Der BMW Z4 kommt dem, was man eigentlich unter Roadster versteht, schon recht nahe. Klein, leicht und offen versprüht er pure Fahrfreude. Nur als reduziert – was die Fahrzeuggattung ja ebenso erwarten lässt – kann man ihn wahrlich nicht bezeichnen. Im Folgenden geht es um die 306 PS starke Ausführung sDrive 35i mit Turboaufladung. Autotipp.
iele Marken haben Roadster im Programm – jedenfalls laut deren Modell-Listen. Aber mit Leergewichten jenseits der 1,8 Tonnen, üppigen Metallverdecken und möglicherweise auch noch vier angetriebenen Rädern? Nein Danke. Der Z4 ist wahrlich ein anderer Typ; zwar verfügt auch er neuerdings über ein äußerst wetterfestes Stahldach, aber die Ingenieure achteten penibel darauf, dass keine überflüssigen Pfunde entstehen. So startet die Modellreihe bei 1.480 Kilogramm, was für ein Blechkapuzen-Cabrio tatsächlich in Ordnung geht. Klar, bei der Spitzenversion drückt das potente Triebwerk auf die Bilanz – kommt dann noch das Doppelkupplungsgetriebe hinzu, zeigt die Waage locker 1,6 Tonnen. Aber man sieht es diesem Zweitürer nicht an, so grazil und zierlich kommt er daher. Und die Hülle fällt für Stahl-Verhältnisse schnell, so kann man den Bayern auch nach dem Stopp vor einem Café kurzerhand wieder schließen, um ihn vor böswilligen Passanten zu schützen. Aber entscheidend ist natürlich der Luft-Check. Kann der marktfrische Z4 auch in puncto Innenraum-Sturm Roadster-Bedingungen erfüllen? Zwar steht die Frontscheibe lange nicht so flach, wie man es von den klassischen englischen Frischluftvertretern aus den Siebzigerjahren kennt, aber empfindliche Naturen sollten die Mütze für alle Fälle definitiv mitnehmen.
Also schön die Seitenscheiben herunterlassen, um die so begehrte Cabriolinie zu erzeugen – dann pustet der Wind auch ordentlich und zerstört jede mit noch so viel Haarspray fixierte Frisur. So muss das sein bei diesem Auto, der Sturm hat zu wüten und die Erde zu toben. Schließlich ist die Rede von einem Sportwagen, demnach sind die Dämpfer straff und lassen die Insassen spüren, wo Straßenarbeiter nachlässig waren oder der Frost zu streng. Alles egal, und jetzt ab auf die Landstraße; hier ist der knackige Hecktriebler in seinem Element, fegt durch Kehren, in denen er stets die Contenance behält mit dem feinfühligen Lenkrad, dem es an präziser Rückmeldung nicht mangelt. Dank eingespielter Einheit aus Fahrwerk und Lenkung erfüllt der Z4 ein weiteres Roadster-Kriterium. Und der 35er kann auch vertikal richtig dampfig: Also aufpassen, wenn die Gerade naht – Schlupfmangel ist nämlich jederzeit drin und mit dem Gaspedal steuerbar. Bei voller Last hat die Stabilitätskontrolle richtig zu tun und regelt sanft, aber bestimmend ein. Das gilt natürlich auch bei allzu dynamischen Drifts um die Ecke. Auf der Autobahn-Beschleunigungsspur dagegen kann man das rechte Pedal getrost mal niedertreten – dann feuert der Reihensechser los und zeigt den Elfern der Straße die Zähne. Auch die akustische Darbietung hat es in sich.
