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Fahrberichte & Tests
 
BMW 7er Front, Innenraum

Acht-Geflüster

Acht Zylinder, 330 PS und Dieselmotor. Das klingt so ganz und gar nicht nach Sparmaßnahmen, sondern vielmehr nach drei kaum zusammenpassenden Attributen: Der Selbstzünder scheint fehl am Platze. Doch ist er mitnichten. Mehr im folgenden Autotipp.

Diesel und Oberklasse? Aber natürlich, lange kein Thema mehr. Und da der durchschnittliche Kunde solch luxuriöser Automobile meist viel Zeit in seinem Vehikel verbringt und weite Strecken zurücklegt, kommt der Spareffekt gelegen. Denn auch die solvente Klientel dürfte nix dagegen haben, wenn der Kapitalverzehr langsamer vonstatten geht.
In Sachen Geräuschkomfort spielt der Diesel längst auf gleicher Augenhöhe mit noblen Benzinern, für die Leistung gilt das auch.
Ein Basis Diesel-Siebener rollt mir etwas über 200 PS ordentlich motorisiert durch die Lande und arbeitet angemessen leise. Perfekt für Außendienstler mit langer Berufserfahrung, hoher Jahreslaufleistung wie besserem Verdienst. Doch der 745d ist noch eine satte Klasse besser. Während das Grundmodell die Brot-und-Butter-Ausführung unter den Oberklassen ist, versprüht der große V8 den Charme des Besonderen. Ungleich milder geht das ebenso bullige Großkolben-Triebwerk an die Arbeit. Zart schnarrend setzt sich der mit 2,1 Tonnen schwergewichtige Bayer in Bewegung.

BMW 7er, Motor V8
 
Leises und starkes High-Tech-Triebwerk
 

Minimal verzögert, aber dann vollen Schubes rauscht die mit Technik und Platz gespickte Fuhre davon. Mit Nachdruck geht es zwar nach vorn, doch andererseits beschleunigt dieser BMW so unspektakulär, dass erhöhte Adrenalin-Werte ausbleiben. Von 0 bis 250 km/h ist quasi alles drin, und glatte zweihundert Stundenkilometer will man prompt als Standard-Reisegeschwindigkeit reservieren – wenn der Verkehr es nur zuließe. Tut er aber nicht. Nun denn, die gewaltigen Bremsscheiben selbst an der Hinterachse machen glauben und spüren, dass starke Verzögerungen das Dickschiff kaum aus der Ruhe bringen, da kann man schonmal beherzt aufs linke Pedal langen. Übrigens: Der mit Wankausgleich ausgerüstete Testwagen umrundet Kurven kaum aufgeregter. Dazu gesellt sich die mit hoher Servounterstützung gesegnete Lenkung, welche auch ihren guten Teil zur ausgeprägten Handlichkeit des großen Müncheners beiträgt.
Die obligatorische Sechsstufenautomatik schaltet flink und butterweich – Kickdown-Befehle werden spontan umgesetzt.

Und das Fahrwerk? Mit sanftem Nachschwung gleitet der Luxusliner über langwellige Straßenverwerfungen und pariert kurze Rillen etwas unbeholfener – auf hohem Niveau allerdings. Pneus im Format 245/50 18 lassen sanftes Abrollen zu, es muss nicht immer extremer Niederquerschnitt sein. Müssen es denn 18-Zöller sein? In diesem Fall schon, denn sie passen wunderbar in die mächtigen Radhäuser, kleinere Räder würden dem Siebener nicht stehen, sie verlören sich angesichts der mächtigen Flanken.
Optisch ist der Oberklasse-BMW zur Zeit ohnehin die kräftigste Erscheinung, die der Markt bietet. Dennoch mutet er höchst elegant an; die Front wirkt nach dem Facelift geradezu dynamisch, der Dank richtet sich an die neu gestalteten Scheinwerfer. Das Heck wurde im Rahmen der Überarbeitung ruhiger und glattflächiger.
Das Innenraumdesign blieb dagegen erhalten – hier gab es keinen Anlass zur Kritik. Das Skalenwerk gar verkörpert ein bisschen Retro – es ruft kurzerhand Reminiszenzen an das kantige Tacho-Element des ersten Siebeners (E23) wach.

Inzwischen hat sich aber viel getan: Die Insassen atmen das Oberklasse-Flair mit jedem Zug ein wie die Kinder den Backduft in der Vorweihnachtszeit.
Die Armaturen bauen sich massiv vor den Insassen auf, das Gestühl wirkt mächtig und fühlt sich auch so an. Man versinkt förmlich in den Polstern, hier lässt es sich ein paar gemütliche Stündchen aushalten.
Trotz vieler Funktionen wirkt der Instrumententräger keineswegs überfrachtet, dank iDrive. Obwohl das System manchmal etwas Zeit in Anspruch nimmt, ist es unterm Strich doch einfach und intuitiv bedienbar. Selbst Computer-Verweigerer dürften nach etwas Eingewöhnung ihre Freude daran finden. Wohl oder übel – die meisten Funktionen müssen schlicht über den Controller bedient werden.
Nicht so die elektrische Sitzverstellung: Mit seitlich an der Armlehne angebrachten Tasten lässt sich das Mobiliar in viele Richtungen justieren – da braucht es Zeit, bis die rechte Position gefunden ist. Mit solchen Problemen plagen sich die Fondpassagiere freilich nicht herum. Kopf- und Beinfreiheit sind in verschwenderischem Maß vorhanden, auch große Personen dürfen sich hier durchaus mal räkeln. Auf Wunsch allerdings lassen sich auch die Fondsitze mit elektrischer Verstellung ausrüsten – gegen 2.900 Aufpreis.

 
Schöner Rücken – der geliftete 7er
 

Und schon ist man bei der Preisfrage gelandet: Mindestens 81.300 Euro werden für das Flaggschiff fällig; dabei befinden sich viele, aber längst nicht alle Wohlstandsgimmicks an Bord. Selbstverständlichkeiten in der Oberklasse freilich sind rettende Luftsäcke vorn, für den Kopf und an der Seite sowie Antiblockiersystem und elektronisches Stabilitätsprogramm.
Zudem werden sämtliche Spiegel automatisch abgeblendet, die Fahrgastzelle ist klimatisiert und bietet elektrisch verrückbare Stühle mit Memory-Funktion. Die Lenksäule ist ebenso per E-Motor steuerbar wie alle vier Seitenfenster. Überdies vorhanden: Bordcomputer, Radio mit CD-Player, Heckdeckel mit Zuziehhilfe, Leichtmetallräder, Regensensor, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und Xenonlicht.
Dennoch ist die Luxus-Ausrüstung noch nicht ganz komplett. Es fehlen Leder (ab 2.620 Euro), Navigationssystem (2.450 Euro) und Sitzheizung (420 Euro). Wahre Highlights sind das Nachtsichtgerät (1.950 Euro), Radartempomat (1.800 Euro) und der dynamische Wankausgleich inklusive elektronisch gesteuerten Dämpfern.

Fazit: Der BMW 745d ist ein klassisch gezeichneter Oberklässler im XL-Format. Er bietet mithin ausladende Platzverhältnisse, zeichnet sich durch eine besonders leise Akustik aus und legt eine Agilität an den Tag, die manchen weit niedriger angesiedelten und damit leichteren Fahrzeugen abgeht. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Auch in der Dieselversion bleibt der Siebener gut verdienenden Kunden vorbehalten, wenngleich sein Durst verhaltener ausfällt als jener großer Benziner-Dickschiffe.

 



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