CO2-Reduktion gegen Tradition: V12-Fans dürfen jetzt wieder BMW 760i (oder auch Li) bestellen. Und der kommt als wahrer Dampfhammer daher mit 544 Turbo-PS und voller Technik-Ausrüstung. Vorstellung.
as wäre der BMW 7er bloß ohne V12-Motor? Schließlich war der im Jahre 1987 auf das Kürzel E32 hörende Topliner (750i/iL) das erste hiesige Gefährt mit den magischen zwölf Töpfen am Start. Damals trat man mit fünf Litern und 300 Pferdchen an, um das exklusive Grüppchen – bestehend vor allem aus Jaguar und Ferrari – aufzumischen. Umso trauriger für Motorenfans, wenn das künftige BMW-Spitzenmodell mit einem Turbo-V8 aufgelaufen wäre. Angesichts der gerade stattfindenden Diskussion um CO2-Reduktion war dieser Gedanke wohl auch eine in Erwägung gezogene Option – so verlautete es jedenfalls zwischenzeitlich aus Insider-Kreisen. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr – der teuerste Oberklasse-Vertreter aus München steht vor der Türe, heißt 760Li/i und bietet nicht weniger als zwölf Zylinder in V-Form angeordnet. Mit 544 PS schüttelt der Sechsliter mehr Leistung aus der Kurbelwelle als der M5 und dürfte ähnlich druckvoll beschleunigen. Vor allem die beiden Turbolader sorgen dafür, dass schon ab 1.500 Umdrehungen satte 750 Nm anstehen – das sollte selbst eingefleischte Dieselfans überzeugen. Allzu oft dürfte der High-End-Siebener in Deutschland übrigens nicht bestellt werden, was dem Flottenausstoß dienlich ist.
Falls man doch mal ein Exemplar auf freier Wildbahn erwischen sollte, das keinen Modellschriftzug trägt – kein Problem: Einfach mal auf die Niere mit der breiteren Chromumrandung achten und vor allem auf die vierflutige Auspuffanlage, deren kantige Rohre prompt an die V12-Erstauflage erinnern. Aber sonst haben die beiden Ausführungen, zwischen denen rund 22 Jahre liegen, nicht mehr viel gemein. Das heutige Flaggschiff ist ein Technik-Kracher mit Wankausgleich, luftgefederter Hinterachse sowie mitlenkenden Hinterrädern (Sonderausstattung); mit diesem Rüstzeug liegt das Schiff wie ein Brett auf der Fahrbahn und durchläuft langgezogene Autobahnkurven mit hohem Tempo ohne auch nur den Hauch von Nervosität. Um das Drehzahl-Niveau zu senken, verwendet BMW in der Siebener-Spitze erstmals eine Wandlerautomatik mit acht Fahrstufen. Ansonsten gibt es eine Vielzahl bereits bekannter Assistenten vom Nachtsichtgerät über den Spurwechselassistenten bis hin zum Radartempomat, der automatisch bis zum Stillstand herunterbremst. Zum schönsten Extra beim 760er dürfte allerdings das Triebwerk zählen – es geht eben nichts über zwölf Zylinder.
Fazit: Endlich gibt es den Ende 2008 eingeführten Siebener auch mit zwölf Töpfen unter der Haube. Jetzt holen sich die Oberbayern zurück, was ihnen die Schwaben 2002 vor der Nase wegschnappten: Eine turboaufgeladene Spitzen-Oberklasse mit atemberaubenden Fahrleistungen und über 500 PS. Die Leistungskrone wandert nach München. Wie lange sie dort verweilen wird, bleibt nun abzuwarten.