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Fahrberichte & Tests
 
BMW 1er 120d Front, Innenraum

EINS, SETZEN!

Die seit langem kleinste BMW-Neuerscheinung sorgt für viel Fahrspaß: Eine Kompaktklasse mit Frontmotor und Heckantrieb klingt in der Tat schon auf dem Papier attraktiv. Wenn das Triebwerk dann auch noch kraftvoll und gleichermaßen sparsam ist, beim 120d der Fall, liegt die Freude am Fahren nah. Autotipp.

Zunächst ist der bayrischen Automarke dafür zu gratulieren, dass sie einen bisher nicht verfügbaren Auto-Typus auf die Räder gestellt hat: Nämlich jenes eigenständige Kompaktmodell mit Frontmotor und Heckantrieb namens Einser. Zweitens muss klargestellt werden, dass BMW mit einem solchen Konzept entgegen der Meinung vieler Medien Neuland betreten hat. Schließlich waren die Ausgaben der legendären 02er-Serie nichts anderes als legitime Vorgänger der nachweislich bis heute existenten 3er-Reihe. Und die bis Mitte der Sechzigerjahre gebauten 700er gingen mit guten dreieinhalb Längenmetern schon damals als Kleinwagen durch. Allenfalls die Touringausgabe der Serie 02 würde man heute vielleicht als untere Mittelklasse bezeichnen; dieses deutlich verkürzte Schrägheck-Modell war allerdings lediglich ein Derivat, das die Ingenieure vom 02 ableiteten – analog zum verflossenen 3er-Kompakt –, nur so glücklos, dass man es kurzerhand wieder einstellte. So gesehen ist der modernste Baby-BMW keine Fortsetzung alter Traditionen. Doch genug des Geschichtsunterrichtes, schließlich handelt die folgende Abfassung vom aktuellen 120d.

BMW 1er 120d Heck, Rückleuchten
 
Konturierte Linien prägen den 1er
 

Und der trägt das altbekannte Common-Rail-Triebwerk in sich, mit dem auch die größeren Brüder 320d sowie 520d befeuert werden. Was das heißt, dürfte klar sein: Bei gleicher Leistung (163 PS) schleppt der Einser rund 100 respektive 200 Kilogramm weniger Gewicht mit sich herum als Dreier oder Fünfer. Tatsächlich bietet der kleine Diesel schon auf dem Papier appetitliche Beschleunigungswerte, nach denen der Kompakte nichtmal acht Sekunden für den Standard-Sprint von null auf 100 km/h benötigen soll.
In der Praxis macht das auf Knopfdruck erwachende Aggregat mächtig Spaß. Etwas rauer als in den aufwendiger gedämmten Familienmitgliedern grüßt der Vierzylinder seine Fahrerschaft bei der morgendlichen Begegnung nach kühler Nachtruhe. Doch die Tonart passt zur sportlichen Note des Einsteiger-BMW. Ab Erreichen der Betriebstemperatur zeigt sich der Selbstzünder allerdings kultiviert und brav. Das gilt freilich nur für die Akustik; in dynamischer Hinsicht hat er es faustdick hinter den Ohren und treibt den Viertürer nach Überwindung einer leichten Anfahrschwäche mit Nachdruck voran.

Dabei spielt das exakte, mit metallischem Klacken einrastende Sechsganggetriebe mehr als eine Nebenrolle im Theater spritziger Fahrkunst. Dessen fleißige Bedienung gestaltet sich ähnlich spaßig wie den Hecktriebler durch ländliche Kurven flutschen zu lassen. Darin ist er besonders gut: Mit tänzelndem Hinterteil und direkter Lenkung nimmt er die Biegung zur Not auch quer; geübte Fahrer richten kleine Kursabweichungen mit dem Gaspedal, wenig erfahrenen hilft die Stabilitätskontrolle. Trotz strammen Fahrwerks rollt die untere Mittelklasse hinreichend komfortabel ab, wobei kurzwellige Verwerfungen den Bayern eher aus der Ruhe bringen als seichte Autobahnwellen.
Die Fahrgastzelle sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug – vorn geht es indessen luftiger zu als im engeren Fond, welcher dennoch ein gemütliches Plätzchen zumindest für zwei Passagiere darstellt. Für die Knie steht genügend Raum zur Verfügung, während insbesondere Fahrgäste mit langem Oberkörper schonmal Kontakt mit dem Dachhimmel aufnehmen könnten.

