Der Audi TT hat fraglos das gewisse Etwas – dank schickem Kleid erobert er die Herzen vieler Autofans. Wenn sich zur Optik auch noch ein kräftiger Sechszylinder mit aufregendem Sound gesellt, kommt wohl eine attraktive Mischung heraus.
uch der gemeine Mainstream-Autofan möchte mal ein bisschen Abwechslung. Und wenn diesem die Exoten-Abteilung so gar nicht behagt, darf er gerne bei Audi angemessen einkaufen. TT Roadster gefällig? Die Fuhre kommt im schnittigen Designer-Outfit daher, zieht gehörig Blicke auf sich und vermittelt das wohlige Gefühl, trotz konventioneller Automobilität nicht ganz so standardisiert unterwegs zu sein. Der richtige Motor untermauert diesen Eindruck nachhaltig. Klar, die zwei Liter großen Turbos sind schon nicht von schlechten Eltern, und neuerdings darf auch der werte Kollege Diesel ran, wenn es darum geht, die TT-Reihe zu mobilisieren. Aber das wahre Benziner-Herz schlägt freilich für sechs Töpfe und kommt demnach nicht um den bewährten 3,2-Liter herum.
Keine schlechte Wahl, das Triebwerk ist inzwischen richtig kräftig, wurde im Laufe der Jahre stetig modernisiert und ist an Kultiviertheit schwerlich zu übertreffen. Das kluge Konzept des schmalen Zylinderwinkels von nur 15 Grad macht sich bezahlt – so kommt der Vierventiler auch mit engen Räumen problemlos zurecht. Kompakt wie das kleine Cabrio selbst kauert er unter der Haube und posaunt auf Wunsch aus den beiden Endrohren, die zugleich als Erkennungsmerkmal herhalten.
Aber der Kenner vertraut seinen Ohren. Kurzes Hinhören nach dem Schlüsseldreh: Der Sechser verfällt in einen stabilen Leerlauf und grummelt in leicht unregelmäßigem Muster sonor vor sich hin. Den richtig sportlichen Auftritt hat er erst ab mittleren Drehzahlen, aber selbst dann verliert er die Contenance nicht und bleibt zivilisiert. Will heißen: Mechanische Vibrationsarmut ist bis zur Höchstdrehzahl gewährt, während er nach außen heiser tönend zu verstehen gibt, dass hier ein Sportwagen im Anmarsch ist. Und ein wenig so fühlt sich der kleine Audi auch an, der in Verbindung mit dem hubraumgrößten Triebwerk serienmäßig über Allradantrieb verfügt. Typisch für ordentlich dimensionierte Saugmotoren tritt der V6 schon aus dem Drehzahlkeller füllig an, um dann flink nach oben herauszudrehen. Keine Spur von etwaiger Schwerfälligkeit – da passt die manuelle Sechsgang-Schaltung mit knackiger Führung gut, das Doppelkupplungsgetriebe gibt es gegen Aufpreis (2.150 Euro). Allerdings kommt der Ingolstädter schaltfaulen Menschen auch ohne Automat entgegen, er kann die große Runde auch locker mal im Sechsten dahinschippern, nur für giftige Zwischensprints ist die Box dann doch zu bemühen, schließlich muss die Kurbelwelle dazu fleißig rotieren.
Kurzer Überraschungsmoment beim Fahrwerk: Wer besonders harte Dämpfer erwartet, liegt falsch. Zwar rollt der Roadster stramm über Wellen, lässt seine Insassen aber weitgehend in Ruhe. Dafür freundet er sich schnell mit Windungen an, lädt zwischen Alltagsstress und Abendessen mal eben auf ein Ründchen Landstraße ein – der TT fühlt sich offensichtlich auch außerhalb urbaner Gegenden wohl. Auf der Flaniermeile darf man dann getrost mal die Hülle fallen lassen, was ganz fix per Knopfdruck geht. Es gibt nämlich keinen Deckel für den Verdeck-Kasten, diesen bildet stattdessen die Stoffkapuze selbst – binnen beachtlicher zwölf Sekunden wird aus dem luftigen Audi wieder ein wasserdichter Flitzer. Die Zimmerlautstärke liegt indessen über jener der Coupés; unterhalten kann man sich aber auch jenseits der 120 km/h problemlos, schließlich sitzt man nicht weit voneinander entfernt. Dennoch kann von ausgeprägter Enge keine Rede sein, der TT sitzt wie angegossen, und das Aus- wie Einsteigen funktioniert auch ohne große Akrobatik. Kommode, mit sportlichem Hauch versehene Sessel bereiten sogar auf langen Reisen keine Malaisen, und der 250 Liter fassende Gepäckraum entpuppt sich in der Praxis als erstaunlich groß – das Volumen bleibt übrigens auch bei offener Fahrt erhalten.
