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Fahrberichte & Tests
 
BMW 3er Front
Auch nach sechs Jahren noch kein altes Eisen –
der 3er BMW
 
 

In der Mitte liegt die Pracht

Kritik an Bangle hin oder her: Das Segment, mit dem die Bayrischen Motorenwerke Geld verdienen, brummt. BMW's Mittelklasse – namentlich die 3er-Reihe, konnte sich im gerade vergangenen Jahr trotz fortgeschrittenen Alters als bestverkauftes Auto seiner Klasse behaupten. Mit 123.559 zugelassenen Fahrzeugen überholten die Münchner sogar die Volkswagen AG, die mit dem Passat an zweiter Stelle steht.

Die Gemüter haben sich beruhigt, alles wirkt halb so wild. Man scheint sich vom Designschock – ausgelöst durch Chefzeichner Chris Bangle – der letzten BMW-Neuerscheinungen erholt zu haben. Warum auch nicht, schließlich darf der Fünfer, dessen Abschluss im Vergleich zum Siebener-Heck moderater ausgefallen ist, als sauber gezeichnetes Objekt gelten; die neue Business-Limousine kommt im progressiv-dynamischen Stil daher, ohne Biedermann-Spuren, folglich auch ohne jene Tristesse der Neunzigerjahre. Die Zulassungszahlen belegen den richtigen Kurs: So näherte sich der junge 5er, den es noch lange nicht in allen Versionen geben wird (insbesondere der zur Zeit nicht verfügbare, aber äußerst gefragte Kombi hemmt eine Vielzahl potenzieller Käufer an einer Vertragsunterzeichnung) – im Dezember 2003 der verkaufstechnisch hervorragend gehenden E-Klasse.
Der Dreier hingegen ist konservativer und wird es – so kristallisiert sich heraus – auch in Zukunft bleiben; zu groß ist die Angst einer scharenweisen Kundenabwanderung. Die Zeiten zum Fahrer gerichteter Mittelkonsolen werden trotzdem vorübergehen, denn die neue innenarchitektonische Botschaft aus München lautet vor allem: Massiv, kühl und stylish. So ist's recht, doch auch die alte, fast schon klassische Lösung vermag immernoch Sympathiepunkte zu erhaschen.

Demnach macht das Cockpit, dessen Skalen sich bestens ablesen lassen, einen gut geordneten Eindruck und bereitet selbst im Hightech-Zeitalter keine Bedienprobleme. In Sachen Verarbeitung gehört der Mittelklasse-BMW zu den besten Produkten am Markt, er verweist sogar die dafür einst so berühmten Schwaben auf die Plätze. Davon zeugen hochwertige Materialoberflächen an Armaturen und Mittelkonsole; ferner dürfen selbst hellhörige Mitfahrer vergebens auf etwaige Knarrgeräusche lauschen – es gibt schlicht keine. Dieser BMW ist an Solidität schwer zu übertreffen, was sich auf Optik und Haptik gleichermaßen bezieht.
Das Raumgefühl erinnert an einen gut sitzenden Maßanzug – weder üppig noch eng also lässt es sich vorne sitzen. Knäpplicher geht es da schon im Fond zu, wenngleich auch dort sicher keine Platzangstsorgen aufkommen.
Richtig spannend aber wird es beim Antrieb. Zweieinhalb Liter Hubraum und 192 PS – das bietet ein 325i auf dem Papier – stellen ja schonmal beruhigende Werte dar, sind jedoch in der heutigen Modell-Landschaft nicht mehr außergewöhnlich. Zur Rarität wird der Mittelklässler erst durch seinen Reihensechszylinder. Im Benzinerbereich bieten das insgesamt nur noch drei Marken, und in der Mittelklasse dürfen lediglich noch BMW- und Lexusfahrer jene laufruhigen, weil – im Gegensatz zu den V6-Motoren – mit perfektem Massenausgleich gesegneten, aber platztechnisch eher sperrigen Triebwerke genießen.

