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Fahrberichte & Tests
 
Alfa Romeo Brera Front, Innenansicht

Italian Beauty

Mit dem Brera geht Alfa auf Kampfkurs. Endlich geht es mal um ein Auto, bei dem praktische Eigenschaften nicht ganz so wichtig sind, bei dem Herz mehr zählt als Verstand, bei dem sich Ingenieure wie Designer austoben dürfen. Fahrbericht.

Coupés sind in der Fahrzeugpalette wie Sonntage in der Wochentagzählung: Fast ein bisschen heilig, man genießt sie, statt Arbeit steht Freizeit auf dem Programm, eben Kür statt Pflicht. Und wenn Alfa einen Vertreter jener Fahrzeuggattung neu auflegt, dann ist nicht nur die Fangemeinde der Marke (und eine solche gibt es wahrlich) hoch gespannt, sondern fast alle, die Autos lieben.
Neuer Name – neues Glück, so in etwa könnte die Formel lauten: Der Brera darf jedenfalls einen gelungenen optischen Einstand feiern. Knackiges Hinterteil, böse Front à la Alfa 159, scharfe Sicke in der Flanke und potente Vierer-Auspuffanlage sprechen eine klare Sprache.
Eine Ikone auf Rädern, nicht nur edel, rassig und italienisch, auch drahtig und athletisch. Da lachen die Herzen der Alfisti. Zumindest eine Hälfte. Die andere weint: Schließlich besitzt der stärkste Brera-Motor, der 3,2-Liter-V6, Komponenten von der australischen GM-Tochter Holden. Verschwunden sind auch die schönen, hochglanzpolierten Ansaugrohre, welche früher als erstes entgegenblitzten, wenn die Motorhaube geöffnet wurde.

Alfa Romeo Brera, Rückseite, Heckansicht, Rückleuchten
 
Rückseite gleich Schokoladenseite
 

Doch Entwarnung: Unter der jetzigen Kunststoff-Abdeckung steckt auch Alfa Romeo. Die Direkteinspritzung JTS beispielsweise geht auf das Konto der italienischen Traditionsmarke; kurze Fahreindrücke mit dem Spitzen-Brera bescheinigen ihm durchaus kräftigen Druck und vor allem gehaltvollen Sound – ein heikles Kapitel gerade bei Alfa.
Trotz 1,7 Tonnen Leergewicht und Allrad-Antrieb marschiert das Coupé flink durch Biegungen und absolviert Sprints in die Vertikale mit ausgeprägtem Vorwärtsdrang. Dabei faucht es dumpf unter der Haube, je höher die Drehzahl, desto kehliger tönt es in der Fahrgastzelle – so muss es klingen, wenn die Ingenieure der sportlich-exklusiven Marke ganze Arbeit geleistet haben. Anders der Basis-Benziner. Mit runden 200 Kilogramm wesentlich leichter und reinem Frontantrieb im Nachteil, wenn es um Blitzstarts geht. Immerhin 185 PS stranden an der Schwungscheibe – kein Pappenstiel. Zu den lahmen Kisten also kann der 2,2 JTS kaum gezählt werden. Der fehlende Allrad lässt ihn irgendwie befreiter losstürmen, wenngleich der Biss des V6 hier vergeblich gesucht wird.

Dafür kann der kleine Otto auch mal quer durch die kehre brennen; sauber einlenkend, mit straff-direktem Volant, werden Wechselkurven präzise angepeilt und sauber durchlaufen.
Beide Versionen verfügen außerdem über knackig schaltbare Sechsgang-Getriebe mit passenden Anschlüssen sowie exakter Führung.
Auf der Autobahn zeigt der V6 mehr Puste und treibt die Tachonadel mühelos auf 240 Stundenkilometer, während der Vierzylinder speziell im oberen Geschwindigkeitsbereich an Beschleunigungswillen verliert.
Spaß machen jedoch beide, wobei der 3,2-Liter auch dem Tankwart ein bisschen vom Alfa-Kuchen abgibt – in Form häufiger Besuche an der Zapfsäule. Für den 2,2-Liter verspricht das Werk immerhin unter zehn Liter Superbenzin pro 100 Kilometer im kombinierten Verbrauch – damit kann man leben.
Mit der Innenausstattung hingegen will man unbedingt leben. Hier zeigt sich der Alfa von seiner besten Seite und offeriert mediterranes Wohnflair der feinsten Sorte.

Er beweist, dass sich Ergonomie und Schönheit keinesfalls ausschließen müssen. Die leicht zum Fahrer gewandte Mittelkonsole könnte klarer kaum strukturiert sein. Sie beherbergt drei Lüftungsdüsen und ebenso viele Rundanzeigen (für Wasser- und Öltemperatur sowie Tankfüllstand) in Mini-Ausführung. Dafür strahlen die beiden großen Skalen mit Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser den Fahrer förmlich an – dazwischen sitzt die rot leuchtende Multifunktionsanzeige.
Und im Eifer hoher Querbeschleunigung schlägt die Stunde der Sessel, die erstens straff und zweitens mit besonders ausgeprägten Wangen ausgerüstet sind, um die Passagiere bei Bedarf fest in die Zange zu nehmen. Andererseits kann man auf den Sitzen auch angenehm reisen, wenn Ziviltempi auf dem Plan stehen.
Übrigens fällt das Raumangebot mitnichten so knapp aus, wie manches Vorurteil lauten könnte. Wie ein maßgefertigter Anzug sitzt der Brera, allein der Fond ist nicht für schrecklich lange Touren ausgelegt. Doch darüber dürften sich die wenigsten Coupé-Kunden gedanken machen.

Alfa Romeo Brera, Logo, Schriftzug, Emblem
 
Schon der Schriftzug mach Lust auf mehr
 

Eher schon über den Preis. Ab 32.200 Euro ist der Brera 2,2 JTS zu haben. Dafür ist das mitgelieferte Rüstzeug zum Vorzeigen gut: Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags sowie ein Luftkissen fürs Knie, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radio mit RDS und CD-Player, elektrische Sitzlehnenverstellung und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung sind immer an Bord.
Zu den wichtigen Extras gehören Lederpolster (ab 1.050 Euro), Navigationssystem (ab 2.200 Euro), vollelektrische Sitze mit Memory-Schaltung und Beheizung (1.100 Euro), Tempomat (250 Euro) und Doppel-Xenonlicht (640 Euro). Wer möchte, kann den Brera sogar auf der Beifahrerseite mit einem Knieairbag ausrüsten – Kostenpunkt: Lediglich 190 Euro. Da ist der V6-Motor schon ein teureres Vergnügen – über 7.000 Euro mehr verlangt er seinen Käufern ab, ganz zu schweigen von den Mehrkosten im Unterhalt. Doch davor werden wahre Fans wohl kaum zurückschrecken.

Fazit: Der Alfa Brera ist eine Schönheit auf Rädern, die allerdings auch handfeste Qualitäten aufweist. Sportlich, schick und erstaunlich solide rollt das Coupé zu seinen Kunden – wer es sich leisten will und kann, wird Freude daran haben.

 



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