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Fahrberichte & Tests
 
BMW X3 Front, Innenraum

X-TREME DRUCKVOLL

BMW nennt den kleineren Bruder des X5, den X3, nicht SUV für „Sports Utility Vehicle“, sondern SAV, das soviel heißt wie „Sports Activity Vehicle“. Er kommt nicht ganz so ausladend daher, aber bietet durchaus Qualitäten – vor allem das druckvoll agierende Diesel-Spitzenmodell. Welche, klärt der folgende Autotipp.

Softgeländewagen können ganz schön harte Burschen sein. Allerdings zählt der Asphalt zu ihren Haupteinsatzgebieten, das gilt hier mehr noch als für die wenigen, noch übrig gebliebenen Hardcore-4x4-Vertreter.
Das klassische SUV rangiert etwa auf dem Niveau der oberen Mittelklasse und eignet sich mithin schon ganz gut, um auf der Flaniermeile einen angemessenen Eindruck zu hinterlassen, schließlich handelt es sich um recht luxuriöse Gefährte. Der X3 geht zwar schon eher in Richtung Kompakt-Geländewagen, befindet sich aber durchaus noch am unteren Ende jenes Segments, zu dem auch der X5 gehört. Das gilt erst recht, seit BMW den Dreiliter-Commonrail-Diesel mit den hintereinandergeschalteten Turboladern aus dem Fünfer in den kleinen Allradler pflanzte.
Mit einem Leistungsplus von 14 PS gegenüber dem 535d setzt sich der sogenannte X3 3,0sd an die Spitze der Modellreihe und übertrumpft den stärksten X3 Benziner um ebenfalls 14 Pferdestärken. Allerdings wurde nicht nur der kräftige Selbstzünder einer Überarbeitung unterzogen; die sechsstufige Automatik von ZF erfuhr ebenfalls Feinschliff und wechselt die Übersetzungen nun noch schneller.

BMW X3 Heck, Rückleuchten
 
Das Doppelrohr mutet dezent an..
 

Das kann sie tun oder lassen, die Hauptrolle in diesem Szenario spielt das neue, Öl-schlürfende Herz unter der Haube sowie das Fahrwerk des renovierten München-Kindl. Ein Duo, das hartnäckige Vorurteile über die Undynamik von Geländewagen einfach wegsprengt; dieser BMW beschleunigt, als gebe es kein Morgen, brennt durch Kehren, erstürmt Steigungen, pustet potente Limousinen von der Bahn und begeht eine Schandtat nach der anderen. Vmax? Immerhin 240 Stundenkilometer. Der Standardsprint vollzieht sich laut Werk binnen 6,6 Sekunden.
Wirklich neu sind SUV mit solchen Werten ja nicht, aber sie hießen früher Porsche Cayenne S, Mercedes ML 55 AMG oder BMW X5 4,8is und waren einschlägige Kaliber mit viel Hubraum und Potenzial, den Tankstellenpächter um die Ecke glücklich zu machen. Nicht so der X3. Er ist der schüchterne Junge unter den Geländewagen, der es aber faustdick hinter den Ohren hat. Der ausgeprägte Bizeps verschwindet unter dem luftigen T-Shirt und tritt in Aktion, wenn typische Vertreter der „Tiefer-Breiter-Härter“-Fraktion den Kampf an der Ampel längst gewonnen glauben. Die werden sich wundern.

Und das Kleid des Müncheners ist wahrlich brav, hinten hockt ein unauffälliges Doppelrohr in der Aussparung der Schürze, wer möchte, kann die beiden, in Kombination bösen Buchstaben „sd“, die den BMW als Schriftzug flankieren, einfach weglassen – fertig.
Wie sieht es mit Kraxelhilfen aus? Genau hier steckt der Trumpf des X3: Keine Geländeuntersetzung, keine Gewichtsbilanz belastende Sperren. Um links und rechts unterschiedlich griffigen Straßensituationen Herr zu werden, greift ein erweitertes Stabilitätsprogramm mit entsprechenden Bremsmanövern ein. Für die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung. Zwar ist der kleine Gelände-BMW kein Schweres Geschütz abseits befestigter Straßen, aber höchsteffektiv dort, wo er meistens gebraucht wird – diesseits der Kiesgrube. Mit einem Leergewicht von 1.950 Kilogramm ist der X3 nämlich verhältnismäßig leicht; das erklärt die rasanten Fahrleistungen bei geringem Durst: Man kann das X3-Topmodell mit unter neun Litern Diesel pro einhundert km fahren, so viele Überraschungen, wer hätte denn das gedacht?

Bleibt der Aufenthaltsraum: Ist der X3 tatsächlich so klein, wie seine Nomenklatur vermuten lässt? Von wegen, hier fühlt man sich vorn wie hinten großzügig untergebracht; viel Beinfreiheit hinten, ein hohes Dach und gehörig Abstand zu den Seitenscheiben machen ihn zum gefragten, weil gepflegten Cruiser. Hinzu kommen straffe Sitzmöbel mit einer gewissen Grunddrahtigkeit, ohne den Spitzensportler herauszukehren.
Vorbildlich zeigt sich die Verarbeitungsqualität des Müncheners, alles wirkt wertig und robust. Auch grobe Unebenheiten vermögen die ebenfalls solide Karosserie nicht zu erschüttern – so ist man es von der Marke gewohnt.
Doch jetzt kommt eine weitere Überraschung: Wo ist der iDrive-Knopf? Es gibt schlichtweg keinen. Wie bitte, kein iDrive? Nein, jetzt ist Umdenken angesagt. Und siehe da: Das Navigationssystem ist auch nicht einfacher bedienbar, man braucht sogar länger, wenn man mit dem iDrive-System vertraut ist und die Menüs nun mittels konventioneller Knöpfchen anwählen muss. Jetzt dürfen Umsteiger von anderen BMW-Modellen mal klagen. Dafür sind die Tasten für den Senderspeicher ein Segen, und auch sonst sitzt alles am rechten Platz.

BMW X3 Kofferraum, Ladefläche
 
Der helle Teppich ist schmutzempfindlich..
 

Der Hersteller verlangt 51.600 Euro für den X3 3,0sd, ein stolzer Preis für jede Menge Auto. Serienmäßig sind ABS, sechs Airbags, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundrum, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radioanlage mit CD-Player, Regensensor, elektrisch verstellbare Sitze und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Dagegen kosten Navigationssysteme ab 1.764 Euro Mehrpreis; ebenfalls einen Aufpreis erfordern adaptives Kurvenlicht (441 Euro), Seitenairbags hinten (328 Euro), CD-Wechsler (420 Euro), Lederpolster (2.113 Euro), Metallic-Lackierung (790 Euro), Parksensor (718 Euro), Sitzheizung (369 Euro), Soundsystem (1.025 Euro) und Xenonlicht (933 Euro).
Zu den exotischeren Optionen gehören zweifelsohne das elektrische Panorama-Glasdach für 1.436 Euro. Entertainment-Freaks bekommen einen TV-Tuner (1.025 Euro), und wem das Lenkrad winters zu stark abkühlt, bestelle eine Heizung dafür (195 Euro). Noch mehr Luxus geht wahrlich kaum.

Fazit: Auch der kleinere BMW X3 ist ein ganz Großer, insbesondere mit dem starken Reihensechszylinder-Diesel an Bord. Sein Fahrverhalten erinnert mehr an einen stattlichen Kombi denn an einen Geländewagen; keine Spur von Behäbigkeit, stattdessen gibt es jede Menge Fahrspaß. Dafür steht die Marke BMW schließlich.

 



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