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Fahrberichte & Tests
 
Alfa Romeo 159 Innenasicht, Front

BÖSER CHIC

Alfa Romeo scheint wieder zu alter Form aufzulaufen. Edles Design ist einer der Schwerpunkte, mit denen die Kunden überzeugt werden sollen, doch an Technik fehlt es den aktuellen Modellen ebenso wenig – da macht der 159 keine Ausnahme. Fahrbericht.

Passt schön auf, liebe Jungs der „tiefer, schneller und breiter-Fraktion“, jetzt könnt ihr was lernen: Niemand zaubert einen betörenderen bösen Blick in die Kühlermaske als Alfa Romeo. Der 159 war das erste Familienmitglied mit der ich-fress-dich-gleich-auf-Schnauze – äußerst gewagt und am Geschmack der Masse vorbeigezeichnet, spotten Kritiker, und die Fans sind begeistert ob der antörnenden Front samt sauber herausgearbeitetem Scudetto, schließlich ist ein Alfa Romeo kein Automobil für den Mainstream, sondern für Individualisten; da kommt das Heck allerdings eher ernüchternd daher mit seiner unauffälligen Konventionalität.
Trotz des weniger aufregenden Hinterteils hat der Nachfolger des damals auch schon gewürdigten 156 an Schärfe gewonnen.
Wie ein wild gewordener Schmetterling zischt die Mittelklasse unter die neugierigen Augen ihrer Betrachter. Der Fronttriebler ist ein Beau, ein Muskeltyp im Armani-Anzug, maskulin und schlicht unwiderstehlich.
Doch reicht es auch für mehr als nur zum Laufsteg- respektive Messekandidaten?

Alfa Romeo 159, Heckansicht, Rückleuchten
 
Der Rücken des 159: Konventionell
 

Nun, eines nach dem anderen, erstmal wird das Interieur inspiziert. Da tun sich erstaunlich klare Linien auf, und der in früheren Markenvertretern häufig angetroffenen Sportlichkeit wich eine gewisse technische Sterilität – mischen sich etwa teutonische Züge in den Cocktail aus Prada und Gucci? Beim Thema Qualitätseindruck zumindest schon. Ferner fehlt den Armaturen der Tick Verspieltheit, welcher einstige Alfa-Modelle kennzeichnete. Die italienische Note kommt denn von den kleinen Rundinstrumenten in der Mittelkonsole (sie zeigen die Wassertemperatur, je nach Ausführung auch den Ladedruck wie den verbleibenden Tankfüllstand) und dem Tacho, ebenfalls in klassischer Form gehalten – so kennt es der Markenfreund schon aus der berühmt-berüchtigten Giulia. Für Aktualität sorgen der obligatorische Starterknopf und ein großer Multifunktions-Monitor, der meistens wohl für die Straßenkarten-Darstellung herhalten muss. In Sachen Bedienung kommen keine Probleme auf, das gelingt weitgehend intuitiv mit der Konsequenz schneller Eingewöhnung; wenngleich der Elektronik-Boom auch an der italienischen Mittelklasse kaum vorbeigegangen ist, wurde auf wohlklingende, aber ebenso verwirrende Einknopf-Tools samt Menü-Feuerwerk verzichtet.

Und sonst? Die Sitze verwöhnen Körper und Auge. Den Körper mit wohlgeformter Ausprägung, die lange Strecken entspannt vorüberziehen lässt und das Rückgrat im Falle schnell eingeschlagener Biegungen auf Kurs hält. Das Auge freut sich besonders, falls Lederpolster geordert werden, selbiges präsentiert sich sauber verarbeitet, wohlriechend und hübsch aufbereitet, von Mode verstehen die Italiener wahrlich etwas.
Beim Raum geben sie den Gourmet, der keine überfüllten, aber gehaltvolle Teller mag. Platz ist demnach vorhanden, durchaus mehr als im Vorgänger. Kein Wunder, ist der 159 doch in sämtlichen Dimensionen kräftig gewachsen: Über zwanzig Zentimeter Längenzuwachs meldet das Datenblatt, fast zehn mehr in der Breite und immerhin drei cm an Höhe gewann er. Endlich können auch große Personen bequem einsteigen und dank über zehn Zentimeter mehr Radstand auch im Fond komfortabel reisen, ohne die Beine übermäßig strapazieren zu müssen. Dennoch sitzt der Alfa eher wie ein angefertigter Maßanzug statt Baggy-Outfit – alles andere wäre auch unangemessen.