Satten Hörgenuss schafft der Turbo aber auch schon bei niedrigen Drehzahlen; von grollend bis kehlig trompetet er eine Vielzahl von Tönen in Abhängigkeit vom Gasfuß, so dass Außenstehende deutlich vernehmen können, wenn der zweitstärkste Z4 anrollt. Zu erkennen ist die potente Version übrigens an der Auspuffanlage mit jeweils einem Endrohr links und rechts. Ansonsten bewegt sich das drahtige Cabrio eher getarnt durch die Lande und wirkt nicht unbedingt nach solch extremer Performance. Schließlich kann der 35i es durchaus auch mit den Brüdern der M3-Fraktion aufnehmen. Mit dem optionalen Doppelkupplungsgetriebe geht alles sogar noch etwas rasanter als bei der Ausführung mit manueller Schaltung – dafür wechselt die Box ihre sieben Übersetzungen nicht ganz so sanft wie eine Wandlerautomatik, aber das gehört in diesem Fall zum sportlichen Flair. Und zu diesem passt auch die tiefe Sitzposition, die in Verbindung mit der betont langen Motorhaube noch mehr Eindruck hinterlässt. Okay, daran müssen sich Neulinge erst gewöhnen, aber danach wird der Z4 zum feinen Reisebegleiter selbst auf lange Strecken. Denn er verfügt über angenehme Stühle, die zwar auf den ersten Blick mit ihrer straffen Ausrichtung drohen, sich aber auf Dauer als durchaus kommode Sitzgelegenheiten erweisen.
Kommod ist im Grunde auch das gesamte Interieur, obwohl die Konstrukteure freilich keinen Zentimeter Platz verschwendet haben. Demnach kommt das typische Maßanzug-Gefühl auf, mit dem man aber gut leben kann: Es gibt ja auch keine Sitzlehnen, die den Knien in die Quere kommen könnten. Ebenso typisch die BMW-Funktionalitäten samt iDrive-Knopf der neuesten Generation mit Tasten für die wichtigsten Themen. Nach wie vor gilt: Alles läuft recht intuitiv, aber der Bedienumfang ist nicht gerade unkomplex. Dafür punkten die reduzierten Paneele mit perfekter Übersichtlichkeit, hier gibt es wirklich kein Knöpfchen zu viel. In die moderne Architektur mischt sich ferner ein Hauch von Retro, das beweist ein Blick auf die Klima-Steuerung. Und sonst? Saubere Materialverarbeitung untermauert den Premium-Anspruch der Marke; klassische Rundinstrumente unterstreichen dagegen die sportliche Kompetenz – der positive Nebeneffekt: Übersichtlicher kann man die Parameter Drehzahl und Geschwindigkeit kaum erfassen, zumal Z4-Kunden leider auf das praktische Headup-Display verzichten müssen. Dennoch bietet die Preisliste reichlich Spielraum für Individualisierungen, um die Budgets ordentlich zu beanspruchen.
So werden für den 306 PS-Boliden 47.750 Euro fällig, wobei die Serienausstattung keineswegs von schlechten Eltern ist: Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch verstell- wie beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, Bremsenergie-Rückgewinnung, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Lederpolster, Leichtmetallräder, Radio, Regensensor, Sitzheizung, vollautomatisches Verdeck, Xenonlicht sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sind stets anwesend. Das Doppelkupplungs-Automatikgetriebe steht mit 2.400 Euro Aufpreis in der Karte. Für 220 Euro gibt es einen automatisch abblendenden Innenspiegel; als besonders wichtig in diesem Segment dürfte das integrierte Navigationssystem gelten – ab 3.000 Euro wird man fündig. Parksensoren vorn und hinten belasten das Portemonnaie mit weiteren 780 Euro, während elektrisch verstellbare Sitze inklusive Memoryfunktion mit 1.250 Euro zu Buche schlagen. Sonderlackierungen bekommt der Interessent ab 400 Euro, und der Tempomat kostet moderate 330 Euro. Für Technikfreaks eignet sich das Innovationspaket – es enthält den Fernlichtassistent, adaptives Kurvenlicht sowie schlüsselloses Schließsystem (950 Euro). Auch adaptive Dämpfer sind zu haben – gegen 1.230 Euro Aufpreis und in Verbindung mit einer Tieferlegung um 10 Millimeter.
Fazit: Die Eigenschaften des Z4 kommen dem Roadster-Begriff schon nahe – und das selbst mit recht schwerem Metallverdeck. Der Zweitürer ist ein optischer und fahrerischer Genuss, vor allem mit dem 306 PS starken Turbo-Dreiliter. Lange Haube, kurzer Abschluss – so sieht knackiges Design aus. Dass das Cabrio nicht zu den ganz billigen Offerten gehört, ist verständlich.