Das Diesel-Topmodell der BMW Dreier-Reihe 335d ist schön und gut, aber der 330d ist dem Doppelturbo dicht auf den Fersen und glänzt vor allem durch Schadstoffarmut. Er ist sogar schon für die strenge Euro-6-Hürde vorbereitet. Aber auch Fahrdynamik ist seine Spezialität. Mehr in der folgenden Abhandlung.
MW zeigt, dass sportliche Fahrleistungen und Umweltverträglichkeit durchaus zusammenpassen. Vor allem bei den Dieselaggregaten sind die Oberbayern unermüdlich auf der Jagd nach dem letzten Quäntchen Performance einerseits und extremer Verbrauchsreduktion andererseits. Dass der Spagat definitiv gelingt, zeigt nicht zuletzt das äußerst dynamische Modell 330d. Dieses erhielt vor nicht allzu langer Zeit nochmals einen Feinschliff, in dessen Zuge die Leistung auf satte 245 PS anstieg. Damit ist der zweitstärkste Selbstzünder-Dreier nicht mehr weit vom seinerzeit vielgelobten 335d entfernt. In den Fahrleistungen macht sich das bemerkbar – beide Versionen sind ab 250 Stundenkilometer abgeregelt, und den Standardsprint von 0 auf 100 km/h erledigt der 330d binnen 6,1 Sekunden (Automatik 6,2 Sekunden) – lediglich eine zehntel Sekunde schneller als der Spitzendiesel. Möge der 335d jenen Spaß bescheren, die Wert auf Prestige legen. Ach ja, und es soll ja auch im 21. Jahrhundert noch Menschen geben, die Übersetzungswechsel lieber selber durchführen als sie einem automatischen Getriebe zu überlassen. In diesem Fall ist der Singleturbo Pflichtprogramm, denn beim 35er ist Automatik obligatorisch.
Klarer Fall also, dass der Test-330d mit manueller Sechsgang-Box zeigt, was er draufhat. Die ist übrigens auch knackig; zwar ist eine kräftige Hand gefragt, die Gänge jedoch rasten säuberlich ein mit einem Klack. Aber halt – erst den Motor auskosten. Gestartet wird per Knopfdruck, daran können selbst Nostalgiker nichts ändern. Nach wenigen Anlasser-Umdrehungen startet der Dreiliter. Apropos Dreiliter: Der 330d gehört neben dem 320d zu den wenigen Ausführungen, deren Modellschriftzug auf den exakten Hubraum hinweist. Es gibt nämlich generell nur Zwei- und Dreiliter-Aggregate – das gilt auch für die Benzinvarianten. Weil der Testwagen inzwischen läuft, kann bestätigt werden, dass letztere sich in puncto Sound durchaus unterscheiden vom hier anwesenden Exemplar. Ungeschmeidig rotieren die sechs Kolben keineswegs, und das frühere Selbstzünder-Nageln wich einem dezenten Schnarren, selbst bei kalten Betriebsstoffen. Aber irgendwie hat dieser High-Tech-Diesel etwas Wildes, das man ihm schon bei Standgas im Leerlauf anmerkt. Man erahnt die 520 Nm – auf Befehl fallen sie gnadenlos über die Hinterachse her und versetzen die Traktionskontrolle in Alarmbereitschaft. Das Gemeine an der Sache: Schon bei 1.750 Touren liegt die maximale Zugkraft an.