Dafür entschädigt das ordentlich konturierte Gestühl mit straffer Polsterung. Wer dort sitzt, blickt auf ein klar strukturiertes Cockpit à la Dreier. Heißt: Übersichtliche Rundskalen mit deutlicher Schrift geben Auskunft über Drehzahl und Tempo. Die Heizungsregelung liegt gut erreichbar auf der Mittelkonsole, und den iDrive-Knopf kennt der 1er-Interessent ja bereits aus den anderen Baureihen. Insofern kommt man mit dem schicken Cockpit gut zurecht. Obendrein zeigt sich das Interieur ordentlich verarbeitet, ganz so, wie man es bei BMW erwartet.
Übrigens besitzt der Einser trotz Life-Style-Ausrichtung durchaus praktische Züge. So fasst der Kofferraum in der Grundkonfiguration immerhin 330 Liter – damit liegt er auf Augenhöhe seiner Wettbewerber. Bei Nutzung der geteilt umklappbaren Rücksitzbank, dürfen gar satte 1.150 Liter Gepäck mit an Bord. Üppige 500 kg Zuladung sorgen dafür, dass jenes Potenzial auch ausgenutzt werden kann, wobei solche Situationen im realen Einser-Leben zur Ausnahme gehören dürften.

BMW 1er 120dBMW 1er 120d Motorraum, Motor
 
Viel Power verspricht der Zweiliter
 

Die Anschaffung der Premium Kompaktklasse ist aber nicht ganz billig: Der stärkste Diesel schlägt mit 25.200 Euro zu Buche, bietet abgesehen von der höchst attraktiven Antriebsquelle jedoch eine reichhaltige Serienausstattung. Neben den Sicherheitsfeatures wie Antiblockiersystem, Front-, Seiten- und Kopfairbags (vorn und hinten) sowie ein elektronisches Stabilitätsprogramm gibt es elektrisch verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum sowie eine fernbedienbare Zentralverriegelung.
Allerdings ist die Aufpreisliste auch nicht gerade jungfräulich. Zu den Pflichtpositionen gehören wohl Klimaanlage (950 Euro) und Radio (ab 400 Euro). Vielfahrer sollten nicht auf das Navigationssystem (ab 2.400 Euro) oder den Tempomaten (250 Euro) verzichten.
Nach Höherem strebende Kunden sollten mit Lederpolstern (ab 1.820), elektrisch verstellbaren Sitzen (1.250 Euro) und Sitzheizung (320 Euro) zufriedenzustellen sein, und für Technik-Fans gibt es Kurvenlicht (400 Euro), Parksensor vorn wie hinten (700 Euro), schlüsselloses Schließsystem (600 Euro) und Bi-Xenonlicht (790 Euro). Selbstverständlich bietet das Werk gegen 580 Euro Aufpreis auch einen Diesel-Partikelfilter.

Fazit: Der BMW 120d ist eine attraktive Premium-Kompaktklasse im ausgefallenen Design und mit dynamischen Fahreigenschaften. Ohne Probleme lässt sich der kleinste Münchener auch auf der Langstrecke einsetzen, was ihn als gelungenen Allrounder ausweist. Keinesfalls niedrig sind die Preise für Anschaffung wie Sonderausstattungen, aber sowohl Gegenwert als auch der geringe Wertverlust rechtfertigen die Kurse.

 



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