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Wie
sagte der alte Graf Goertz? Das Design eines Autos
müsse die Lust erwecken, es besitzen zu wollen
statt Diskussionen darüber zu entfachen,
ob man sich an sein Design gewöhnen könne.
Nun, beim Sechser ist ersterer Teil seiner Aussage
wohl kein Thema; zumindest muss man sich beim
Aussteigen aus dem nobel-sportlichen Coupé
keine Sorgen um gesellschaftliche Ächtung
machen, ganz im Gegenteil.
Dieser BMW wirkt wie ein durchtrainierter Athlet,
vorn bullig und die Heckpartie stylish. Der Kofferraumdeckel
als Plateau fügt sich wie ein markantes Stilelement
in das Gesamtkunstwerk ein. Natürlich polarisiert
auch diese Modellreihe wer ein schlichtes
Automobil erwerben möchte, ist mit dem Coupé
an der falschen Adresse. Denn wo der 650i auftaucht,
drehen sich Köpfe, zeigen Finger und fallen
Blicke, die meist Zustimmung signalisieren. Unauffälliges
Fortbewegen überlässt der Bayer seinen
profaneren Brüdern. Dabei basiert er auf
der Fünfer-Linie ganz im Gegensatz
zu seinem Vorgänger aus den Siebzigerjahren,
welcher auf dem 7er aufbaute.
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| Der
Sechser zieht Blicke auf sich... |
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Das tut ihm aber keinen
Abbruch. Er ist nicht weniger distinguiert als
der Siebener, auf völlig andere Weise eben.
Der Sportler-Bonus fährt stets mit: Man muss
nur dem Sound lauschen im Falle des V8
ist das ein tiefes wie gleichermaßen deutliches
Brabbeln, das in der modernen Autowelt selten
geworden ist. Nach innen gibt der Motor den kultiviert-säuselnden
Partner, der, wenn es sein muss, auch kräftig
an den Hinterrädern zerren kann.
Immerhin liegen bis zu 367 PS an, mit deren Hilfe
der 650er innerhalb von 5,4 Sekunden auf 100 km/h
beschleunigt und 250 Stundenkilometer rennt, bis
die Elektronik ihm den Hahn zudreht.
Per ZF-Sechsgangautomatik übertrug die Maschine
des Testwagens ihr Moment auf die Hinterachse.
Die Box wechselt Übersetzungen spontan und
schaltet manchmal entgegen der Fahrermeinung zu
früh herunter, so dass etwas Nervosität
aufkommt. Schließlich verfügt das Triebwerk
über ordentliche Reserven auch im Drehzahlkeller.
Dennoch ist der Achtzylinder trotz üppigen
Hubraums (4,8 Liter) ein Drehzahlmotor, der höheren
Touren nicht abgeneigt ist.
Dann wummert es vernehmlich unter der Haube, und
die Passagiere werden in die Sessel gepresst.
Schließlich kann der GT-Bolide nicht nur
cruisen was ihm aber gut zu Gesicht steht
, sondern auch mal dem einen oder anderen
Spitzensportler folgen.
Auch in der Kurve? Nun, das Coupé lenkt
sauber ein, der Volant liefert straffe Rückmeldung
und ist direkt in der Grundauslegung. Ein Fliegengewicht
ist dieser Münchener freilich nicht; dennoch
witscht er leichtfüßig durch Kehren,
zuckt bei übertriebener Fahrt kurz mit dem
Heck, das von der Stabilitätskontrolle flugs
wieder eingefangen wird.
Befinden sich die elektrischen Drehstabilisatoren
an Bord, neigt sich das Coupé kaum zur
Seite, was es zwar einfacher beherrschbar macht,
aber zur forcierten Gangart animiert. Aus diesem
Grunde verhindert das Fahrwerk seitliches Wanken
nicht völlig, so dass sich der Grenzbereich
immer noch früh genug ankündigt. Was
schwer nach Raubein klingt, ist in Wirklichkeit
halb so wild.
Denn der 6er kann auch federn, bügelt lange
Wellen gründlich aus, lässt aggressive
Holperstrecken zwar an die Insassen heran, doch
lediglich gefiltert. Ganz sanft kann es hier natürlich
kaum zugehen, schließlich möchte auch
die drahtig aufgelegte Klientel auf ihre Kosten
kommen.
Das Interieur zeigt sich aufgeräumt
kein Wunder, iDrive macht schließlich die
meisten Tasten überflüssig. Es ist das
alte Spiel, man wird nicht müde kundzutun,
was sich längst herumgesprochen hat: BMW-Neulinge
gewöhnen sich schnell an die weitgehend logische
Menüführung des gut in der Hand liegenden
Drehknopfes auf der Mittelkonsole, allerdings
brauchen manche Funktionen länger, bis sie
ausgeführt werden können. Beispielsweise
würde eine sofort erreichbare Zahlentastatur
zur direkten Senderspeicher-Anwahl nicht schaden.
Ansonsten bürgt die Stube für Wohlfühl-Stimmung.
Komfortable Sitze machen lange Strecken zum Spaziergang,
Platzmangel ist ein Fremdwort jedenfalls
vorn. Hinten einsteigende Mitfahrer sollten vorher
ein wachsames Auge auf den Streckenplan werfen,
denn das Coupé ist ein ausgeprägter
2+2-Sitzer.
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| Kraftpaket
mit Durst: Der V8 leistet 367 PS |
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Ebenfalls keine Überraschungen
birgt das Preiskapitel. Exklusive Automobile fordern
auch bei den Kosten ihren Tribut: So muss der
Kunde mindestens 79.299 Euro an seinen Händler
überweisen, um in den Genuss eines 650i Coupé
Automatik zu kommen.
ABS, sechs Airbags, Bordcomputer, elektrische
Fensterheber, elektronisches Stabilitätsprogramm,
Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder,
Radio mit CD-Player und RDS, Regensensor, elektrisch
beheiz- und verstellbare Sitze, Xenonlicht und
Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sind
hier Selbstverständlichkeiten. Extra kosten
Head-Up-Display (1.333 Euro), Nachtsichtgerät
(2.000 Euro), Navigationssystem (3.231 Euro),
Parksensor (800 Euro), Radartempomat (1.846 Euro),
schlüsselloses Schließsystem (1.077
Euro), Servoschließung (410 Euro) und Wankausgleich
(2.667 Euro).
Auch beim Spritkonsum verlangt der 650i nach einem
gut gefüllten Portemonnaie: Werte unter zehn
Liter SuperPlus pro 100 km Strecke sind nahezu
unerreichbar, bei zügiger Gangart sind 13
Liter realistisch.
Fazit: Der
BMW 650i gehört zu den Traumautos des Landes,
keine Frage. Mit dem Coupé kommt man schnell
und komfortabel vom Flecken; der Bolide bietet
hohe Fahrleistungen und viel Luxus, kostet aber
demnach eine ganze Stange Geld. Seiner Beliebtheit
jedenfalls tut das keinen Abbruch.
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