Dennoch ist der Sechszylinder äußert drehfreudig und rennt vehement gen 4.000er-Marke. Danach ist allmählich Ende der Fahnenstange. Das kurze Band reicht jedoch, um die Mittelklasse druckvoll auf Tempo zu bringen. Nicht nur 100 Km/h erreicht sie in Windeseile, sogar 200 Sachen werden in größeren Verkehrslücken abgehandelt und somit zur Nebensache degradiert. Dabei bleibt der Dreier leise und gibt den perfekten Tourer. Jedoch müssen sich die Passagiere mit der straffen Fahrwerksnote anfreunden; serienmäßige 17-Zöller mit Niederquerschnittbereifung der 45er-Serie entschärfen die Marschrichtung ebenfalls nicht gerade. Dafür liebt dieser BMW kurvige Landstraßen, durchläuft Windungen wie auf Schienen. Um die Stabilitätskontrolle herauszufordern, muss schon richtig Tempo vorgelegt werden. Eine Servolenkung mit exakter Rückmeldung lehrt BMW-Neulinge, was Freude am Fahren eigentlich bedeutet. Auf der schnellen Piste glänzt der Hecktriebler durch unbeirrbaren Geradeauslauf bis in hohe Geschwindigkeitsbereiche hinein. Derweil verharrt der Kraftstoffkonsum auf Niedriglevel. Unter sieben Liter sind angesichts der Performance beachtlich, und um Richtgeschwindigkeit fließen gar unter sechs Liter Diesel durch die Commonrail-Anlage.
Möglich wird das durch tiefgreifende technische Maßnahmen wie zum Beispiel Bremsenergie-Rückgewinnung und ein intelligentes System zur bedarfsgerechten Steuerung der Nebenaggregate. Eine Schaltpunkt-Anzeige sowie Start-Stopp-Automatik helfen ebenfalls, wertvollen Treibstoff einzusparen. Letztere funktioniert tadellos, solange draußen milde Temperaturen herrschen. Extreme Hitze oder Kälte sorgt für die Deaktivierung. Und sonst? Das Auge blickt auf ordentlich verarbeitete Landschaften und auffällig knöpfchenarme Konsolen. BMW hat sich nicht vom iDrive-Controller abbringen lassen, stattdessen wurden die Menüstrukturen modifiziert und stetig verbessert. Wenn die Computerfachleute den Reaktionszeiten des Systems – bei der Zieleingabe ins Navi beispielsweise – jetzt noch Beine machten, wäre man schon einen gewaltigen Schritt weiter. Dafür sitzt es sich angenehm auf den straffen Sesseln, wenn nötig, gut und gerne auch ein paar Stunden. Der 330d taugt als Kilometerfresser – er macht nicht nur dem Fahrer Spaß. Denn das Raumangebot geht durchaus in Ordnung, wenngleich BMWs mittlere Baureihe traditionsgemäß die Karte mit dem exakten Maßanzug spielt. Wer seine Gäste im hinteren Abteil so richtig verwöhnen möchte, muss ein bis zwei Klassen höher einkaufen.
Ab 41.200 Euro gibt es den 330d. Mit dem Preis landen indessen einige Annehmlichkeiten sowie Sicherheitsfeatures im Warenkorb: Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, Dieselpartikelfilter, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaanlage, Leichtmetallräder, Multifunktionslenkrad, Radio mit CD-Spieler, elektronisches Stabilitätsprogramm mit intelligentem Bremssystem (schaltet auf Bremsbereitschaft und bremst die Scheiben bei Nässe trocken) sowie Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Die Aufpreisliste ist bei BMW bekanntermaßen ziemlich lang, zu den wichtigsten Positionen zählen wohl Navigationssystem (ab 2.300 Euro), Parksensor (ab 480 Euro) sowie Tempomat für 330 Euro und 1.290 Euro mit Radarfunktion. Zu den beliebten Optionen dürften ganz sicher Dinge wie automatisch abblendender Innenspiegel (180 Euro), Kurvenlicht (450 Euro), Regensensor (130 Euro) und Xenonlicht (970 Euro) gehören. Für 580 Euro werden auch die Außenspiegel abgeblendet. Zusätzliche 1.100 Euro muss berappen, wer durch ein elektrisches Glas-Schiebedach Richtung Himmel schauen möchte, und das schlüssellose Schließsystem kostet 670 Euro. Selbst oberklassetaugliche Extras sind zu haben: Die Lenkradheizung kostet 190 Euro.
Fazit: Der BMW 330d dürfte eines der schnellsten und gleichermaßen sparsamsten Fahrzeuge sein, die der Markt bietet. Diesel mit einer solchen Performance sind wahrlich dünn gesät. Dadurch wird der Mittelklässler zum angenehmen wie aufregenden Express-Tourer.