorn. Ein bisschen Farbe vertreibt jegliche Form der Tristesse, gut für positive Stimmung. Hervorragende Übersichtlichkeit – bei modernen Autos ja längst keine Selbstverständlichkeit mehr – lässt den Korea-Amerikaner zum perfekten Begleiter in urbanen Gefilden avancieren, in denen Rangieren ja zum üblichen Geschäft gehört. Ach ja, und wer den Chevy mal als Lastesel beanspruchen möchte: Bei umgeklappter Rückbank schluckt er immerhin 568 Liter Gepäck. Lässt sich der kleine Allrounder auch budgetfreundlich erwerben? Mindestens 8.990 Euro ruft der Hersteller für die Einsteigerversion auf.
Dann allerdings heißt es autofahren pur; etwas Verzicht muss schon sein für einen vierstelligen Europreis. Es gibt jedoch Antiblockiersystem, Front-, Kopf- sowie Seitenairbags und eine Wegfahrsperre. Kurbelfenster und die Abwesenheit einer Zentralverriegelung muten für heutige Verhältnisse fast schon bizarr an. Und klar – natürlich werkelt hier der kleinere Einliter-Motor unter der Haube. Das tut er bis zur Ausstattungslinie LS, die für 10.890 Euro zusätzlich elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, ein CD-Radio und Zentralverriegelung mit Fernbedienung kredenzt. Für die Topversion LT ruft der Konzern 12.690 Euro auf – dann gibt es allerdings 82 Pferdchen und besagte 1,2 Liter Hubraum. Außerdem schmücken den Top-Spark für die Fahrzeugklasse luxuriös erscheinende Dinge wie Klimatisierungsautomatik und Parksensoren hinten. Desweiteren gibt es hier elektrisch verstellbare Außenspiegel, einen Bordcomputer, eine Dachreling, elektrische Fensterheber auch hinten sowie Leichtmetallräder im 15 Zoll-Format. Es gibt übrigens lediglich eine einzige Sonderausstattung: Metalliclackierung für 390 Euro. Etwas Individualismus kann sich auch die kleinste Autokategorie offenbar nicht verkneifen.
Fazit: Der Chevrolet Spark bietet für wenig Geld eine maßgeschneiderte Portion Auto für Städter und jene mit knappem Budget. Das heißt aber nicht, dass er keine Allround-Qualitäten besitzt. Selbst lange Strecken lassen sich problemlos zurücklegen, und bei Bedarf schluckt er sogar ansehnliche Gepäckmassen.