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Fahrberichte & Tests
 
Audi A8 Front
Elegante Erscheinung – der A8
 
 

In Acht genommen

Der Weg zur automobilen Oberklasse war steinig für Audi. Vor über zwei Jahrzehnten begannen erste zarte Versuche mit dem einstigen Flaggschiff 200, das nichtmal ein halbes Dutzend Töpfe bot; dann debütierte 1988 das erste ernstzunehmende Topmodell V8 – noch auf Basis des Audi 100, und schließlich sollte es weitere sechs Jahre dauern, bis man der Konkurrenz mit dem A8 ein gleichwertiges Modell entgegensetzen konnte. Die zweite Generation freilich geriet noch perfekter und dokumentiert mit feinsten Details wie Luftfederung, Sechsgangautomatik und elektrischer Parkbremse den Stand der Dinge.

Wie haben die Zeiten sich verändert. Die spuren der einstigen Hierarchie, die Mercedes den ersten, BMW den zweiten und Audi den dritten Platz auswies, sind weitgehend verwischt. Die jüngst durchgeführte Leserwahl in der Fachzeitschrift "Auto Motor und Sport" hat es einmal mehr gezeigt: Eine Mehrheit der Autofahrer würde zum A8 greifen, wenn es um die Luxusklasse geht, was freilich nicht bedeutet, dass eben diese Klientel in der Lage ist, entsprechende Limousinen zu kaufen, aber bekanntermaßen wird Image ja nicht nur von den Wohlhabenden der Republik gebildet und wahrgenommen.
Ihr Image ihrerseits erhält die Oberklasse durch Qualität und Leistungsfähigkeit der Produkte, und hier haben die Ingolstädter wahrlich zugelegt. Schon der Vorgänger des aktuellen A8 glänzte seinerzeit durch eine prägende Innovation: Jene damals völlig neue Space-Frame-Karosserie aus Aluminium machte den Luxusliner zum leichtesten Fahrzeug seiner Klasse. Dazu gesellte sich permanenter Allrad, welcher den potenteren Ausführungen auch bei forcierter Fahrweise zu ordentlichem Gripp verhalf.

Anno 2004. Alu und Vierradantrieb sind geblieben, die Konkurrenz hat indes nachgelegt. Jaguar führte den Leichtbau ein, während Mercedes seine jetzt auf Wunsch auch allradangetriebene S-Klasse 4matic nennt, doch die Kombination aus beidem bleibt allein den Produkten aus dem Hause Audi vorbehalten.
Da steht der aktuelle A8 nun: Mit 5,05 Längenmeter wuchs er in der Vertikalen nur marginal. Das Bild von der schlichten, geradezu zeitlos-eleganten Limousine wurde weiterentwickelt. Alles ist jetzt noch harmonischer und gefälliger. Geblieben ist: Der Eigner des Audi-Topmodells fährt nach wie vor unauffällig vor; keine Spur von Protz und Prunk, stattdessen optisch gemäßigter Automobilbau. Seine ausladende Größe merkt man dem A8 auf den ersten Blick nicht an, bei flüchtigem Hinsehen sind Verwechslungen mit dem ähnlich gehaltenen A4 nicht ausgeschlossen.
Innen herrschen moderne Zeiten. Zusammen mit der letzten Modellreihe ging auch eine neue Interieur-Generation an den Start. Diese zeichnet sich durch hervorragende ergonomische Auslegung aus. Demnach liegt das Mittelkonsolen-Element sozusagen im Raum und steigt leicht an in Richtung Armaturenbrett; hier reckt sich niemand nach Schaltern. Der Farbmonitor für Bordcomputer und Navigation hockt zwischen den mittleren Belüftungsdüsen und verschwindet bei Nichtgebrauch säuberlich in seinem Gehäuse.

Audi A8 Innenraum
 
Nobles Interieur – hier
reist man gern
 

Platzprobleme sind dem größten Audi naturgemäß fremd. Selbst hinten bietet die in Europa wesentlich häufiger anzutreffende Kurzversion genügend Beinfreiheit, um lange Reisen bequem abspulen zu können. Vorn spendet auf Wunsch – wie schon beim Vorgänger – eine doppelte Armlehne großzügige Auflagefläche für die Extremitäten beider Insassen.
Ordentlich dimensioniertes wie gut konturiertes Gestühl sorgt für angemessenen Sitzkomfort und beugt Ermüdungen auf der Langstrecke vor. Beide Sessel lassen sich per Elektromotor vielwegig einstellen, so dass Personen jeder Statur ihre rechte Position finden mögen.
Das Thema Qualität bedarf keiner besonderen Worte – hier entspricht der A8 dem allgemeinen Niveau der Marke. Obwohl es sich beim Testwagen um ein frühes Baumauster handelte, gab es keinen Anlass für Beanstandungen.
Sportlich angehauchte Rundinstrumente geben optisch unmissverständlich Aufschluss über wichtige Daten wie Geschwindigkeit, Drehzahl und Wassertemperatur. Angesichts üppiger Ausstattung erweist sich die Bedienung als recht komplex; viele Funktionen werden über die in der Mitte platzierten Drehknopf-Einheit – im Audi-Jargon MMI (Multi Media Interface)-Bedienkonzept genannt – angesteuert.

