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Fahrberichte & Tests
 
Audi A3 Front
Knackig und muskulös geht auch die zweite
Generation des A3 ins Rennen
 
 

Altbekannte Grösse

Der Audi A3 war neben der Mercedes A-Klasse einer der Begründer jener Premium-Modelle in der Kompaktklasse. Allerdings kam er im Gegensatz zur Konkurrenz aus Stuttgart im klassischen Gewand und seit Beginn in solider Qualität daher. Die zweite, voriges jahr erschienene Auflage setzt die Amtsgeschäfte in optisch gemäßigter Form fort.

Wenn Audi neue Modelle herausbringt, passiert dies meist in unauffälliger Weise. Schließlich will man die konservative Klientel nicht vor den Kopf stoßen, daher finden große Innovationen in der Regel unterm Blech statt. Beim Design ist Feinschliff angesagt; der Tenor des Vorgängers bleibt erhalten, das Bestehende wird insofern verbessert, als dass man sich der modernen Welt in Form gefälligerer und glatterer Flächen anpasst, was auch der Aerodynamik zugute kommt. Demnach war dieses Jahr schon fast ein revolutionäres, denn über das große Maul des neuen A6 diskutierten die einen oder anderen Fachleute wie Autointeressierte lebhaft – so soll es ja auch sein.
Beim A3 jedoch blieb selbst das kleinste Fünkchen Revolution aus. Dessen Erneuerung fand nach dem altbewährten Muster statt, dem die Marke bisher vertraute und mit dem sie auch gut gefahren war. So kommt die schicke Kompaktklasse solide anmutend daher, geliftet und gestrafft, konventionell, kurzum, gestärkt für den Anfang des neuen Jahrtausend.

Audi A3 Innenraum
 
Solide und schnörkellose
Instrumente sind eine
Audi-Stärke
 

Auch innen blieb fast alles beim Alten. Umsteiger sollen sich ja auch nach der Vertragsunterzeichnung in gewohnter Atmosphäre fortbewegen dürfen. Und was heißt das? Audi-Cockpits sind bekanntermaßen exemplarisch für mustergültige Übersichtlichkeit. Das betrifft alle Bereiche von den geradlinigen Instrumenten, welche im direkten Blickfeld des Fahrers liegen und hervorragend abgelesen werden können, bis hin zu den aufgeräumten, in Reihe und Glied stehenden Tasten für Heizung, Klima und Radio.
Das hat schon etwas teutonisches, hier kann nur jemand am Werk gewesen sein, der am Perfektionismus hängt – in Südeuropa kennt man sowas nicht, aber dafür vermisst man hier jenes Flair der leichten Lebensart.
Dieser Einschlag lässt sich natürlich auf sämtliche Bereiche ausweiten – hohe Verarbeitungsqualität ist bei den Ingolstädtern nicht von der Baureihe abhängig. Da fügen sich alle Teile des Interieurs beim A3 ebenso sauber zusammen wie bei den Oberklasse-Modellen. Alles wirkt unglaublich schwer und solide, hier ist wirklich nichts von Pappe.

Dazu passen straff gepolsterte Sitze mit gutem Seitenhalt. Denn Sportlichkeit ist auch so eine Botschaft, die der A3 vermitteln soll. Und er tut es auch, aber zurückhaltend. Es ist diese sportive Jugendlichkeit, die der kompakte Audi ausstrahlt – er ist kein Athlet, aber ausgesprochen fit.
Komfortverwöhnte Automobilisten mögen daher nicht enttäuscht sein, wenn die untere Mittelklasse sie gut über Strassenschäden informiert. Dabei ist der kleine Bayer kein Haudegen, aber grobe Schnitzer auf der Autobahn dringen in die Fahrgastzelle.
Dafür lässt sich der A3 mit seiner präzise arbeitenden elektrischen Servolenkung zielgenau durch Kurven manövrieren und erweist sich bei forcierter fahrt als gutmütiger Untersteuerer. Hohe Tempi bestreitet er mit stoischem Geradeauslauf. Für den Langstreckenbetrieb sprechen außerdem ein subjektiv als niedrig empfundenes Geräuschniveau. Abgesehen von moderaten Tönen aus Richtung Motorhaube bekommen die Passagiere auch vom Wind nicht allzu viel mit.

