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Fahrberichte & Tests
 
Audi A4 Cabrio Front
Zurückhaltend-elegant: Audi A4 Cabrio
 
 

Für alles offen

Audi kann zufrieden sein, denn die Mittelklasse namens A4 verkauft sich gut - auch als offene Version. So gelangen noch im laufenden Jahr gut 8.000 Exemplare des alltagstauglichen Cabrios unters Volk. Das muss einen Grund haben - hier ein Versuch der Klärung.

Am Wetter allein kann es wohl nicht liegen - nein, die Deutschen müssen Cabrio-Freaks sein. Auch wenn unsere Sommer immer heißer auszufallen scheinen, sind es doch so viele Sonnentage nicht, für die sich ein Cabriolet lohnen würde. Macht nichts, es braucht weder Sonne noch 25 Grad Celsius, um oben ohne durch die Stadt zu cruisen. Denn hier gilt ganz offensichtlich der Leitgedanke: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
Gut, Nässe sollte es nicht sein, das würde dem Interieur des Autos schaden, aber bei den Temperaturen sollte man nicht so zimperlich sein, hier helfen entweder Heizung oder Daunenjacke.
Doch worin besteht der Reiz des Offenfahrens? Oder geht es überhaupt darum? Cabrios bestechen natürlich auch durch ihre Klassenlosigkeit. Ganz unabhängig davon, was sie kosten, schwingt ein gewisser Luxus mit. Es ist der Luxus, ein Freizeitauto zu besitzen; jene Fahrzeuge, die man nicht braucht oder die man nicht brauchen kann, weil sie allenfalls als Zweitwagen in Frage kämen, was aber wiederum nicht in das Muster jeden Geldbeutels passt.

Audi A4 Cabrio Heck, Rückleuchten
 
Schnörkellos auch von
hinten
 

Da ist es völlig egal, dass es sich beim A4 rein formal um eine Mittelklasse handelt - er zählt zwar zur vergleichsweise nüchternen Sorte, doch den Charme des Besonderen versprüht er nicht minder und avanciert so zur klassenlosen Lifestyle-Karosse der zurückhaltenden Art. Zurückhaltend deshalb, weil er das Strassenbild nicht durcheinanderwirbelt. Er gehört einfach dazu und fällt nicht auf, lediglich der Besitzer selbst fällt auf - sofern er vorfährt.
Und was fällt dem Besitzer auf? Nun, da wäre die Verwandtschaft zur Limousine, was grundsätzlich kein Problem darstellt.
Demnach präsentiert sich das Cockpit in bester Verarbeitung mit allem, was dazugehört. Namentlich sind dies exakte Spaltmaße, solide Materialien, klapperfreie Armaturen sowie nicht zuletzt eine - beim Cabrio nicht gerade unerheblich - hinreichend verwindungssteife Karosserie.Das Raumgefühl ist ein altes bekanntes: Platz im Überfluss ist nicht vorhanden, aber es lässt sich bequem sitzen - ganz so, als sei die Fahrgastzelle für den Fahrer höchstpersönlich - auf den Zentimeter genau -angefertigt worden. Im Fond gilt Ähnliches; zwar gehts hier insgesamt etwas knapper zu, doch der Mittelklasse-Audi verdient das Prädikat des vollwertigen Viersitzers.

Prüfend fällt der Blick auf das Instrumentarium - jedoch gibt es hier keine Meckereien. In puncto Übersichtlichkeit ist also alles im grünen Bereich, was auch für die allgemeine Bedienbarkeit gilt. Mit Knöpchen Vollgepackte Leisten glänzen erfreulicherweise durch Abwesenheit. Im direkten Blickfeld der Mittelkonsole liegen die intuitiv bedienbare Klimaautomatik und Radioanlage - falls vorhanden, versorgt der große Farbmonitor die Besatzung mit den wichtigsten Informationen.
Bis dorthin läuft alles in gewohnter Manier. Doch dann folgt - jedenfalls für Ahnungslose - eine kleine Überraschung. Nach den ersten gefahrenen Metern stellt sich nämlich heraus, dass es, wenn - wie im vorliegenden Fall - der kleine Sechszylinder am Werk ist, nicht so temperamentvoll zur Sache geht, wie man angesichts 170 Pferdestärken vielleicht denkt. Arbeitet der 2,4-Liter unter der Haube, ist reisen statt rasen angesagt.
Aber wer das Datenblatt aufmerksam studiert, geht vorbereitet in die Sitzung, denn selbst das Werk nennt eine nur wenig sportliche Spurtzeit von 9,7 Sekunden bis 100 Stundenkilometer.

