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Fahrberichte & Tests
 
Innenansicht BMW 7er

IM SIEBENTEN HIMMEL

Wenn eine neue Oberklasse auf den Markt kommt, wird es immer äußerst spannend, weil in diesem Umfeld technische Innovationen eine besondere Rolle spielen. Im Herbst ist es bei BMW so weit, den taufrischen Siebener in die Showräume zu holen – angesichts der gerade akuten Diskussion über CO2 und Spritverbrauch hochinteressant, schließlich schaut die ganze Welt, was die Motorenwerke tun, um dem Flaggschiff den Durst abzutrainieren. Neuheit.

Wer in diesen Wochen und Monaten über automobile Oberklasse spricht, muss mit Vorsicht an das Thema herangehen. Schließlich lauert die scharfe CO2-Polizei gerade überall; und selbst Kunden mit wenig Verständnis für den Spartrend sehen sich seit geraumer Zeit im Boot sitzen – wenn auch nicht ganz freiwillig. Denn die Spritpreisentwicklung verläuft derzeit alles andere als erfreulich, da ist man über jeden Zehntel Liter weniger Konsum froh. Die Bayern reagieren prompt mit dem Wegfall sämtlicher Sauger – Basisbenziner ist zunächst der 326 PS starke 740i mit dem bekannten, aufgeladenen und optimierten Dreiliter, der es in dieser Ausbaustufe auf unter zehn Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer im kombinierten Verbrauch bringt – das ist schon ein Wort. Auch die Fahrleistungen sprechen für sich: Unter sechs Sekunden sollen 100 Sachen erreicht werden, freilich sind 250 Stundenkilometer in der Spitze drin. Als völlig neuer Wurf dagegen gilt der ebenfalls drei Liter große Commonrail-Sechszylinder mit nunmehr 245 Pferdchen. Im Gegenzug fasziniert das Aggregat mit einem kombinierten Verbrauch von 7,2 Litern laut BMW. Den Standard-Sprint soll der 730d binnen 7,2 Sekunden absolvieren, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei sportlichen 245 km/h.

Heckansicht BMW 7er
 
Man zeigt auch beim 7er wieder Auspuff...
 

Wer die Eile und Prestige liebt, greift natürlich zum 750i, der weiterhin acht Töpfe unter der Haube trägt. Ebenso mit Aufladung bestückt bringt es der 4,4-Liter auf satte 407 PS und dürfte selbst dem bisherigen Topmodell 760i/Li in der Performance locker das Wasser reichen. Nur im Verbrauch gibt er sich genügsamer und soll mit runden elf Litern pro 100 Kilometer Strecke auskommen. Für den Spurt auf 100 Stundenkilometer nennt das Werk drastische 5,2 Sekunden, damit ist klar: Der künftige 750er wildert im Revier potenter Sportwagen. Sämtliche Modelle übertragen ihre Kraft übrigens per sechsstufiger Wandlerautomatik, deren Wählhebel jetzt zur Freude der BMW-Fans wieder auf der Mittelkonsole sitzt – er trägt das gleiche Layout wie jener der aktuellen Fünfer- und X5-Generation. Aber die Gestalter nahmen offensichtlich auch Geschichtsunterricht, denn die Rückleuchten des neuen Flaggschiffs zitieren den E32, die Siebener-Baureihe zwischen 1986 und 1994. Die dynamische Front dagegen zeigt, dass zwischen der jetzigen sowie der künftigen Oberklasse-Generation ein Verwandtschaftsverhältnis besteht. Freilich kommt der Neue mit geballter Technik daher.

Know How heißt in diesem Fall aber nicht nur ein Anwachsen der Tasten- oder Menü-Landschaft, sondern auch Leichtbau. Hohe Aluminium-Anteile halten das Gewicht trotz Größenwachstum und forciertem Technik-Einsatz unter 1,9 Tonnen in der Basis. Diese Maßnahmen helfen genauso Sprit zu sparen wie die konsequente Verwendung der "EfficientDynamics"-Palette – will heißen: Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen, und die Lichtmaschine verzichtet im Zugbetrieb darauf, Strom zu produzieren, was sich auf Dauer natürlich auswirkt. Und damit der Komfort nicht leidet, bekommen 740i und 750i luftgefederte Hinterachsen, ansonsten bleibt es bei Stahl. Durchgehend serienmäßig sind elektronisch regelbare Dämpfer, deren Kennlinien-Veränderungen auch die Schaltcharakteristik beeinflusst. Auf Wunsch gibt es auch einen aktiven Wankausgleich. Erstmals kommt eine variable Bremsanlage zum Einsatz – hier wird der Bremsdruck je nach Scheibentemperatur automatisch angepasst, um Fading zu vermeiden. Bei Nässe nimmt die Anlage in regelmäßigen Abständen leichte, unmerkliche Bremseingriffe vor, um die Scheiben trocken zu halten.

Innenansicht BMW 7er
 
Der Siebener-Fond ist ein Raumwunder...
 

Zum größten Highlight der Reihe dürfte jedoch die aufpreispflichtige Allradlenkung zählen, deren Elektronik den Lenkwinkel der Hinterräder je nach Geschwindigkeit steuert. Zwar ist die Technik im Grundsatz nicht unbedingt neu, aber dürfte den Siebener zur sportlichsten Luxuslimousine machen – ganz im Sinne von BMW. Hier wollen die Münchener offenbar wieder gutmachen, was sie mit der vorigen Generation sträflich vernachlässigt haben – die Topbaureihe war äußerst kommod, aber eben wenig sportlich. Verkauft wurde sie global gesehen dennoch hervorragend. Stattliches Auftreten jedenfalls gelingt auch dem kommenden Siebener ohne Probleme, und passend dazu soll ja auch noch – so wird kolportiert – ein entsprechendes, über 500 PS starkes V12-Triebwerk installiert werden. Das Dutzend Zylinder darf schließlich nicht fehlen – hier kann mit Spannung abgewartet werden. Jetzt schon bekannt hingegen ist, dass die Langversion 5,21 m misst und damit Gardemaß aufweist, ohne steif zu wirken. Die Platzverhältnisse müssten im Vergleich zum Vorgänger nochmals besser ausfallen, was für extrem hohen Langstrecken-Komfort spricht. Noch dieses Jahr sollen die ersten Kunden ihre Fahrzeuge erhalten – so schnell können sieben Jahre vergehen.

Fazit: Der neue Siebener wird eine wuchtige, aber dennoch dynamische Limousine mit geballter Technik und dem Potenzial zu sparen. Konsequente Turboaufladung, Leichtbau und "EfficientDynamics"-Maßnahmen machen die Oberklasse zum fahrenden Beweis dafür, dass Komfort und Leistung nicht zwingend zu Lasten der Umwelt gehen müssen.

 



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