So wird sich der 3er-Fahrer also kaum über Mangelnde Laufkultur beschweren: Frei von Vibrationen und leichtfüßig lässt sich der 2,5-Liter in die oberen Drehzahlregionen befördern. Dabei beweist das Aggregat Vielfältigkeit in seinen Lauten von unauffällig-surrend unter Teillast bis energisch – so es mal kräftig voran gehen soll.
Und der 325i marschiert gar nicht mal schlecht, wenngleich er sich nicht so anfühlt, als beschleunige er binnen 7,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Dieser tatsächlich reale Umstand ist das Ergebnis einer kurzen Gesamtauslegung; wer die kleine Limousine rennen sehen möchte, muss die Pleuels in Bewegung halten, unten herum kommt der Kurzhuber nicht ganz an die Souveränität volumenreicherer Maschinen heran. Aber dies ist kein abwertendes Merkmal, sondern vielmehr eine Frage des Charakters, und so kommt die erkleckliche Höchstgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern zu Stande, indem die letzten Drehzahlreserven nach Einlegen des fünften Gangs ausgenutzt werden. Übrigens gibt es beim Thema Getriebe erwartungsgemäß keine Enttäuschung. Die fünf möglichen Übersetzungen lassen sich – ganz nach Art des Hauses – knackig und präzise wechseln. Hier macht es Spaß, die Gänge zu sortieren, so dass der eine oder andere sportlich aufgelegte Fahrer gerne mal den Drehzahlmesser über die Skala gleiten lässt.

Gänzlich kompromissbereit zeigt sich das hauptsächlich komfortabel gehaltene Fahrwerk, welches dennoch zügige Umgangsformen unterstützt.
Im Bedarfsfall also darf der Hecktriebler ruhigen Gewissens auch mal flink über kurvige Landstrassen getrieben werden – hier wird der Slogan "Freude am Fahren" mit Inhalt gefüllt – zumindest, bis die serienmäßige Stabilitätskontrolle der Querbeschleunigung Einhalt gebietet.
Sicherheitstechnisch ist der 325i mit Front-, Seiten- und Kopfairbags längst im Heute angekommen. Für 320 Euro kann sogar der Fond mit Sidebags ausgerüstet werden. Über Antiblockiersystem und Traktionskontrolle diskutiert man freilich nicht mehr.
Darben müssen 3er-Interessenten generell nicht. Dafür stellt der Mittelklässler mit 31.500 Euro allerdings keine ganz billige Offerte dar. Im Preis enthalten sind wohlgemerkt elektrisch einstellbare und beheizte Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage, Leichtmetallräder und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Mehr Funktionsluxus muss naturgemäß bezahlt werden. Ganze 1.700 Euro beispielsweise kostet ein mittels Piktogrammen wegweisendes Navigationssystem, knapp 1.000 Euro mehr hat zu berappen, wer auf eine große Farbkarte blicken möchte.
Einen elektronischen – in diesem Fall äußerst präzise arbeitenden – Lotsen mögen Wenigfahrer oder Interessenten mit selten wechselnden Fahrzielen missen können, 350 Euro für das Basis-Radio auszugeben sei ihnen jedoch angeraten. Gegen 400 Euro gibt es Parksensoren hinten, während die Lederausstattung mit mindestens 1.740 Euro zu den teureren Extras gehört – Sitzheizung inklusive. Auf dem Wege der Sonderausstattungen lässt sich der Preis des 325i mühelos gen 45.000 Euro katapultieren – keinesfalls wenig Geld für ein Fahrzeug der Mittelklasse, das aber nicht vollausgestattet sein muss, um viel Freude zu bereiten.

Fazit: Der BMW 325i scheint mit der Zeit gereift, ohne dabei altmodisch zu wirken. Er mutet außen wie innen solide an, präsentiert sich sportlich-elegant und erfreut sich offensichtlich auch nach knapp sechs Jahren Bauzeit noch großer Beliebtheit – die Zulassungen zeigen es ja. Der mittlere Reihensechszylinder verwöhnt durch geschmeidigen Lauf; die Fahrleistungen sind nicht überschäumend, aber durchaus akzeptabel. Somit darf frischgebackenen Eignern der Münchener Mittelklasse nach wie vor gratuliert werden.

 

 

Oktober 2003



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