Beim Überholen sind daher Drehzahlen gefordert; 3.500 Umdrehungen braucht es schon, um den V6 wachzurütteln. Dieser dreht zwar ohne Murren bis an den Begrenzer, aber ihm fehlt der Biss.
Wer die moderate Gangart sowieso bevorzugt, ist mit dem Basis-Sechszylinder gut bedient. Das Klangbild gefällt durch eine sonore Frequenz, und brummige Misstöne entwickelt das Triebwerk auch jenseits der 5.000 Touren nicht.
Definiert sich Antriebskomfort über einen kultivierten Motorlauf, so ist er diesem Audi ganz gewiss beschieden. Dagegen wirkt das Fahrwerk geradezu sportlich - eine straffe Abstimmung, die angemessene Dämpfungsaktivitäten dennoch nicht verhindert, teilt dem Cabrio recht hohe Sicherheitsreserven zu. Passend zur Stimmung gesellen sich die wenig schwammig, sondern vielmehr exakt arbeitende Servolenkung sowie das leichtgängige Fünfganggetriebe (neuerdings sechs Gänge).
Sollte die Querbeschleunigung wider Erwarten doch mal zunehmen, sorgen gut konturierte Sitze für genügend Halt.

Die Überraschung Nummer zwei besteht in einer für Cabrio-Verhältnisse trotzdem noch ordentlichen Alltagstauglichkeit. So reichen 315 Liter Gepäckraumvolumen im Normalfall aus, um wenigstens Reiseproviant für ein bis zwei Wochen mitzunehmen. Etwas störend und den Kofferraum einengend gestaltet sich die bei geöffnetem Dach heruntergeschwenkte Klappe; die ist aber nötig, damit etwaiges Ladegut nicht vom schweren Verdeck beschädigt wird - oder umgekehrt. Notfalls geht es denn geschlossen Richtung Süden - alles ist eben nicht drin. Wenn man sich des Gepäcks wieder entledigt hat, was ja spätestens am Urlaubsort passieren sollte, dann darf ruhigen Gewissens offen gefahren werden, und die Welt ist wieder in Ordnung.
34.900 Euro kostet das kleine Sechszylinder-Cabriolet - damit ist es ausstattungsbereinigt immerhin preiswerter als der Vorgänger. Serienmäßig sind nämlich auch teure Brocken à la Klimaautomatik sowie ein vollelektrisches Verdeck. Daneben gibt es den üblichen Sicherheitsumfang - Antiblockiersystem, vier Airbags und elektronisches Stabilitätsprogramm. Damit die chic aussehende Cabrio-Linie nicht durch einen hässlichen Bügel zerstört wird, hält ein aktiver, hinter den Fond-Kopfstützen angebrachter Überrollschutz den Überlebensraum im Falle einer Drehung um die eigene Achse möglichst groß. Auf der Komfort- und Luxusseite zählen elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Außentemperaturanzeige, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Leichtmetallräder sowie eine fernbedienbare Zentralverriegelung zum guten Ton.
Unbedingt dazugekauft werden sollte eine ab 510 Euro lieferbare Radioanlage mit RDS und Kassettenlaufwerk. Überlegenswert ist auch ein Navigationssystem (ab 1.480 Euro), das nicht zuletzt im Interesse des Wiederverkaufs immer wichtiger wird. Ledersitze (ab 1.680 Euro) stehen dem eleganten Cabriolet ebenfalls nicht schlecht zu Gesicht. Und so könnte man die Liste nahezu endlos fortführen und die 50.000 Euro Schallmauer locker durchbrechen.

Fazit: Mit dem offenen A4 wird selbst aus der Mittelklasse ein kleines Luxus-Gefährt, das sich - ein paar Extras oben draufgepackt - jedoch schnell zu einem teuren Spaß entwickeln kann. Der hier geprüfte Basis-V6 erweist sich als äußerst kultivierte, aber nicht eben besonders spritzige Antriebsquelle und eignet sich damit für jene Klientel, die großen Wert auf Geräuschkomfort legt statt athletenhafter Fahrleistungen zu frönen. Zudem werden jene im Vergleich zum Dreiliter fehlenden Pferdchen durch überschaubare Trinksitten belohnt: Zwischen acht und neun Liter Super genehmigte sich der Audi auf 100 km - das ist durchaus akzeptabel.

 



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