Beim Antriebskapitel sorgt vor allem der 2,4 Liter große Fünfzylinder-Common-Rail-Diesel für frischen Wind. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn das 200 PS-Aggregat pustet auf Gaspedal-Befehl ordentlich durch. Der Ampelstart erfolgt mit einer winzigen Barriere namens Anfahrschwäche, danach geht es druckvoll in die Vertikale. Währenddessen dieselt es energisch und tönt aus voller kehle nach fünf Töpfen – rauh zwar, aber so sportlich klingen Selbstzünder selten. Dabei wird der Motor nie unangenehm aufdringlich. Zur quirligen Gangart passt das serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe, welches sich bei der Schaltarbeit höchst umgänglich zeigt. Für Vielfahrer dennoch empfehlenswert: Der optionale Sechsstufen-Automat (2.000 Euro).
Kurze Praxiserfahrung mit dem 2,2-Liter JTS bescheinigt jenem Direkteinspritzer immerhin einen Umgangston nach Art des Hauses – dafür haben die Sound-Designer also gesorgt. Obwohl das Triebwerk 185 PS mobilisiert, fällt der dynamische Eindruck zunächst verhalten aus. Erst höhere Drehzahlen lassen den Benziner erwachen, wer also zügig vorankommen will, muss den Schalthebel mit ebenfalls sechs Wahlmöglichkeiten und leichtgängiger Bedienbarkeit fleißig in Bewegung halten.

Alfa Romeo 159, Kofferraum, Rückbank
 
Der Schöne kann auch praktisch...
 

Der preisliche Einstieg beginnt bei 25.900 Euro (Diesel, 120 PS) und 26.700 Euro (Benziner, 160 PS). Wirklich nackt laufen selbst die Grundmodelle nicht vom Band: Elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Antiblockiersystem, Front-, Kopf- wie Seitenairbags, Knieairbag für den Fahrer, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundrum, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaanlage, Leichtmetallräder, Radioanlage mit RDS und CD-Spieler sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sind Standard.
Gegen 1.800 Euro extra gibt es die „Distinctive“-Line mit automatisch abblendendem Innenspiegel, Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, Regensensor und Tempomat. Bei den jeweiligen Spitzenmodellen kostet die luxuriöse Ausstattungslinie 2.950 Euro, beinhaltet aber zusätzlich Lederpolster inklusive Sitzheizung.
Wem das nicht reicht, darf sich gerne durch die umfangreiche Sonderausstattungs-Karte arbeiten, auf welcher Positionen wie Navigationssystem (ab 2.200 Euro), elektrisch verstellbare Sitze mit Memory (910 Euro) oder Bi-Xenonlicht (640 Euro) zu finden sind. Übrigens bietet der Alfa 159 auch für den Beifahrer einen Knieairbag – unter Inkaufnahme von weiteren 190 Euro. Die vorbildliche Sicherheits-Ausrüstung wird mit fünf Sternen im NCAP-Crashtest gut honoriert.

Fazit: Der Alfa Romeo 159 bietet nicht nur etwas fürs Auge, sondern offeriert auch eine geballte Ladung Können und Technik unter seinem wohlgeformten Blech. Mit dieser Limousine kann man gut leben und noch besser fahren. Bleibt der Marke zu wünschen, dass potenzielle Käufer die Botschaft nun schnell erhalten.

 



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