Dies gelingt nach kurzer Eingewöhnung zwar ohne großen Lernaufwand, ist aber manchmal ein wenig umständlich. Ebenfalls kompliziert: Um die mehrstufige Sitzheizung zu aktivieren, müssen die Temperaturregler der Klimaautomatik bemüht werden – was optisch zwar hübsch auf dem Display dargestellt wird, aber bei häufiger Benutzung nervt.
Eine Qual ganz anderer Art erzeugt die Auswahl der Aggregate: Mittlerweile stehen sechs verschiedene Motoren zur Wahl – zwei Diesel und vier Benziner. In diesem Fall tut der kleinere und seltenere Achtzylinder mit 3,7 Litern Hubraum seinen Dienst. Volumenmodell ist das immerhin 74.400 Euro teure Modell mit 4,2 Litern; die schwächere Variante kostet 68.200 Euro. Absolut gesehen lässt sich mit dem A8 3,7 ordentlich Geld sparen – in der Leasingrate schrumpft der Unterschied zwischen beiden Ausführungen zwar zur Marginalie, dennoch ist der hierarchisch niedrigere der ökonomischere Kandidat, der eben weniger verbraucht, in der Vollkasko etwas günstiger ist und auch eine geringere Steuerlast zur Folge hat.
Keine spürbaren Nachteile für den 280 PS starken 3,7-Liter dafür ergeben sich im Bereich Dynamik. So beschleunigen beide Achtzylinder souverän aus dem Stand heraus und rennen auf Wunsch 250 km/h, schneller aufgrund der Abregelung aber nicht.

In beiden Fällen übernimmt eine sanft schaltende Sechsstufenautomatik die Gangwechsel, welche ihre Schaltarbeit am jeweiligen Fahrstil ausrichtet. Und weil man A8-Fahrern sportliche Gangart unterstellt, spricht die Luftfederung trotz verschiedener Dämpfungsmodi – darunter auch eine Komfort-Stufe – stets etwas hölzern auf kurze Querfugen an. Lange Wellen pariert das Flaggschiff dagegen sauber. Letztlich ist die Abstimmung jedoch persönliche Geschmacksache und – speziell in diesem Fall – nicht pauschal mit Schulnoten bewertbar; die Nummer als Chauffeur-Wagen will man dem A8 nicht so recht abnehmen, er taugt eher als fahraktive, sportliche Limousine und hat die Münchener Autobauer in dieser Rolle längst abgelöst – was durchaus seinen Reiz hat und den Geschmack vieler Automobilisten trifft.
Zur akustischen Untermalung jenes Charakters passt denn auch der sanft murmelnde, allerdings seidenweich laufende V8. In der Teillast kaum wahrnehmbar, entwickelt er – dreht man ihn aus – kernige Frequenzen, die keinesfalls stören, sondern perfekt in das Bild dezenter Sportlichkeit passen. Und wer mit verhaltenem Gasfuß unterwegs ist, wird an der Tankstelle keine unangenehme Überraschung erleben. Den Spritkonsum bei Zwölf Litern auf einhundert Kilometern zu halten, ist ohne Frage realistisch.

Audi A8 Heck, Rückleuchten
 
Der A8 misst fünf
Längenmeter
 

Ein Schnäppchen ist der bayrische Luxusliner sicher nicht, dafür bietet er bereits frei Haus alles, was für Normalsterbliche gut und und teuer ist, offeriert aber dennoch eine stattliche Auswahl an Extrawünschen.
Zum Standard gehört schließlich ein überkomplettes Sicherheitsprogramm inklusive Frontairbags, Seiten- wie Kopfairbags vorn und hinten, Antiblockiersystem, elektronischem Stabilitätsprogramm, automatisch abblendendem Innenspiegel und elektrischer Parkbremse. Komfortabel wird es durch elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaautomatik, elektrisch einstellbare Lenksäule, Luftfederung, Radioanlage mit CD-Player und RDS, elektrisch verstellbare Vordersitze, Tempomat sowie fernbedienbare Zentralverriegelung. Natürlich fehlen auch Bordcomputer und Leichtmetallräder nicht.
Doch gerade in dieser Kategorie ist der Wunsch nach Individualisierung groß: Lederpolster, Navigationssystem, Radartempomat, schlüsselloses Schließsystem sowie Xenonlicht gehören hier inzwischen zum guten Ton und erhöhen den Grundpreis locker noch einmal um den Wert eines Kleinwagen.

Fazit:
Der Audi A8 gehört schon seit Bestehen zu den sportlichsten Limousinen seiner Liga – diesen Anspruch erfüllt sein Nachfolger keinen Deut schlechter. Trotzdem verwöhnt er mit hohem Fahrkomfort und flüsterleisem Motor. In Sachen Technik hat die aktuelle Ausführung den Anschluss zur Konkurrenz nun wiedergefunden.
Die Fahrleistungen des kleineren 3,7 mit immerhin 280 PS stehen denen seines 335 PS starken und hubraumgrößeren Bruders kaum nach. Bei Qualität und Verarbeitung zählt der Ingolstädter zur Spitze – ganz, wie man es von Audi gewöhnt ist.

 

November 2003

 



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