Konnte das nicht auch schon der letzte Kompaktaudi? Fast, aber nicht ganz so gut. Und eine weitere Neuerung hält zumindest die Version bereit, welche in dieser Abhandlung Thema ist. Es handelt sich um den jüngsten Pumpe-Düse-Spross im niedrigen Leistungsbereich, den 2,0 TDI mit wackeren 140 PS. Das Drehmoment konnte gegenüber dem 130 PS starken 1,9-Liter um zehn Newtonmeter gesteigert werden und liegt bereits bei 1.750 statt 1.900 Touren an. Außerdem schafft der bullig antretende Vierventiler jetzt die Euro 4-Norm, was seine Besitzer freut, müssen diese doch weniger an den Fiskus entrichten.
Auch freuen wird sie, dass der Grundcharakter dieses neuen Motors im Wesentlichen identisch mit dem der vorigen Generation Pumpe-Düse-Selbstzünder ist. Etwas drehfreudiger ist der Neue geworden und im Tonfall dezenter, aber immer noch kernig und vor allem bissig wie ein Terrier.
So gesehen ist das knackige Sechsganggetriebe fast zu schade, denn die Maschine ist elastisch wie ein Gummiband, was nicht gerade gegen Schaltfaulheit schützt.

Bleibt die Frage nach der körperlichen Befindlichkeit im A3, denn dass er antriebstechnisch gesehen Reiselust fördert, scheint klar. Und hiermit sei schon mal drauf hingewiesen: Der schönste Platz befindet sich vorne links. Aber auch Beifahrer dürften sich wohl fühlen, lediglich Fondpassagiere haben es nicht ganz so gut, da hilft es auch wenig, dass der A3 in der Breite und vertikal inklusive Radstand gewachsen ist. Seine Höhe schrumpfte nämlich um einen Zentimeter. Üppige Kopffreiheit können sich hinten Reisende also abschminken.
Vom Kauf abschrecken dürfte dieser Umstand die angesprochene Klientel indes weniger, man weiß ja um die Spezialitäten des kleinen Audi.

Audi A3 Heckansicht
 
Schöner Rücken – am
A3 bleibt kein Auge
hängen
 

Und diese haben ihren Preis: Unter 22.800 Euro gibt es keinen A3 2,0 TDI. Attraction heißt die Basis und bietet Grundzutaten wie Front-, Seiten- und Kopfairbags, Antiblockiersystem, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.
Dinge, die das Autofahrerleben deutlich verschönern, kosten Geld. Da wäre die Klimaautomatik als empfehlenswertes Extra – schon im Sinne des Wiederverkaufs. Sie kostet 1.390 Euro und verfügt über einen Sonnen- wie Luftgütesensor. Radioanlagen lassen sich ab 555 Euro bestellen, und das Navigationssystem kostet mindestens 1.480 Euro. Wer sich sein Kompaktmodell etwas kosten lässt, muss auch auf Schiebedach, Tempomat und Xenonlicht nicht verzichten. Auf diese Weise lassen sich Preise jenseits der 30.000 Euro schnell herstellen.
Dafür zeigt sich der TDI erstaunlich genügsam und braucht kaum mehr als sechs Liter Kraftstoff pro einhundert Kilometer – eine Wohltat angesichts steigender Spritpreise.

Fazit: Der Audi A3 2,0 TDI ist ein unauffälliger, dezent sportlicher Vertreter der unteren Mittelklasse mit höchstem Premium-Anspruch. Durchzugsstark, leise und sparsam zieht er seine Bahnen. Dem Vorgänger tritt er konturierter und muskulöser entgegen, im Grundsatz bleibt der Charakter des gemäßigten Kompakten mit konservativer Ausrichtung jedoch erhalten. Der Basispreis ist nicht von Pappe, aber durchaus gerechtfertigt.



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