Und wenn das Wetter schonmal mitspielt, sollte die Gunst der Stunde genutzt werden, zumal der TT trotz seines offiziellen Roadster-Daseins recht gütig zu seinen Insassen ist. Derartige Wirbelstürme – wie ihn vorwiegend britische Oben-Ohne-Künstler der Siebzigerjahre schon in der geschlossenen Ortschaft erzeugten, treten in der Audi-Wohnstube lediglich im Falle hoher Autobahntempi auf. Das kleine Windschott kann also getrost in der Versenkung verbleiben. Allzu zarte Naturen können es einfach per Knopfdruck herausfahren. In einer ruhigen Minute mit leichter Sommerbriese lässt sich dann der kühl-durchgestylte Innenraum begutachten und feststellen, dass trotz natürlicher Raumknappheit alles am rechten Fleck sitzt. Selbst auf die MMI-Steuerung müssen TT-Fahrer keineswegs verzichten – der TFT-Bildschirm samt zugehöriger Menütasten sitzen in der Mittelkonsole mit etwas veränderter Anordnung der Schalter. Letztere klicken und rasten ebenso fein wie bei den übrigen Modellen, was für gleichbleibende Verarbeitungsqualität spricht, da macht das kleine Cabrio freilich keine Ausnahme. Ab 43.800 ist der offene Sechszylinder-TT zu haben – eine ordentliche Stange Geld zwar, aber die Serienausstattung fällt dafür reichlich aus.
Antiblockiersystem, Front- und Seiten-/Thorax-Airbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektronische Differenzialsperre, elektrische Fensterheber, Klimatisierungsautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Alcantara-Polster, Radio mit CD-Spieler, Sitzheizung, elektronisches Stabilitätsprogramm, vollelektrische Verdeckbetätigung, Xenonlicht und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung zählen zu den Selbstverständlichkeiten. Die lange Aufpreisliste gehört schon fast zur Markentradition und hält viele interessante Dinge bereit, die das Autofahrer-Leben komfortabler und sicherer machen. Neu in diesem Segment ist das anpassungsfähige Dämpfersystem "Magnetic Ride" (1.230 Euro), mit dessen Hilfe sich das Fahrwerk nicht nur per Knopfdruck in der Härte verstellen lässt; es reagiert überdies in Windeseile auf jegliche Fahrbahnverhältnisse – ohne Zutun des Fahrers. Ansonsten liest sich das Programm klassisch und beinhaltet nicht zuletzt: CD-Wechsler (380 Euro), einen automatisch abblendenden Innenspiegel (245 Euro), dynamisches Kurvenlicht (350 Euro), Lederpolster (410 Euro), Navigationssystem (ab 1.075 Euro), Parksensor (390 Euro), elektrisch verstellbare Sitze (945 Euro), Sonderlacke (615 Euro) sowie das Bose-Soundsystem für 605 Euro.
Fazit: Der Audi TT Roadster 3,2 Quattro bedient die Lifestyle-orientierte Klientel und verwöhnt nicht nur mit netter Optik und vielen Design-Spielereien, sondern auch mit einer guten Portion frischen Luft und vor allem Antriebskomfort. Man kann das kleine Cabrio ohne Probleme für die lange Strecke einsetzen, es ist überaus alltagsfreundlich. Die Mitnahmequalitäten können sich zeigen – da ist die Fahrt in den Urlaub mit zwei Personen gesichert.